Kampusch fühlt sich in Österreich angefeindet

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Natascha Kampusch fühlt sich in Österreich angefeindet.

Wien - Entführungsopfer Natascha Kampusch fühlt sich im eigenen Land angefeindet. In einem Interview mit dem ORF äußerte sie sich nun zu Missverständnissen und zu Priklopil-Freund Ernst H.

Sie sei mit Verrückten, Verschwörungstheoretikern, aber auch mit Anfeindungen der “einfachen Leute auf der Straße“ konfrontiert, sagte die 21-Jährige in einem am Montagabend vom ORF ausgestrahlten Interview. Österreich verlassen will sie aber nicht: “Warum sollte ich als Verbrechensopfer, als Mensch, dem man schon so viel genommen hat, warum sollte ich kleinbeigeben und die Flucht ergreifen?“

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Kampusch war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg von Wolfgang Priklopil entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden. Im August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht, ihr Entführer warf sich noch am selben Tag vor einen Zug.

Keine Sex-Videos, keine Beteiligung der Mutter

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Nach Ermittlungspannen der österreichischen Justiz wird der Fall momentan neu aufgerollt. Die neuen Ermittlungen bezeichnete Kampusch als positiv, sie wandte sich aber gegen mögliche Spekulationen. “Natascha wehrt sich“, titelte die Boulevardzeitung “Österreich“ dazu am Dienstag. Es gebe keine Sex-Videos, sie werde nicht erpresst und ihre Mutter sei auch nicht an ihrem Martyrium beteiligt gewesen: “Meine Mutter würde ihr Kind niemals verkaufen, entführen oder einsperren lassen. Ich finde es unglaublich empörend, dass Menschen so etwas glauben können.“

Kampusch war vor einigen Tagen erneut stundenlang vernommen worden. “Ich bin froh, dass so einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten“, sagte die 21-Jährige. Ihre in der Vergangenheit als widersprüchlich bezeichneten Aussagen seien nur Missverständnisse gewesen. Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft von Dienstag laufen die Ermittlungen gegen den Priklopil-Freund Ernst H. wegen einer möglichen Mittäterschaft weiter.

Am Montag war bekanntgeworden, dass er in seiner Vernehmung gestanden hatte, eine “Lebensbeichte“ von Priklopil kurz vor dessen Suizid gehört zu haben. Das lange Schweigen erklärte sein Anwalt mit der Angst, “mit hineingezogen zu werden“. Ob Ernst H. als Mittäter infrage komme, könne sie so nicht beantworten, sagte Kampusch selbst: “Ich habe ihn nie als Täter wahrgenommen.“ Außerdem habe sie ihn erst gegen Ende ihrer Gefangenschaft im Jahr 2006 kennengelernt und ihm nur einmal die Hand gegeben. Als Täter habe sie immer nur ihren Entführer Wolfgang Priklopil gesehen: “Da war immer nur ein Täter.“ Ob es mögliche Mittäter gab, werde wohl nie ganz geklärt werden.

dpa

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