Papst spricht sich vehement für Palästinenserstaat aus 

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Papst Benedikt hat sich für einen Palästinenserstaat ausgesprochen.

Bethlehem - Papst Benedikt XVI. hat sich in Bethlehem leidenschaftlich für ein souveränes Heimatland für die Palästinenser eingesetzt.

Gleichzeitig rief das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei einer Messe mit tausenden Gläubigen vor der Geburtskirche in Bethlehem zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung auf.

Mit direktem Blick auf die meterhohe Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland sagte der Papst: “Mauern können niedergerissen werden.“

Am bislang politischsten Tag seiner einwöchigen Nahost-Reise betete Benedikt auch für ein Ende der israelischen Blockade des Gazastreifens. An die jungen Palästinenser appellierte er, trotz ihrer schwierigen Lage nicht zu verbittern und der Versuchung von Gewalt und Terror zu widerstehen. Die Palästinenser seien wie andere Menschen in der Region in einer Spirale aus Gewalt, Anschlägen, Vergeltung und fortwährender Zerstörung gefangen, sagte der Papst während eines Besuches des palästinensischen Flüchtlingslagers Aida in den Außenbezirken von Bethlehem. “Die ganze Welt sehnt sich danach, dass diese Spirale beendet wird und Frieden den ständigen Kämpfen ein Ende setzt.“

Benedikt übergab einen Scheck in Höhe von 70 000 Euro an die Aida- Leitung. Unmittelbar an das Flüchtlingslager grenzt eine meterhohe Sperrmauer, die Israel als Reaktion auf eine Serie von Selbstmordattentaten errichtet hat. Wie von den Palästinensern erhofft, ging der Papst auf die Folgen der Sperranlage ein, die nach seinen Worten in das Gebiet Bethlehems hineinschneidet, Familien teilt und Nachbarn trennt. “In einer Welt, wo immer mehr Grenzen für Handel, Reisen, die freie Bewegung von Menschen und den Kulturaustausch geöffnet werden, ist es tragisch mit anzusehen, wie Mauern noch errichtet werden“, sagte Benedikt.

Er machte den Menschen Hoffnung, weil Mauern zwar leicht gebaut werden könnten, aber nicht für immer hielten. Nach seiner Ankunft im Westjordanland sprach sich Benedikt für die Gründung eines “souveränen palästinensischen Heimatlandes“ aus. Dies müsse “in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen“ auf dem Land der palästinensischen Vorfahren entstehen.

In der bislang deutlichsten Stellungnahme des Papstes für einen Palästinenserstaat während seiner Nahost-Reise sah Vatikan-Sprecher Federico Lombardi keine Veränderung der bisherigen Position des Heiligen Stuhls. Der Papst äußerte in allen seinen Reden in Bethlehem Solidarität mit den Palästinensern und deren Leid. “Ich weiß, wie viel ihr gelitten habt“, sagte er bei der Begrüßungszeremonie vor dem Präsidentenpalast. “Mein Herz ist mit all den Familien, die ihr Zuhause verloren haben“, sagte er über die palästinensischen Flüchtlinge. Das Leiden sei “eine Folge des Aufruhrs, der dieses Land seit Jahrzehnten heimsucht“, wandte sich der Papst an die Palästinenser und erwähnte ausdrücklich den jüngsten Krieg in Gaza.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dankte Benedikt für dessen Haltung und das Mitgefühl “für das Leiden unseres Volkes“. Er rief zu einer Friedensvereinbarung mit Israel auf der Grundlage einer Zwei- Staaten-Lösung auf. Der Papst “ist hier und teilt unsere Pein und unsere Ziele“, sagte Abbas. Die Hoffnung, von der Benedikt gesprochen habe, “ist ein Hoffen auf ein Morgen ohne Besetzung, ohne Kontrollpunkte, Mauer, Flüchtlinge und Gefangene, dafür aber mit einem Zusammenleben im Heiligen Land“.

An der feierlichen Messe in Bethlehem nahmen tausende Gläubige teil, darunter auch einige wenige aus dem Gazastreifen. Israel hatte nach eigenen Angaben für weniger als 100 Gläubige Passierscheine ausgestellt.

Benedikt wandte sich direkt an die Menschen aus Gaza: “Mein Herz ist mit den Pilgern aus dem kriegszerrissenen Gaza. Ich bitte euch, euren Familien und Gemeinden meine warme Umarmung zu übermitteln und meine Trauer für die Verluste, die Schwierigkeiten und das Leid, das Ihr durchleben müsst.“

Nach der Messe besuchte Benedikt privat die Geburtsgrotte in der Geburtsbasilika und das “Caritas Baby Hospital“ der Schweizer Kinderhilfe Bethlehem Es war der erste Besuch Benedikts als Oberhaupt der katholischen Kirche in den Palästinensergebieten.

Im Westjordanland leben 50 000 Christen unter 2,4 Millionen Muslimen - im Gazastreifen sind es rund 1000 unter 1,5 Millionen. Israel hat den Gazastreifen wegen des fortwährenden Raketenbeschusses durch militante Palästinenser abgeriegelt. Vatikan-Sprecher Lombardi widerrief eine Stellungnahme vom Vortag, die in Israel für großes Aufsehen gesorgt hatte. Der Sprecher hatte am Dienstag gesagt, dass Benedikt “nie Mitglied der Hitlerjugend“ gewesen sei. Auf Nachfrage von Journalisten stellte Lombardi am Mittwoch klar, dass der deutsche Papst gegen seinen Willen Mitglied gewesen sei. Dies habe für ihn jedoch keine besondere Bedeutung und keinen Stellenwert.

dpa

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