Ein weiterer Kniff sei in Bayern angewandt worden

Ex-Manager verrät dreisten Trick an der Discounter-Kasse

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München - Der Kunde ist König. Aber nur solange er möglichst viel im Discounter einkauft. Wenn das mal nicht der Fall ist, dann wird er ganz schön über den Tisch gezogen. Ein Ex-Manager packt aus.

Wer hat mehr Markenprodukte im Sortiment? Wer die größte Vielfalt an Produkten? Der Kampf der großen Discounter ist gnadenlos. Das bekommen nicht nur die Angestellten zu spüren. Auch die Kunden werden für schönere Umsatzzahlen über den Tisch gezogen. Ein Ex-Manager von Lidl, Penny und Norma offenbarte in einem Spiegel-Interview jüngst die Tricks der Discounter-Ketten. Der Manager heißt Michael Fischer.

Der Kunde sei bei den Discountern nur Mittel zum Zweck, er solle die Kassen füllen. Aber nicht immer gelinge das. Die hohe Anzahl an Diebstählen sorge für eine schlechte Bilanz, daher müsse diese auch immer wieder geschönt werden, erklärt Fischer. 

Tüten für 25 statt 15 Cent verkauft?

Wenn die Zahlen bei der Inventur nicht stimmen, gibt es Ärger. Der Ex-Manager erklärt einen Trick, mit dem an einem Tag bis zu 250 Euro mehr in die Kasse kamen. Tüten würden statt für 15 Cent für 25 Cent verkauft. Dabei würde die Tüte anstatt über die Kasse gescannt, händisch eingegeben werden. Den Kunden würde das gar nicht auffallen, und wenn doch, könnte man sich immer noch wortreich entschuldigen. "Bei tausend Plastiktüten am Tag kommt da schon was zusammen." Der Trick sei schon ein bestehender Mechanismus. Weiter führt Fischer aus, dass die Geschäftsführung um diese fiesen Tricks wisse und das System sogar unterstütze. Am Ende würde ja die ganze Führungsriege davon profitieren.

Ein anderer beliebter Trick, um die Zahlen zu schönen, sei die Methode, gelieferte Waren als nicht eingetroffen zu deklarieren, die man natürlich bekommen habe, um sie schnellstmöglich zu verkaufen. Das verbessere das wichtige Ergebnis der Inventur, also das Verhältnis der Fehlmengen prozentual zum Umsatz. Wenn das nicht stimme und zu viel Ware geklaut oder kaputt gehe, bekäme man als Filialleiter ein enormes Problem.

In Bayern wurde lange ein besonders listiger Trick angewandt, um die Kassen der Discounter zu füllen, erläutert Fischer. Es gäbe Tiefkühlbrezn, die dafür vorgesehen wären, direkt im Laden aufgebacken und verkauft zu werden. Auf diese Brezn wäre aber verzichtet worden, und stattdessen sei auf Zehnerpackungen von Tiefkühlbrezn, die zum regulären Verkauf vorgesehen waren, zurückgegriffen worden. Diese Zehnerpackungen sind pro Stück zehn Cent billiger, wären aber aufgebacken für den Preis der Originalbrezn verkauft worden. So hätten die Filialleiter immer ein gutes Plus in der Kasse gehabt.

Discounterleiter stehen in einem enormen Wettkampf, daher ist es für jeden von ihnen wichtig, Zahlen zu präsentieren. Fischer äußert sich über seine Vergangenheit bei diversen Discountern sehr negativ. Er hätte genauso exzessiv gearbeitet wie er getrunken habe um den Stress verarbeiten zu können. Auf die Frage, warum er den ganzen Wahnisnn mitgemacht habe, antwortete er: "Ich habe das auf gewisse Weise bewundert." Nach 13 Jahren erlitt Michael Fischer allerdings einen Zusammenbruch und kündigte daraufhin seinen Job.

Aldi hatte zuletzt im Kampf um die Kundschaft das Sortiment um mehrere Markenprodukte erweitert. Im Vergleich können Kunden bei Discountern viele Markenprodukte billiger erwerben als in handelsüblichen Supermärkten.

af

 

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Rubriklistenbild: © dpa

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