Erfolg für Eintracht-Fans: Verbot in Darmstadt gekippt

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Das Aufenthaltsverbot für Fans von Eintracht Frankfurt in Darmstadt wurde vom Gericht gekippt. Foto: Arne Dedert

Aus Sorge vor Ausschreitungen verhängt die Stadt Darmstadt eine Sperrzone für Frankfurter Fußball-Fans in der Innenstadt. Doch das Verwaltungsgericht kippt das Verbot knapp einen Tag vor dem geplanten Inkrafttreten - zunächst.

Darmstadt (dpa) - Der massive Widerstand gegen das Aufenthaltsverbot für Eintracht-Frankfurt-Fans in Darmstadt hat einen ersten Erfolg gebracht. Das Verwaltungsgericht Darmstadt gab am Donnerstagabend fünf Eilanträgen gegen das Verbot statt.

Man habe die aufschiebende Wirkung von Widersprüchen gegen die Verfügung der Stadt Darmstadt wieder hergestellt, teilte das Gericht mit. Damit kann das Innenstadtverbot nach Stand vom Donnerstag nicht wie geplant am Freitagabend in Kraft treten. Die Stadt kann jedoch ihrerseits gegen die Entscheidung vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel ziehen.

Insgesamt lagen dem Gericht sechs Eilanträge vor, von denen die Kammer fünf für zulässig und in der Sache auch begründet erachtet. Die Begründung werde im Laufe des Freitags vorgelegt. Unter anderem hatte der 40 000 Mitglieder starke Fanclubverband der Eintracht gegen die Verfügung geklagt.

Ursprünglich sollten am Freitag um 19.00 Uhr jene 36 Stunden beginnen, in denen Frankfurt-Anhänger nicht die Innenstadt von Darmstadt betreten dürfen. Diese ungewöhnliche Maßnahme hatte die Stadt aus Angst vor Randale ergriffen: Wegen der Ausschreitungen im Hinspiel haben Eintracht-Fans ein Stadionverbot. Die Polizei rechnet dennoch mit 3000 Anhängern, die am Samstag zum brisanten Bundesliga-Derby anreisen.

Die Verfügung hatte nicht nur beim Darmstädter Rivalen in Frankfurt Unmut und Unverständnis ausgelöst, sondern auch bei Rechtsexperten, Fan-Anwälten und Politikern. Die Stadt beruft sich auf das hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Die örtliche Kanzlei Lankau gehört zu jenen, die einen Antrag beim Verwaltungsgericht eingereicht haben. "Wir vertreten einen Eintracht-Fan, der in Darmstadt wohnt, einen verheirateten Familienvater", erklärte Anwalt Tobias Timo Weitz der Deutschen Presse-Agentur. "Er fühlt sich zu Unrecht in eine Ecke gestellt und wehrt sich nun gegen eine Sippenhaft wegen Generalverdachts."

Nach Angaben der Polizei Frankfurt gehören bei der Eintracht "mehrere hundert" Fans der gewaltbereiten Szene an. Gegen 33 Personen wurden zusätzlich polizeiliche Betretungsverbote für das Stadion und Bereiche der Innenstadt ausgesprochen. Unter den "Lilien"-Fans gelten etwas über 100 Anhänger als problematisch.

Waltraud Verleih, die als Rechtsanwältin den Fanclubverband in Frankfurt vertritt, hielt die Verfügung für unverhältnismäßig: "Das ist ein Grundrechtseingriff."

Auch die Organisation "Pro Fans" hatte das Aufenthaltsverbot für Frankfurter Anhänger massiv kritisiert. "Die Stadt Darmstadt sanktioniert mit der Verfügung eine Personengruppe von sechsstelliger Zahl nicht nur ihrer freien Meinungsäußerung, sondern allein schon ihrer Gesinnung wegen, indem sie das Recht des Aufenthalts im Stadtgebiet davon abhängig macht, welchem Fußballverein man zuneigt. Dieser Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit ist skandalös", sagte ProFans-Sprecher Sig Zelt am Donnerstag.

Zur Sicherheitsdebatte rund um das Aufeinandertreffen der abstiegsbedrohten Erstligisten wollte Darmstadts Trainer Dirk Schuster am Donnerstag nichts sagen. "Bitte lasst uns über Sport reden", sagte er. "Wir haben die Randnotizen ein wenig wahrgenommen, aber unsere Aufgabe ist der Sport."

Kapitän Aytac Sulu wäre es sogar am liebsten, die vom DFB-Sportgericht ausgeschlossenen Frankfurter Anhänger dürften am Samstag live am Böllenfalltor dabei sein. "Als Fußballer willst du Stimmung im Stadion haben. Und mit zwei Fanlagern auf den Rängen macht es mehr Spaß", sagte er dem "Kicker".

Eintracht-Stellungnahme

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