John Mayer präsentiert "Kampfstudien"

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In seinem neuen Album "Battle Studies" verarbeitet John Mayer seinen Herzschmerz.

London - Der Schmusesänger John Mayer bringt neues Album "Battle Studies" auf den Markt. Sein wilder Stilmix kommt aber nicht bei jedem an. Lesen Sie hier die ausführliche Kritik.

Der “Herzensbrecher von Hollywood“, US-Sänger John Mayer, startet das neue Jahrzehnt mit musikalischer Kampfeslust. Sein viertes Studioalbum “Battle Studies“ (“Kampfstudien“) ist an diesem Freitag auf dem deutschen Markt erschienen, “Heartbreak Warfare“ (“Krieg gebrochener Herzen“) wird Ende des Monats als erste Single ausgekoppelt.

Privates Liebeschaos

Der Schmusesänger hat privat aber vorerst keine Lust aufs Schmusen. Nach dem ganzen Stress mit den vergangenen Hollywood-Liebschaften Jennifer Aniston und Jennifer Love Hewitt will der Frauenschwarm jetzt sein eigenes Ding durchziehen. “2010 wird ein friedliches Jahr für mich werden, was auch immer ich tun werde.“

Trotz Liebeschaos hatte Mayer offenbar genug Zeit, ein neues Album aufzunehmen - vielleicht gerade deswegen genug Muße. Die Erwartungen an die Platte des umjubelten Musikers sind hochgesteckt. Das Vorgänger-Album “Continuum“ wurde 2007 mit einem Grammy- Musikpreis für das beste Popgesang-Album ausgezeichnet.

Das US- Magazin “Rolling Stone“ feierte ihn daraufhin in der Riege der neuen Gitarrengötter als “Slowhand Jr.“, eine Anspielung auf Eric Clapton. Die Lobeshymnen hatten ihn wohl zu sehr beflügelt. Auf dem neuen Album kommt das nicht immer gut an.

Kritik am neuen Album

Es klingt interessant, wenn in einer Schmuseballade überraschend eine schmerzverzerrte E-Gitarre wie bei Santana zu hören ist. Mayer mischt soften Bluesrock à la “Your Body Is A Wonderland“ mit harten Gitarrenklängen. Dabei ist der Sänger seichter Popmusik zartbesaitet. Als 17-Jähriger litt er erstmals an Herz-Rhythmus-Störungen, hat seitdem Panikattacken. Dagegen nimmt er Medikamente.

Der 32-Jährige scheint nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seiner Musik einen Kampf über seinen Stil auszufechten. Pop, Rock, R&B, Soul, Blues, Country - die Stile ziehen die Lieder in ihre jeweilige Richtung, aber nicht immer an einem Strang. “Das Album heißt “Battle Studies“, denn es enthält viele Lektionen, viele Beobachtungen und ein wenig Ratschläge, wie in einem Handbuch, einem Handbuch für Liebeskummer“, sagte der Lehrersohn auf einem Konzert.

Doch der Ratgebende ist auf der Platte hörbar verwirrt. In der ersten Lektion geht es um den Krieg gebrochener Herzen. Zum Auftakt kommt die Ballade “Heartbreak Warfare“ im bluesigen Rockstil daher, aber die Stimmung ist eine andere. Ein Orchester wird zum Kammerton a eingestimmt, Zuhörer quatschen weiter, Mayer spielt trotzdem schon mal los. Ruhe im Konzertsaal setzt erst nach den ersten Takten ein.

“Blitzeinschläge in meiner Brust halten mich nachts wach, träume von Möglichkeiten, Dich meinen Schmerz verstehen zu lassen“, singt der Frauenflüsterer mit seiner rauchig-sanften Stimme. “Rotwein und das Drumherum, Du erzählst wieder Scheiße, das ist Krieg gebrochener Herzen.“ Die Platte ist voll solcher Zeilen. “Slowhand Jr.“ und Erfolgsproduzent Steve Jordan haben ein Album mit eingängigen Melodien durchzogen von südkalifornischer Lässigkeit geschaffen.

Platz eins in den USA

In der US-Metropole Los Angeles entstand das Album. “Ich gehe an die Musik heran, wie es ein Dirigent tut, der ein klassisches Stück aufführen möchte“, sagte Mayer nach Angaben seiner Plattenfirma. Die neuen Lieder seien mit der Zeitlosigkeit von Tom Petty, Fleetwood Mac und Neil Young im Hinterkopf geschrieben. “Die Melodien und die Botschaften sind knapp, aus dem Bauch heraus, mit der Effizienz der Einfachheit.“

Aber vor allem will sich die lebende Gitarrenlegende (“Rolling Stone“) als solche etablieren. Gitarrenriffs verkommen zum Muss. Am deutlichsten wird es bei “Crossroads“, einem Instrumentalstück im Original von Blues-Legende Robert Johnson. Für die Country-Erdung holte sich der Herzensbrecher bei “Half Of My Heart“ Unterstützung von Taylor Swift. Die 20-Jährige ist mit Liedern über gebrochene Herzen zur derzeit erfolgreichsten US-Sängerin geworden.

Der Mischmasch verschiedener Genres auf “Battle Studies“ kam bei den Amerikanern gut an. Die Platte stieg in der ersten Verkaufswoche im vergangenen November auf Platz eins der US-Charts ein. Erfolg zeichnet sich auch in Europa ab. Seine sieben Auftritte bis Juni in Amsterdam, Kopenhagen und britischen Städten sind ausverkauft. Abstecher nach Deutschland sind nicht geplant.

dpa

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