Airbus-Überlebende: Ich hörte Stimmen

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Bahia Bakari (14) am Mittwoch, 1. Juli, von Ärzten umgeben im „El Maaruf Hospital“ in Moroni.

Paris - Mehrere Insassen des am Dienstag in den Indischen Ozean gestürzten Airbus haben wahrscheinlich den Absturz zunächst überlebt.

Die einzige gerettete Passagierin, die 14-jährige Bahia Bakari, hörte nachts Menschen reden, als sie im Wasser trieb. Das sagte ihr Vater am Mittwoch dem französischen TV-Sender i-télé. Sie zog sich lediglich einen Schlüsselbeinbruch und ein paar Schürfwunden zu.

Die französische Zeitung „Le Figaro“ hat auf ihrer Internetseite ein exklusives Foto von Bahia Bakari in ihrem Krankenbett veröffentlicht (zum Link).

Seine Tochter sei aus dem Flugzeug geschleudert worden und mitten in der Nacht hilflos im Ozean umhergetrieben. Sie habe kaum schwimmen können, sagte Bakari dem französischen Radio RTL. “Sie ist ein sehr ängstliches Mädchen. “Ich hätte nie gedacht, dass sie das auf diese Weise überstehen würde.“

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Er habe mit seiner Tochter im Krankenhaus in Moroni telefonieren können, sagte Bakari Kassim. Sie habe gesagt: “Papa, wir sind ins Wasser gefallen. Ich habe Leute gehört, die sprechen. Doch ich habe niemanden gesehen. Um mich herum ist alles schwarz gewesen.“

Einige Stunden später habe sie die Retter kommen sehen. Der Name des wundersam geretteten Mädchens heißt auf Deutsch “Hoffnung“. Seine Tochter habe ihm gesagt, es gehe ihr gut, sagte Bakari Kassim. “Ich habe vom Arzt die Bestätigung, dass es gewisse Verbrennungen gibt. Aber im Augenblick gibt es nichts Schlimmes.“

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Die Bakaris wohnen in einem Pariser Vorort. Bahiya hatte nach der Rettung zunächst geweint und nach ihrer Mutter gefragt, die mit im Flugzeug gesessen hatte. Die Familie hatte das Mädchen mit der Reise auf die Komoren mit der Kultur ihrer Vorfahren vertraut machen wollen.

Dem Mädchen gehe es gut, sagte Said Mohammed, eine Krankenschwester in der Klinik El Mararouf in der Hauptstadt Moroni. Sie habe sich in der Nacht um das Mädchen gekümmert, sagte Mohammed.

Bahia Bakari (14, verdeckt im Bett) am Mittwoch, 1. Juli, von Ärzten umgeben im „El Maaruf Hospital“ in Moroni.

Eine bei der Suche nach Überlebenden eingesetzte Rettungskraft sagte im Radiosender Europe 1, das Mädchen sei im Wasser treibend entdeckt worden. Den Rettungsring, den man ihr zugeworfen habe, habe sie nicht greifen können, sagte Said Abdilai. Daraufhin sei er selbst ins Wasser gesprungen und habe geholfen, sie zu bergen.

Unterdessen geht die Suche nach dem Flugschreiber und den übrigen Opfern weiter. Ein französisches Militärflugzeug hat vorübergehend Signale eines Flugschreibers empfangen. Möglicherweise sei das Gerät aber von der Strömung weitergetrieben worden, sagte Kommandant Christophe Prazuck vom französischen Verteidigungsministerium. Derzeit seien keine Signale mehr zu empfangen.

Verwirrung über angeblichen Flugschreiber-Fund

Berichte und Dementis über den angeblichen Fund des Flugschreibers hatten zuvor für Verwirrung gesorgt. Die französische Transall-Maschine hatte die Signale bereits am Dienstag etwa 40 Kilometer vor der Küste der Insel Njazidja - französisch: Grande Comore - empfangen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Militärschiffe aber noch nicht am Unfallort eingetroffen. Das aufgewühlte Meer erschwere die Suche.

Die Flugschreiber - ein Datenschreiber und ein Stimmenrekorder - könnten Aufschluss über die Absturzursache geben.

Möglicherweise stammen die Signale aber gar nicht von dem Flugschreiber, sondern von einem Notfallpeilsender. Die Transall sucht derzeit weiter die Meeresoberfläche ab.

Am Mittwochvormittag war ein erstes französisches Militärschiff, das Patrouillenboot “La Rieuse“, in dem Absturzgebiet eingetroffen. Ein weiteres wird in der Nacht zum Donnerstag erwartet. Ein italienisches Schiff, das im Rahmen der EU-Mission Atalanta vor der somalischen Küste im Einsatz war, ist ebenfalls unterwegs.

Fünf Leichen konnten nicht geborgen werden

Fünf im Wasser treibende Leichen konnten wegen schwerer See zunächst nicht geborgen werden. Zuvor war verfrüht über die Bergung von Leichen berichtet worden. Marinetaucher aus Frankreich und den USA sind bei der Suche nach Opfern und Wrackteilen ebenfalls im Einsatz. Bislang wurden lediglich kleinere Wrackteile und Gepäckstücke entdeckt.

In der Nacht zum Mittwoch herrschten heftiger Südwind und eine starke Strömung, die Leichen und Trümmerteile vermutlich weit verteilt haben. Die Chancen, noch Überlebende zu finden, gelten als extrem gering.

Der Flug IY 626 hatte elf Crew-Mitglieder und 142 Passagiere an Bord, unter ihnen 66 Franzosen und zahlreiche Komorer. Der knapp 20 Jahre alte Airbus der jemenitischen Fluggesellschaft war bei einer Inspektion vor zwei Jahren in Frankreich wegen technischer Mängel aufgefallen.

Der jemenitische Transportminister Chalid al-Wasir trat jedoch Spekulationen entgegen, der Jet könne wegen eines technischen Defekts abgestürzt sein. Die in Frankreich vor zwei Jahren entdeckten Mängel hätten keine sicherheitsrelevanten Teile, sondern nur Sitze, TV- Bildschirme und Kopfhörer betroffen, berichtete die Nachrichtenagentur Saba. Die Maschine sei erst im Mai von Airbus- Technikern begutachtet worden.

In Paris verzögerten wütende Komorer den Start einer Yemenia- Maschine in Richtung Sanaa. Sie warfen der Fluggesellschaft vor, unsichere Maschinen auf dem Weg zu den Komoren einzusetzen.

dpa/ap

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