Interview mit Reichenhaller Profimountainbiker

Andreas Hartmann: "Heimkommen ist am schönsten"

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Andreas Hartmann in Radlermontur

Bad Reichenhall - Andreas Hartmann ist mit seinem Mountainbike für das internationale Craft-Rockymountain-Team rund um die Welt unterwegs. Doch am liebsten radelt er durch seine alpine Heimat im Berchtesgadener Land.

Seine Leidenschaft führt den Bad Reichenhaller Andreas Hartmann rund um die Welt. Bei Mountainbike-Marathons misst er sich mit den Besten, legt Tausende Höhenmeter auf dem Sattel zurück. Zuhause in Bad Reichenhall ist sein Basislager. "Wegfahren ist toll", sagt er, "aber Heimkommen ist am schönsten."

Ein paar Tage Daheim, durchschnaufen, auftanken, Freunde und Familie treffen. Koffer auspacken und wieder neu einpacken. Andreas Hartmann ist Mountainbike-Profi. Gerade war er in Kanada, jetzt ist er auf dem Sprung nach Oslo. Von März bis Oktober ist der 25-Jährige quasi dauer-unterwegs. In der Alpenstadt Bad Reichenhall lädt er zwischendurch immer wieder seine Akkus voll. "Ich bin im Jahr rund fünf Monate nicht zuhause", überschlägt er sein Reisepensum. Seine Rennen führen ihn quer über den Erdball: Amerika, Europa, Asien.

Auch wenn es noch eine überschaubare Gruppe Athleten ist, die beim Mountainbikesport um Bestzeiten fighten, hinter den Straßenrenn-Kollegen brauchen sie sich nicht verstecken. Die Szene gewinnt stetig Bedeutung. Andreas Hartmann ist Mitglied im internationalen Craft-Rockymountain-Team. Ausrüstung, Reisen, Wettkämpfe bekommt er gesponsert, außerdem gibt’s ein kleines Gehalt. Davon kann man zwar nicht leben, für einen Nebenbei-Studenten ist es aber ganz ordentlich.

Er hat die Berge im Blut

Hartmann in Aktion

Dass Andreas Hartmann die Berge so liebt, hat er seinem Großvater zu verdanken. Der hat ihn schon als Kind mit zum Wandern genommen. "Wir waren natürlich überall im Berchtesgadener Land unterwegs, oft auch in Südtirol. Jedes Jahr zum Geburtstag hat mir der Opa eine Mehrtagestour geschenkt. Für mich was das das Schönste", sagt Andreas. Den Wechsel von den Wanderschuhen auf den Bikesattel hat wiederum der Vater zu verantworten.

Der hatte sein Mountainbike immer im Schuppen stehen. Irgendwann hat sich Andreas das Rad geschnappt. Seine allererste Bergetappe: hinauf zum Jochberg. 6,2 Kilometer, 534 Höhenmeter. Die Distanz absolviert der Profi heute in lockeren 23 Minuten, damals brauchte er über 40. "Aber schieben musste ich nie. Hätte ich gleich am Anfang versucht, auf die Gotzenalm zu fahren, hätte ich vielleicht absteigen müssen", lacht der sympathische junge Mann. Die Tour am Königssee gilt landschaftlich als Highlight, fordert dem Biker aber alles ab. Um die 30 Prozent Steigung misst die letzte Rampe vor der Alm.

Stets aufs Training fokussiert

Während der Rennsaison hat Andreas Hartmann so gut wie keine Zeit mehr für Panoramarunden in der Heimat und im Vorfeld schon gleich gar nicht. Dann steht Training auf dem Programm: sechs Mal die Woche, zwei bis sieben Stunden. Im Studio wird Kraft aufgebaut, bei Regenwetter sitzt er auf der Rolle, mit dem Rennrad fährt er 120 bis 150 harte Kilometer.

"Wenn ich mit dem Mountainbike unterwegs bin, stehen am Ende selten weniger als 2000 Höhenmeter auf dem Tacho", erzählt er. Für die wunderbare Bergwelt hat er dabei keinen Blick. Stattdessen heißt es Intervalle abspulen und reinbeißen. Ein Beispiel: Drei bis vier Stunden tritt Andreas den Jochberg immer wieder rauf und runter. Und ist glücklich. "Dort wo andere Urlaub machen, darf ich tagtäglich trainieren, für mich ein riesen Geschenk."

Wenn es im Herbst wieder ruhiger wird, kann er all die grandiosen Touren fahren, die das Berchtesgadener Land und die ganze Region bietet. "Wir haben hier ein fantastisches Bike-Revier vor der Haustür. Egal ob ambitionierter Power-Fahrer oder gemächlicher Biker, jeder findet seine Route und es ist nirgends voll und überlaufen. Außerdem kommen bei uns Radfahrer und Wanderer sehr gut miteinander aus. Es ist genug Platz für alle da. Andernorts gibt’s oft Konflikte."

Hartmann hat schon einige Erfolge eingefahren

Andreas Hartmann in Radlermontur

Andreas Hartmanns Disziplin beim Mountainbiken ist das anspruchsvolle Marathon-Rennen. Statt auf asphaltierten Straßen wird ausschließlich im Gelände gefahren, an die 120 Kilometer und 3.000 Höhenmeter. Die Weltspitze ist eng.

Andreas größte Erfolge können sich sehen lassen: Sieg beim Nationalpark Bikemarathon 2013/Schweiz, 9. Platz beim BIKE Transalp 2014 sowie der 3. Rang beim HERO MTB Himalaya 2014/ Indien, der Gewinn des Grünen Trikots beim BIKE 4Peaks 2015/Österreich, der 3. Rang beim Singletrack 6 in Kanada 2016 und eine Top Ten-Platzierung bei BIKE 4Peaks 2016.

Solange sein Sponsor den Vertrag jedes Jahr aufs Neue verlängert, wird sich Andreas Hartmann aufs Biken konzentrieren. Aber er ist auch auf ein "danach" vorbereitet. An der Universität Salzburg studiert er Kommunikationswissenschaften und will zusätzlich den Lehrgang Sportjournalismus belegen.

Die Tasche für den Flug nach Norwegen ist schon gepackt. Von Salzburg aus geht’s direkt nach Oslo und weiter nach Lillehammer. Die Saison dauert noch ein paar Wochen. Aber Andreas Hartmann liebt seinen Job. "Mountainbiken bedeutet für mich Freiheit und Glück auf zwei Rädern." Und wenn er nebenbei auch noch die Welt kennenlernt, umso so besser. "Trotzdem ist Heimkommen immer noch das Schönste", weiß er.

Andreas Hartmanns Mountainbike-Tipp:

"Ich fahre extrem gerne die Reith-Runde. Von Bad Reichenhall aus führt der Radweg am Ufer des Saalachsees nach Unter- und weiter nach Oberjettenberg. Ab hier geht’s bergauf - mit einer kurzen Abfahrt zwischendurch - zum Aschauer Sattel. Der freie Blick auf die Loferer Steinberge, die manchmal sogar im Sommer oben angeschneit sind, ist toll. Hinunter nach Reith fährt man auf einer Forststraße. Über Unken und Schneitzlreuth geht’s erst entlang der Saalach und dann wieder am Saalachsee zurück. Die Tour bietet sich auch für geländegeeignete E-Bikes an." Tourdaten: Länge: circa 42 Kilometer - Höhenmeter: circa 360

Pressemitteilung Kur-GmbH Bad Reichenhall/ Bayerisch Gmain

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