Entführung aus Jugendherberge: War es der Serienkiller?

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Auch der neunjährige Dennis wurde aus einem Schullandheim in Scharmbeckstotel (Kreis Osterholz) bei Bremen entführt.

Münster/Rheine - Nach der nächtlichen Entführung eines Zehnjährigen aus einer Jugendherberge im Münsterland ermittelt die Polizei weiter auf Hochtouren.

Die Entführung eines Zehnjährigen aus Niedersachsen in dieser Jugendherberge im münsterländischen Rheine beschäftigt Staatsanwaltschaft und Polizei.

Bis in die Abendstunden durchkämmten Dutzende Beamte am Dienstag erneut den Tatort, ein Stadtpark nahe der Herberge in Rheine. Neue Spuren seien aber nicht gefunden worden, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Mittwoch in Münster. Der Junge war am frühen Samstagmorgen im Schlaf von einem unbekannten mutmaßlichen Kinderschänder verschleppt worden. Der Zehnjährige musste sich im Wald ausziehen, konnte dann aber fliehen. Die Schlafanzughose wurde später gefunden, von der Unterhose fehlt laut Staatsanwaltschaft jede Spur.

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Die Polizei steht in engem Kontakt zu der Sonderkommission Dennis in Verden. Diese ermittelt seit der Entführung und dem Gewalttod des neunjährigen Dennis 2001 in einer Vielzahl von Fällen in Norddeutschland, in denen seit 1992 meist Jungen verschleppt, sexuell missbraucht und teils ermordet wurden. “Die in Bremen zentral geführten Ermittlungen umfassen derzeit 43 Fälle, davon fünf Mordfälle“, sagte ein Sprecher der Sonderkommission am Mittwoch. Mit Bezug auf die Entführung im Münsterland fügte er hinzu, es gebe “offenkundig gewisse Parallelen“.

Ob sich die Entführung des aus Osterode (Niedersachsen) stammenden Zehnjährigen aus der Jugendherberge in Rheine in die Serie einreiht, muss zunächst offen bleiben. Derzeit widmen sich die Beamten im Münsterland der polizeilichen Puzzle-Arbeit: Mögliche DNA-Spuren am Schlafanzug des Jungen müssen gesichert werden, Aussagen der Beteiligen ausgewertet werden - “alles in engem Austausch“ mit Verden, sagte ein Polizeisprecher in Steinfurt.

Während einige der teils viele Jahre zurückliegenden Fälle grausam und tödlich endeten, entkam der halbnackte Junge in Rheine den Fängen seines Peinigers körperlich unbeschadet. Der Täter hatte den Schlafenden am frühen Samstagmorgen aus einem Mehrbettzimmer der Jugendherberge ins Freie getragen. Im nahen Stadtpark musste sich das Kind ausziehen. Aus der jüngsten Befragung des Zehnjährigen am Mittwoch geht hervor, das der Mann den Jungen dann laufen ließ. Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, er habe in einem günstigen Moment fliehen können. “Der Hintergrund der Freilassung, ob sich der Täter etwa gestört fühlte, ist unklar“, sagte Staatsanwalt Schweer.

Die Schlafanzughose des Zehnjährigen wurde später gefunden. Seine Unterhose blieb aber auch nach einer neuerlichen Suche am Dienstagabend in dem Stadtpark verschwunden. Von einem Missbrauch ist laut Polizei nicht auszugehen. Ein glimpflicher Ausgang wohl nur auf den ersten Blick, denn ganz ohne seelische Folgen wird das Kidnapping für den Jungen nicht geblieben sein.

dpa

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