Disziplintrainer der DSV-Herren

Andi Stitzl - Der Weltmeister-Macher aus Bergen

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Bergen - "Ist das geil", brüllt Andi Stitzl seinem Schützling Simon Schempp zu. Wenig später macht dieser den ersten deutschen Biathlon-Staffelsieg bei einer WM seit 2004 perfekt.

„Ist das geil“, brüllte Andi Stitzl seinem Schützling Simon Schempp in den Wäldern von Kontiolathi hinterher. Schempp machte sich gerade auf die letzten Kilometer bei der Biathlon-WM durch die finnischen Wälder, um den ersten Sieg einer deutschen Staffel seit elf Jahren nach Hause zu bringen.

Der 41-jährige Disziplintrainer der DSV-Herren hatte dabei Freudentränen in den Augen. Stitzl lebt den Biathlonsport und lässt seinen Emotionen freien Lauf. „Ich kann nicht anders, man steht bei so einem Rennen dermaßen unter Spannung. Das ist echt und keine Show“, beteuert er.

Es hat auch schon Kritik an seinem Verhalten gegeben. Doch der überwiegende Teil der Biathlonfans ist begeistert vom Engagement des ehemaligen Biathleten und Langläufers, der vor knapp einem Jahr die Nachfolge von Fritz Fischer bei den deutschen Männern als Trainer angetreten hat.

Im sozialen Netzwerk hat er mittlerweile den liebevollen Spitznamen „Schnitzel“ verpasst bekommen.  Dabei gibt nicht nur Stitzl seine lauten Kommandos an der Strecke durch die Wälder ab, auch die Betreuer der anderen Nationen melden sich genauso lautstark zu Wort. „Die Deutschen hört man halt, weil sie vom Fernsehen verkabelt werden“, verrät ZDF-Biathlonexperte Herbert Fritzenwenger.

Das Coaching beim Biathlon an der Strecke ist aber klar geregelt: 50 Meter darf der Betreuer am Streckenrand mit seinem Sportler mitlaufen und Kommandos geben. Dabei darf er auf keinem Fall andere Athleten behindern. 

So kommen schon einige Kilometer zusammen, die ein Betreuer und in diesem Fall Stitzl unterwegs ist. „Luft genug habe ich, schließlich bin ich beim Skitesten immer noch selber auf den Brettern unterwegs“, lacht Stitzl. Auch mit der Stimme hat er kein Problem, ungefähr zwei Stunden nach dem Rennen klappt es auch mit dem normalen Reden wieder.

In einem Interview meinte er flapsig: „Wir Männer reden halt beim Sport so viel und so laut, weil wir zu Hause nicht so viel zu sagen haben.“ Natürlich sei er privat ruhiger, schmunzelt er. Auch im Training am Stützpunkt in Ruhpolding gibt er sich meist leiser: „Das kann ich den Sportlern dann doch nicht zumuten.“

In der heimischen Chiemgau Arena kümmert er sich vornehmlich um seine beiden Weltklasse-Athleten Simon Schempp und Andi Birnbacher. Im vergangenen Sommer hat er den verletzten Birnbacher wieder fit bekommen. Der 33-Jährige galt bereits als ausgemustert und schaffte es wieder zurück in die Weltspitze.

Als ehemaliger Leistungssportler weiß Stitzl, wie seine Jungs ticken: „Jeder braucht eine andere Ansprache und auch seine Freiheiten.“ Jetzt beim letzten Weltcup ab Donnerstag in Russland werden seine Skijäger in den sibirischen Wäldern noch einmal alles geben. Allerdings ohne Stitzl und seine Anweisungen, er verzichtet aus privaten Gründen auf die weite Reise.

Seine Sportler schätzen übrigens die Anfeuerungen ihres Trainers. „Das motiviert ungemein und die Informationen über Zwischenzeiten oder Hinweise zum Schießen sind unheimlich wichtig“,  pflichtet auch Ex-Biathlet Michael Greis bei. Der muss es ja schließlich wissen, als dreifacher Olympiasieger.

SJH

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