Radiosender: Aktion gegen Heuchelei im Tierschutz

Kaninchen in Radiosendung live erschlagen

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Kopenhagen - Halb Dänemark ist schockiert: In der Live-Sendung von "Radio24syv" wurde am Montagmorgen ein neun Wochen altes Kaninchen erschlagen. So rechtfertigt der Sender den Totschlag:

”Jeg har faktisk mere respekt for dyreliv, end jeg har for menneskeliv”Sådan sagde stifteren af Facebook-gruppen ”...

Posted by Radio24syv on Montag, 25. Mai 2015

Laut Medienberichten kam es im dänischen Radiosender "Radio24syv" am Montagmorgen zu einer unglaublichen Aktion: Im Rahmen einer Sendung zum Thema Tierschutz wurde ein Baby-Kaninchen namens "Allan" während der Live-Übertragung erschlagen. Die Hörer des Sender wurden Ohrenzeugen, wie Moderator Asger Juhl mit einer Fahrradpumpe zuschlug.

Der Hintergrund: Darum wurde "Allan" live in der Sendung erschlagen

Der Sender begründet die schockierende Tat damit, dass die angebliche "Heuchelei" beim Thema Tierschutz in Dänemark entlarvt werden sollte. Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärte Radio24syv: „Wir haben es nicht um der Unterhaltung willen getan.“ Auch über Facebook rechtfertigte man die Aktion in mehreren Beiträgen:

Kære alle Radio24syv satte i en række indslag her til morgen fokus på dyrevelfærd og den måde vi i Danmark behandler...

Posted by Radio24syv on Montag, 25. Mai 2015

Dem Sender sei es um Aufklärung gegangen: Wenn niedliche Tiere wie Katzen oder eben Kaninchen beschützt werden müssen, engagiere sich die dänische Gesellschaft, während gleichzeitig für die Fleischindustrie Millionen Tiere unter unzumutbaren und grausamen Bedingungen aufgezogen werden und für unseren Konsum leiden müssten.

Tumult im Studio

Im Studio kam es zu einem Tumult, als Reality-Showstar und Tierrechteaktivistin Linse Kessler - die als Gast im Raum war - versuchte, das Kaninchen zu retten und den Moderator durch das Zimmer jagte. Juhl erklärte, das Tier habe nicht leiden müssen.  Er habe mit der Luftpumpe so hart zugeschlagen, so dass "Allan" schon beim ersten Schlag einen Genickbruch erlitt. Die richtige Technik habe ihm ein Tierpfleger im Zoo von Aalborg gezeigt, sagte er dem Sender TV2. Im Radio waren insgesamt drei stumpfe Schläge zu hören.

Nicht umsonst gestorben

Im Anschluss an die Sendung habe Juhl das tote Tier mit nach Hause genommen, seinen sechs- und achtjährigen Kindern gezeigt, wie man es häutet und zerlegt und ein Schmorgericht mit dem Fleisch zubereitet. Der Sender rechtfertige auch damit die Aktion, schließlich sei das Kaninchen getötet worden, um es anschließend zu essen.

Ziel erreicht: Große Diskussion in Dänemark

Die Senderverantwortlichen haben auf jeden Fall das erreicht, was sie beabsichtigt haben: Die Tötung des Kaninchen und die Frage der möglichen Doppelmoral wird derzeit in Dänemark heiß diskutiert. Neben einem Shitstorm, es gibt Morddrohungen und eine Facebook-Seite, die zum Boykott des Senders aufruft, gibt es auch andere, unterstützende Stimmen in den Sozialen Netzwerken, die die Aktion für gerechtfertigt halten.

Ähnliche Aktion von Jamie Oliver

Die Empörung in Dänemark erinnert an die Tötung des jungen Giraffen-Männchen Marius zur Fütterung an Raubtiere im Zoo von Kopenhagen im Februar 2014. Damals gab es einen weltweiten Sturm der Entrüstung gegen die Leitung des dänischen Zoos.

Starkoch Jamie Oliver hatte zudem mit einer ähnlich provokanten Aktion, nämlich der Vergasung von männlichen Küken im Fernsehen, auf die elendigen Zustände in der Tierindustrie aufmerksam gemacht. Auch er musste sich daraufhin gegen Kritik rechtfertigen.

mg

Rubriklistenbild: © facebook.com/Radio24syv

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