Ultras: SV Wacker prüft Stadionverbote

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Kein Zutritt für Ultras? Die Polizei hat bei der Fußball GmbH des SV Wacker einen Antrag auf Stadionverbot für mehrere gewaltbereite Fans gestellt.
  • schließen

Burghausen - Während die Polizei Stadionverbote für Ultras fordert, möchte Bürgermeister Steindl beim nächsten Heimspiel zur Probe ganz auf Polizei verzichten.

Mit harten Maßnahmen möchte die Burghauser Polizei gegen gewaltbereite Ultras vorgehen. Sogar bundesweite Stadionverbote sind denkbar. Einen entsprechenden Antrag hat die Polizei bei der Fußball GmbH des SV Wacker eingereicht.

Polizeibekannte Ultras und Mitläufer

Lesen Sie auch:

"Es gibt schon längere Zeit Probleme mit Fußballfans", sagt Georg Nieß, Erster Polizeihauptkommissar bei der Polizeiinspektion Burghausen. Jüngst hatte die Polizei versucht, einen Tatverdächtigen festzunehmen, woraufhin sich einige seiner Kameraden mit ihm solidarisierten und sogar eine Gefangenenbefreiung versuchten. Neben Beleidigungen kam es zu massive Drohungen gegen die Polizisten. Als Folge der Vorfälle führte die Polizei eine Reihe von Hausdurchsuchungen durch, um Beweismaterial sicherzustellen.

Diese Gegenstände stellte die Polizei bei Durchsuchungen sicher. Doch besteht zwischen den jüngsten Vorfällen und dem Fußball tatsächlich eine Verbindung?

Für Nieß besteht ein "direkter Zusammenhang mit dem Fußball". Einige Ultras seien polizeibekannt, hinzu kämen einige Mitläufer. Bezogen auf die breite Masse der Burghauser Fußballfans spricht der Erste Polizeihauptkommissar allerdings von einem "kleinen Prozentsatz gewaltbereiter Ultras".

"Das ist keine Fankultur!"

Gerade deshalb ist es Nieß sehr wichtig zu betonen, dass weder der Fußball in Burghausen im Allgemeinen noch der SV Wacker ein Gewaltproblem hat. "Einige wenige schaden dem Ruf des Vereins und der Stadt. Sie nehmen den Fußball als Plattform", so Nieß, der den Begriff Fußball-Fan bei den Ultras für fehl am Platze hält. "Das ist keine Fankultur!"

Aktuell stehen Polizei und Verein in engem Kontakt, um eine gemeinsame Lösung zu suchen. "Wir arbeiten sehr gut mit dem Verein zusammen", erklärt der Erste Polizeihauptkommissar. Aktuell liegt der Fußball GmbH des SV Wacker ein Antrag der Polizei auf bundesweite oder lokale Stadionverbote gegen die Ultras vor.

"Im normalen Rahmen für Drittliga-Fußball"

Ob der Verein tatsächlich Stadionverbote aussprechen wird, ist noch offen. Wie Geschäftsführer Florian Hahn gegenüber innsalzach24 erklärt, werde man den Antrag der Polizei prüfen. Einen direkten Bezug zum Fußball sieht Hahn bei den jüngsten Vorfällen allerdings nicht, schließlich gebe es momentan wegen der Sommerpause ja nicht einmal Spiele des SV Wacker.

Sieht keinen direkten Zusammenhang zum Fußball: Geschäftsführer Florian Hahn.

Die Aktivitäten der Ultras bei den Fußballspielen bewegen sich für Hahn "im normalen Rahmen für Drittliga-Fußball". Der Fußball biete den Ultras eben eine Plattform. Der Verein sowie alle Verantwortlichen distanzierten sich zudem klar von Gewalt.

Seit vier Jahren keine Vorfälle im Stadion

Insgesamt bewertet Hahn die Situation viel positiver als noch vor einigen Jahren. Seit er im Amt sei (also seit vier Jahren), habe es im Stadion keine Vorfälle gegeben. Der Geschäftsführer erinnert daran, dass es noch vor einigen Jahren, auch zu den Zweitliga-Zeiten des Vereins, schlimmere Vorfälle gab.

Steindl: "Sehr friedliches Fußballumfeld"

Regt an, gegen Duisburg ganz auf Polizei zu verzichten: Bürgermeister Hans Steindl.

Burghausens Bürgermeister Hans Steindl sieht die Problematik ähnlich wie Hahn. "Ich gehe seit 25 Jahren ins Fußballstadion des SV Wacker und es gab noch nie gravierende Vorfälle", so Steindl. Insgesamt sei Burghausen "ein sehr friedliches Fußballumfeld" mit vielleicht drei bis fünf Prozent gewaltbereiten Fans.

Weniger im Stadion, sondern vielmehr auf dem Weg dorthin sorgten diese Fans für Ärger. Sie provozierten, zettelten Schlägereien an und sprühten Graffiti, so der Bürgermeister. Für Steindl untragbar: "Ich lasse von ein paar Chaoten die Liebe zum Fußball nicht vermiesen."

Heimspiel gegen Duisburg ganz ohne Polizei?

Stadionverbote sind für das Stadtoberhaupt die letzte Option. "Das Problem ist mit einem Stadionverbot nicht beseitigt." Steindl befürchtet, dass dann die ausgeschlossenen Fans zu Märtyrern stilisiert würden und sich eigentlich friedliche Fans mit ihnen solidarisierten.

Anstatt auf Stadionverbote baut Steindl auf die Vernunft der Fans - und auf eine ungewöhnliche Maßnahme. Der Bürgermeister schlägt vor, beim ersten Heimspiel der neuen Saison - am 27. Juli gegen den MSV Duisburg - ganz auf Polizei zu verzichten. "Leute, ist es wirklich so, dass euch die hohe Polizeipräsenz aufregt?", fragt Steindl.

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser