Tierplastiken von Rembrandt Bugatti erstmals im Museum

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Rembrandt Bugatti im Zoo in Antwerpen, um 1908.

Museen haben den Bildhauer Rembrandt Bugatti lange Zeit unterschätzt. Erst jetzt, fast 100 Jahre nach seinem Tod, stellt die Alte Nationalgalerie in Berlin seine realistischen Tierplastiken im Rahmen einer Retrospektive aus. Der Hirmer Verlag zeigt die in Bronze schimmernden Tiere in einem Bildband.

Rembrandt Bugatti war nicht nur ein talentierter Bildhauer, sondern auch ein ebenso begabter Beobachtungskünstler. In der „Ménagerie du Jardin des Plantes“, dem Pariser Zoo, betrachtete er stundenlang die Tiere. Bugatti nahm jedes Detail der tierischen Körpersprache wahr und formte Panther, Löwen und Elefanten aus weicher Modelliermasse. Die authentischen, lediglich verkleinerten Nachbildungen ließ er anschließend in Bronze gießen.

Seine Tierplastiken sind die „charmanteste Ausstellung des Jahres“

Eine große Auswahl dieser Tierplastiken zeigt die Alte Nationalgalerie in Berlin bis zum 27. Juli. Die „Berliner Morgenpost“ legte sich fest: Sie schrieb über die Schau, dass sie das „Zeug zur charmantesten Ausstellung des Jahres“ habe. Denn es sei selten, dass Besucher die Nationalgalerie mit einem solchen Lächeln im Gesicht verlassen. Kunsthistorisch betrachtet ist die Ausstellung längst überfällig. Während Privatsammler schwindelerregend hohe Preise für die Tierplastiken zahlen, haben Museen deren Wert lange Zeit unterschätzt.

Rembrandt Bugatti hatte im Pariser Zoo Sonderstatus

Rembrandt Bugatti war Anfang des 20. Jahrhunderts sozusagen ein VIP-Gast im Pariser Zoo. Die Wärter schlossen dem Bildhauer den Zoo schon vor der eigentlichen Öffnungszeit auf, damit er in Ruhe arbeiten konnte. Sie erlaubten ihm, seinen Arbeitsplatz vor den Gitterstäben und manchmal sogar in den Gehegen zahmer Tiere aufzubauen.

Bugatti nannte die Tiere seine Freunde. Er modellierte vor allem Vögel – grazile genauso wie die weniger anmutigen. Der groß gewachsene, schlaksige Bildhauer verglich sich selbst mit einem Marabu. Dieser Vogel sieht wie eine Mischung aus Storch und Geier aus: ein struppiger Körper auf staksigen Beinen.

Bugatti stammte aus einer bekannten Künstlerfamilie

Der nach dem niederländischen Maler Rembrandt van Rijn benannte Bildhauer stammte aus einer Künstlerfamilie. Er war der Sohn des italienischen Möbeldesigners Carlo Bugatti und der Bruder von Ettore, dem Autokonstrukteur. Die Familie zog 1903 von Mailand nach Paris, später lebte Rembrandt Bugatti im belgischen Antwerpen. Dort setzte er seine Tierstudien im Zoologischen Garten fort.

Mit seinen herausragenden Plastiken erregte er in Mailand, Venedig und Paris Aufsehen. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und waren die Attraktion in vielen Ausstellungen.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und Bugatti als Sanitäter arbeitete, setzten ihm die grausamen Bilder zu. Er galt als depressiv und war in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Mit 31 Jahren beging der Künstler in Paris Selbstmord.

Ausstellung und Katalog würdigen seine Tierplastiken

Die Ausstellung in der Nationalgalerie in Berlin erinnert an Rembrandt Bugatti, der nach seinem frühen Tod in Vergessenheit geriet. Die Schau präsentiert Bugattis aus Bronze gefertigte Zootiere, aber auch seinen deutschen Dackel „Wurst“. Das Museum hat zudem ein eigenes Kinderprogramm konzipiert. Mit einem Mitmachheft gehen die kleinen Gäste durch die Hallen und erfahren spielerisch mehr über den Künstler.

Für die Erwachsenen hat der Hirmer Verlag einen Katalog veröffentlicht: „Rembrandt Bugatti – Der Bildhauer 1884–1916“. Dieser enthält farbige Abbildungen aller ausgestellten Tierplastiken sowie Essays, in denen Kunsthistoriker über das Leben des vergessenen Bildhauers schreiben. Zu den etwa 250 Bildern gehören auch mehrere Schwarz-Weiß-Fotografien des Künstlers. Eines zeigt ihn bei der Arbeit: Er modelliert einen kleinen Esel und das Original steht vor ihm und blickt in die Kamera.

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