Paul Schockemöhle servierte kurz vor Mitternacht das Bier höchstpersönlich, Ludger Beerbaum holte Autogramme, das ganze Stadion jubelte - der Star beim größten Reitturnier der Welt ist in diesem Jahr ein 20 Jahre alter Fußballspieler: WM-Held Thomas Müller. Am Dienstagabend begrüßten Prominente aus Politik, Sport und Showbusiness den fröhlich grinsenden Nationalspieler mit Ovationen, am Mittwochnachmittag applaudierte das Publikum des CHIO in Aachen bei einem kurzen Auftritt im Reitstadion enthusiastisch. Und Müller konterte freundlich: “Ich bin begeistert.“
Thomas Müller von A bis Z
Fast alles drehte sich an den ersten beiden CHIO-Tagen um Thomas Müller, der seiner reitsportbegeisterten Frau Lisa zuliebe nach Aachen gekommen ist. Der Kicker schlenderte tagsüber in kurzen Hosen und T-Shirt nahezu unbemerkt über das Turniergelände, traf sich mit dem ehemaligen Dressur-Bundestrainer Klaus Balkenhol zum Essen. “Ich bin froh, dass ich bei so einem großen Turnier sein kann“, sagte der höfliche Fußballprofi.
“Es ist schwer, das alles zu realisieren“, erklärte der beste Torjäger der WM, der innerhalb von vier Wochen zu Weltruhm gekommen ist. “Vielleicht kommt das erst in fünf Jahren, wenn es mal nicht so gut läuft. Ich hatte bisher wenig Zeit nachzudenken“, sagte Müller, der nach den Tagen in Aachen in den Urlaub fahren will.
Ministerin Ursula von der Leyen erhielt in Aachen ein “Silbernes Pferd“ ehrenhalber, Bundesliga-Trainer Felix Magath verteilte Journalisten-Preise - und beide staunten über den Wirbel um Müller. “Das gehört inzwischen dazu“, kommentierte Magath milde lächelnd: “Ein Fußballer muss mehr können als nur zu spielen.“ Gerade bei Müller habe der Schalker-Coach aber keine Angst, dass er angesichts des nun entstehenden Starrummels abhebt: “Der ist bodenständig.“
Müller nahm die Aufregung gelassen und genoss am Mittwoch den mehr oder weniger unbemerkten Ausflug über die Anlage, die mit dem 40 000 Zuschauer fassenden Stadion auch für Fußball passende Dimensionen bietet. “Auf dem Rasen hier könnte man Fußball spielen“, sagte er und erklärte: “Wir sind ja an dem Sport interessiert.“ Seine Frau ist Reiterin, er selber hat vor kurzem eine Stute von Bayerns Co-Trainer Hermann Gerland gekauft, der eine kleine Zucht betreibt. Ein Gestüt ist nach Lisa Müllers Angaben ein Traum für die gemeinsame Zukunft.
An passenden Gesprächspartnern mangelt es in Aachen nicht. Müller redete mit dem viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum, der einen Packen Autogramme mitbringen musste, und mit der Reitsport-Legende Paul Schockemöhle. Der Pferdehändler bot Müller beim eigenhändig geholten Bier “einen passenden Hengst für seine Stute“ an. “Ein prima Kerl“, befand Schockemöhle später und schloss sich Magaths Einschätzung an: “Der bleibt trotz des Rummels bodenständig.“
dpa













































































































