US-Medienunternehmen will übernehmen

Wird die Formel 1 jetzt doch verkauft?

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Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Monza - Der seit Jahren angedachte Verkauf der Formel 1 steht nun offenbar unmittelbar bevor. Die Übernahme durch ein US-Medienunternehmen könnte ein Paradigmenwechsel für den Sport sein - nun sollen aber auf einmal weitere Interessenten aufgetaucht sein.

Erst wollte gar keiner, dann kam der erste aus der Deckung, und mittlerweile gibt es angeblich schon drei Anwärter für den Kauf des milliardenschweren Entertainment-Imperiums Formel 1. Nachdem am Wochenende in Monza die Runde gemacht hatte, dass ein Medienkonzern aus den USA bereits am Dienstag die erste Rate überweisen würde, waren es am Montag auf einmal drei Interessenten - ins Spiel gebracht von den Fachmagazinen auto, motor und sport sowie Autosport aus Großbritannien.

Liberty Media heißt der Anwärter Nummer eins. Ein Unterhaltungs-Unternehmen aus Colorado unter der Führung des 75-jährigen John Malone, das für insgesamt 8,5 Milliarden Dollar die Kontrolle übernehmen will. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bestätigte bei auto, motor und sport diese Pläne. Seit rund 40 Jahren leitet der kleine mächtige Mann die Geschicke der Serie, er wandelte die Formel 1 vom Schraubersport in ein internationales Premiumprodukt.

Ende der Ära Ecclestone?

Zu Wochenbeginn kamen dann nach Informationen des renommierten britischen Magazins Autosport zwei weitere Kaufinteressenten ins Spiel. Angeblich verhandelt der aktuelle Mehrheitseigner CVC bereits seit einiger Zeit mit der Investment-Firma RSE Ventures. Das von Stephen Ross, dem Besitzer des NFL-Klubs Miami Dolphins, geleitete Unternehmen arbeitet eng mit einem katarischen Konsortium zusammen. Ein weiterer angeblicher Interessent wurde namentlich von dem Magazin nicht genannt.

Der Verkauf, an wen auch immer, könnte das jähe Ende der Ära Bernie Ecclestone bedeuten. Der 85-Jährige selbst äußerte sich zu seiner Zukunft gewohnt nebulös. "Ich tue, was ich immer getan habe", sagte er, "es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme." Dieser Satz ist typisch für Ecclestone, denn mit der Realität nimmt es der stets taktierende Brite nicht immer genau. Schon jetzt ist Ecclestone lediglich der von CVC Capital eingesetzte Geschäftsführer der Formel 1 - bei einem Besitzerwechsel hätte er daher zunächst einmal wenig Mitspracherecht.

Schon in der Vergangenheit hatte Ecclestone für viel Verwirrung gesorgt, wenn es um den Verkauf der Anteile ging. Interessenten aus den USA, aus Katar und China brachte er ins Gespräch. Schon vor rund einem Jahr galt US-Milliardär Stephen Ross als Käufer. Von einer Einigung per Handschlag war die Rede, Ecclestone kündigte eine Abwicklung des Deals bis zum Jahresende 2015 an - es geschah: nichts.

Übergangsphase vorstellbar

Sollte das Geschäft vollzogen werden, ist es zumindest bei Liberty Media unwahrscheinlich, dass man das Schicksal der Formel 1 weiterhin in Ecclestones Hände legt. Angeblich soll Chase Carey, Vizepräsident des Medienunternehmens 21st Century Fox und langjähriger Geschäftspartner von Malone, künftig Ecclestones Rolle als Geschäftsführer der Formel 1 übernehmen.

Malone und Carey, so wird gemunkelt, wollen die Vermarktung wohl grundlegend verändern und die Bewegtbildrechte zur mit Abstand größten Einnahmequelle machen - das wäre eine gute Nachricht für die angeschlagenen Rennveranstalter. Derzeit nämlich erzielt Ecclestone seine hohen Erlöse zu einem großen Teil aus den Millionen-Antrittsgagen, welche nicht nur den Hockenheimring ächzen lassen. "Mehr Chance als Risiko" sei dieses Geschäft, sagte am Sonntag Daimler-Vorstand Dieter Zetsche bei RTL - wenn es denn wie vermutet durchgeführt werde.

Eine plötzliche Ablösung Ecclestones wäre dennoch kaum vorstellbar. Zu sehr hängen die aktuellen Geschäfte an dem Briten, der selbst noch rund fünf Prozent der Anteile hält. Vorstellbar ist eine Übergangsphase, in der er seine Macht schrittweise abgibt. In Monza wurde Ecclestone bereits gefragt, ob man ihn denn in Zukunft noch im Fahrerlager sehen werde. "We will see", sagte er schmunzelnd. Wir werden sehen.

SID

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