Löw warnt nach Basti-Party - Quali-Start "aus kalter Hose"

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Joachim Löw will am Donnerstag seinen Kapitän bekanntgeben. Foto: Federico Gambarini

Bastian Schweinsteiger ist als Nationalspieler Geschichte. Schnell will Bundestrainer Löw die Konzentration auf die Mammutaufgabe WM-Titelverteidigung richten. Vor dem kniffligen Start in die Quali in Norwegen muss er erstmal seinen dezimierten Kader neu sortieren.

Düsseldorf (dpa) - Joachim Löw hatte nach dem emotionalen Servus für Bastian Schweinsteiger kaum Zeit für Sentimentalitäten. Den Fokus richtete der Bundestrainer sofort auf die WM-Qualifikation.

Das große Ziel ist die historische Titelverteidigung 2018 in Moskau. Der erste unbequeme Gegner wartet schon am Sonntag (20.45 Uhr) in Oslo. "Norwegen ist gefährlich. Wir spielen so ein bisschen aus der kalten Hose heraus, weil die meisten erst einen Wettkampf haben, einen Bundesliga-Spieltag. Da ist es nicht immer ganz so einfach", warnte Löw vor dem Auftaktspiel in der Gruppe C.

Ein Fehlstart wie in der EM-Qualifikation soll unbedingt vermieden werden. Vor zwei Jahren verlor der Weltmeister in Polen das erste Auswärtsspiel auf dem holprigen Weg Richtung Frankreich. Nach der tränenreichen Basti-Party im Borussia-Park beim 2:0 gegen Finnland und einer kurzen Nacht musste Löw aber erst einmal sein Personal sortieren. Die Kader-Frage für Norwegen war für den Bundestrainer plötzlich sogar wichtiger als die Verkündung, wer künftig statt Schweinsteiger die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde tragen darf.

Der Plan, die im August hoch belasteten und gegen Finnland munter aufspielenden Silber-Jungs von Rio - Max Meyer, Niklas Süle und Julian Brandt - alle zur Erholung nach Hause zu schicken, war hinfällig. Nach dem Ausfall von Kevin Volland, der noch am Donnerstag an seiner gebrochenen Mittelhand operiert werden sollte, beließ Löw die Youngster Meyer und Brandt im arg geschrumpften Aufgebot. Nur Defensivmann Süle reiste wie geplant zurück nach Hoffenheim.

Da auch Emre Can (Knöchel) definitiv fehlt und Julian Draxler wegen Grippe geschwächt ist, kann Löw personell kein Risiko mehr eingehen. Er hat nur noch 16 Feldspieler und drei Torhüter zur Verfügung.

"Aber wir werden eine gute Mannschaft haben. Und wir werden alles dafür tun. Jetzt beginnt die Vorbereitung für Norwegen", versprach Löw noch in Mönchengladbach. Am Donnerstagmorgen setzte sich der 56-Jährige zum Start seiner möglicherweise letzten großen Titeljagd dann gleich mit seinem Trainerstab im Hotel im Düsseldorfer Medienhafen zusammen, um die Lage zu beraten.

Die gute Nachricht des Finnland-Spiels: Die von Löw in die Startelf beförderten Nachwuchskräfte überzeugten. "Wir haben sehr hoffnungsvolle Spieler. Wir können uns auf die Zukunft freuen", sagte Löw. Mit seinem Lob für die Talente will der Bundestrainer auch neue Reizpunkte im Kader setzen. Gerade Premieren-Torschütze Meyer bereitete dem Weltmeistercoach Freude: "Er macht immer die Bewegung in die Tiefe. Das finde ich gut. Er hat eine gute Technik, ein gutes Passspiel. Daher war das eine sehr gute Leistung von ihm", sagte Löw.

"Nach jedem Turnier werden junge Spieler herangeführt. Das ist ein logischer Schritt, nichts Neues oder Verrücktes", sagte der gegen Finnland eingewechselte Thomas Müller. Mehrere geschonte Stammkräfte wie Toni Kroos, Sami Khedira oder Mats Hummels werden in Oslo wie auch Müller wieder in der Startelf stehen. Auch Torwart Manuel Neuer spielte in Mönchengladbach nicht, ist im Tor aber gesetzt.

Mesut Özil wurde für seinen 80. DFB-Einsatz eingewechselt und traf mit der von Lukas Podolski übernommenen Nummer 10 auf dem Rücken zum 2:0-Endstand. Der Schwierigkeit der kommenden Aufgabe sind sich die überwiegend zum Saisonstart geschonten Weltmeister bewusst. "Mit einem Auswärtsspiel in Norwegen zu starten, ist nicht das Angenehmste", mahnte auch Müller zu einer konzentrierten Vorbereitung vor dem Abflug Richtung Norden am Samstagmorgen.

Neben Shkodran Mustafi war Mario Götze der einzige Weltmeister, den Löw in Mönchengladbach 90 Minuten auf den Prüfstand stellte. Dem in Dortmund von Thomas Tuchel noch nicht für einsatzfähig befundenen Rückkehrer attestierte auch Löw noch einen gewissen Nachholbedarf, trotz eines engagierten Auftritts mit zwei Torvorlagen. "Er hat sich viel bewegt und viel versucht. Einiges ist ihm gut gelungen, aber er ist natürlich noch nicht bei 100 Prozent. Ich glaube, dass ihm einige Prozent fehlen an Spritzigkeit, an Dynamik", sagte Löw.

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