SV Wacker: "Ums Überleben gekämpft"

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Burghausen - Begleitet von einer Wutrede des Burghauser Bürgermeisters hat der SV Wacker auf einer Pressekonferenz auf das schwierige Lizenzierungsverfahren zurückgeblickt.

Eigentlich sollte die Pressekonferenz des SV Wacker Burghausen am Mittwoch, 12. Juni, einen Ausblick auf die kommende Saison bieten. Die bestimmenden Themen der letzten Wochen wie Lizenzierung, Gehaltskürzungen und der Rechtsstreit mit Youssef Mokhtari waren jedoch omnipräsent.

Spieler verzichten auf 200.000 Euro

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"Wir haben ums Überleben gekämpft", so Präsident Klaus Schultheiss zur Lizenzierungsverfahrung für die kommende Saison. "Es mussten 700.000 bis 800.000 Euro in den letzten drei Monaten aufgebracht werden", so Schultheiss - allerdings nicht, wie vereinzelt kolportiert, weil schlecht gewirtschaftet worden sei. Vielmehr hätten sich verschiedene Ereignisse wie die Erhöhung der Auflagen des DFB, das Pokal-Aus und die Polykrise, die die Chemiestadt Burghausen schwer trifft, schlicht summiert.

Schuldenfrei zu sein sei jedoch stets "oberste Prämisse" geblieben. In der dritten Liga, dem "Armenhaus", wie Schultheiss sagte, könnte man Schulden nie zurückzahlen.

Verschiedene Maßnahmen, wie Gehaltseinsparungen in Höhe von 60.000 bis 80.000 Euro in der Geschäftsstelle und in Höhe von 200.000 Euro bei den Spielergehältern haben dem SV Wacker schließlich die Lizenz ohne Auflagen beschert. Bis auf zwei Spieler hätten alle auf Gehalt verzichtet.

Verein hofft auf Fördermittel des DFB

Aktuell sieht der Verein finanziell Licht am Ende des Tunnels. So könnte vielleicht schon in den nächsten 14 Tagen ein neuer Ärmelsponsor präsentiert werden. Die größten Hoffnungen richten sich jedoch auf Fördermittel in Höhe von bis zu 175.000 Euro, die der DFB Vereinen mit besonders guter Nachwuchsarbeit ab der Saison 2014/2015 zur Verfügung stellen möchte. Nach Angaben von Burghausens Bürgermeister Hans Steindl, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadiongesellschaft, wären die Fördermittel des DFB höher als die Summe, die der Verein jährlich vom Trikotsponsor überwiesen bekommt.

Zweiter Co-Trainer soll Jugendarbeit forcieren

Um an die großen Fördertöpfe zu kommen, hat sich der SV Wacker mit einem zweiten Co-Trainer verstärkt. Christian Wimmer war bis zu seiner Sportinvalidität unter anderem in der Jugend des FC Bayern sowie für Greuther Fürth und den Hamburger SV aktiv. Als Trainer hat der 28-Jährige unter anderem das Nachwuchsleistungszentrum des TSV 1860 Rosenheim umstrukturiert.

Beim SV Wacker soll sich Wimmer speziell um die jungen Spieler im Kader kümmern, den Kontakt zu den Nachwuchstrainern des Vereins pflegen und Scouting-Aufgaben übernehmen. Außerdem soll er mit seinem "Erfahrungsschatz", wie Geschäftsführer Florian Hahn betonte, mithelfen, das Leistungszentrum so zu modernisieren, dass der SV Wacker die Fördermittel des DFB erhält.

Tür für Mokhtari doch nicht zu?

Laut Hahn zählt der Kader des SV Wacker 16 Spieler. Der Geschäftsführer geht davon aus, "dass am Montag zwei weitere hinzustoßen". Die Abgänge seien "bei uns alle durch", jetzt gehe es bei der Kaderplanung nur noch um die Zugänge. Dass Youssef Mokhtari, aktuell freigestellt, seine Schuhe erneut für Burghausen schnüren wird, scheint noch nicht gänzlich ausgeschlossen. "Es muss von beiden Seiten eine Annäherung stattfinden", sagte Steindl.

Der ehemalige marokkanische Nationalspieler hatte zwei Vertragsangebote zu reduzierten Bezügen ausgeschlagen und daraufhin die Kündigung erhalten - ein "sehr faires Angebot" mit vertraglich geregelter Abfindung, wie Hahn hervorhob. Die Kündigung hatte Mokhtari nicht akzeptiert und geklagt. Der Gerichtstermin steht noch aus. Der Ball liege bei seinem Berater, so Hahn.

Präsident kritisiert den DFB

Nach vielen Wochen des Bangens haben sich Schultheiss wie Steindl nicht damit zurückgehalten, den und das Lizensierungsverfahren zu kritisieren."Drittligafußball ist ein Ritt auf der Kanonenkugel", so der Präsident. Während ab der neuen Saison die Einnahmen der zweiten Liga um 52 Prozent steigen, erhält die dritte Liga keinen Cent mehr. Das Verhältnis der Einnahmen von dritter und zweiter Liga liege nun bei 1 zu 10,52, wie Schultheiss erklärte. Außerdem bewerte der DFB bei der Lizenzierung alleine die Liquidität. Der Schuldenstand hingegen ist unerheblich, sodass sich die Vereine mehr und mehr verschulden können, um die für die Lizenz notwendigen flüssigen Mittel zu beschaffen.

Führung des SV Wacker bezieht Stellung

Bürgermeister Steindl hält Wutrede

Bürgermeister Hans Steindl redete sich in einem kleinen Rundumschlag regelrecht in Rage. Steindl stößt sauer auf, dass Präsident Klaus Schultheiss und Präsidiumsmitglied Reinhard Frauscher in Fan-Foren ohne Kenntnis der Sachlage angegriffen würden - zum Teil "bis in den familiären Bereich". "Das ist ein Skandal, denn sie sind alternativlos", so der Bürgermeister. "Ich würde alleine mit dem Geschäftsführer da sitzen." Das müsse man schreiben und nicht, "ob ein Mokhtari in der nächsten Saison noch da spielt".

Steindl habe verwundert, was für den Burghauser Fußball wichtig sei. "Das sind nicht diese 25 Spieler. Die sind austauschbar. Morgen. Alle miteinander. Vom Torwart bis zum letzten Reservisten." Frauscher und Schultheiss sind für den Bürgermeister hingegen wichtig, wenn es darum geht, für Nachwuchsspieler aus Deggendorf oder Ried eine Lehrstelle zu finden. "Er besorgt ihnen denn das? Irgendein Betriebsrat? Oder irgendein Wacker-Vorstand?"

Sogar der 1. FC Köln, neuer Verein des Burghauser Starspielers Maxi Thiel, bekam sein fett weg. "Schauen wir mal, ob's der Thiel schafft. Da waren zum Trainingsauftakt neun Spieler da. Das sind Schlagzeilen! Kein Trainer, neun Spieler." Köln sei ein Verein, "der an der Pleite schlurft".

Rubriklistenbild: © bla

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