Mord-Anklage fallen gelassen

Nackt eine Frau gewürgt: Freispruch für deutschen Star-Geiger

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Stefan Arzberger ist ein freier Mann.

Leipzig/New York - Ihm wurde vorgeworfen, nackt eine Frau in einem Hotelzimmer fast zu Tode gewürgt zu haben. Seit über einem Jahr saß der Star-Geiger deshalb in Amerika fest. Jetzt kann er aufatmen.

Gegen den ehemaligen Geiger des Leipziger Streichquartetts, Stefan Arzberger, soll nach übereinstimmenden Medienberichten keine Anklage wegen eines mutmaßlichen Mordversuchs in New York erhoben werden. Dies habe eine Anhörung am Mittwoch (Ortszeit) ergeben. Seine Anwälte sagten dem ARD-Hörfunk, das Gericht habe es als erwiesen angesehen, dass Arzberger ohne Vorsatz gehandelt habe. 

Arzberger hat nach eigenen Angaben keine Erinnerung an die Tat, die während einer Tournee in New York im März 2015 passierte. Arzberger war morgens um 3.25 Uhr mit der transsexuellen Prostituierten Natalie Neptune ins Hotel gekommen und auf sein Zimmer gegangen. Hotelkameras nahmen auf, wie die Frau 30 Minuten später das Hotel verließ – mit Arzbergers Tablet-Computer und seinen drei Kreditkarten. Neptune wurde im Anschluss festgenommen. Die 34-Jährige ist mehrfach vorbestraft.

Gegen 7.35 Uhr hielten die Überwachungskameras im Hotelflur fest, wie Arzberger splitternackt aus seinen Zimmer lief. Er hämmerte an mehrere Hoteltüren. Als Robinson ihm öffnete, zwängte sich der Geiger in ihr Zimmer, drängte die pensionierte Stewardess an die Wand und würgte sie. Die Security des Hotels griff ein.

Nach 30 Stunden im Gefängnis kam der verheiratete Violinist damals auf freien Fuß - gegen 100.000 Dollar Kaution. Obwohl Arzberger darauf pochte, dass ihm Neptune in einer Hotelbar Drogen untergemischt hatte („So eine Tat liegt nicht in meiner Natur“), erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Er durfte seitdem New York nicht verlassen - bis jetzt.  

Fahrlässige Körperverletzung ohne Vorsatz

Die Wendung in dem Fall kam, nachdem Arzberger sich der fahrlässigen Körperverletzung ohne Vorsatz schuldig bekannte. Auf der Webseite, die Arzberger-Freunde zu seiner Unterstützung eingerichtet hatten, war nachzulesen, welcher Droge er wahrscheinlich zum Opfer gefallen war. Experten bestätigten, es sei unwahrscheinlich, dass der Geiger die Tat bewusst begangen habe. Die Anschuldigungen „wichen von seinem normalen Verhalten“ ab. Die Staatsanwaltschaft bewertete den Fall daraufhin neu und ließ den Mordvorwurf fallen. Eine Haft-, Bewährungs- oder Geldstrafe droht nicht mehr. Die Beteiligte fordert allerdings Schadenersatz in Höhe von zehn Millionen Dollar (9,1 Mio Euro). Kaizer hofft auf eine Einigung in den kommenden Wochen.

Ende Juli wird er in seine Heimat zurückkehren, berichtete die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) und berief sich auf ihn selbst. Die „Bild“ zitierte Arzberger mit den Worten: „Danke an alle, die mir emotional und spirituell beigestanden haben und die mich großzügig während dieser sehr schwierigen 15 Monate unterstützten.“

Die Unterstützer des Leipziger Geigers Stefan Arzberger hoffen auf eine baldige Rückkehr des Künstlers nach Deutschland. „Wir sind erleichtert, dass er jetzt in sein normales Leben zurückkehren kann“, sagte Rainer Ohler, Sprecher der Initiative „Support for Stefan Arzberger“ am Donnerstag in München. „Wir freuen uns, dass sich die ganze Mühe, das ganze Warten, das ganze Daumendrücken gelohnt haben“, sagte Ohler.

Der Unterstützerkreis hatte sich gebildet, nachdem Arzberger in den USA festgenommen worden war. Er sammelte Spenden - laut Ohler mehrere Zehntausend Euro - ,um dem Geiger zu helfen.

dpa/ds

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