Minister kontert Kritik

Gabriel: Windenergie braucht keinen Welpenschutz mehr

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim Besuch des Offshore-Windparks Baltic in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Britta Pedersen

Die Wirtschaft drückt, die Politik bremst. So sieht das Szenario beim Ausbau der Windenergie aus. Wirtschaftsminister Gabriel nutzt den größten europäischen Branchentreff, um die Dinge aus seiner Sicht zurechtzurücken.

Hamburg (dpa) - Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Bedeutung der Windenergie für die Energiewende unterstrichen, gleichzeitig aber die gedrosselten Ausbauziele der Bundesregierung verteidigt.

"Die Windenergie braucht keinen Welpenschutz mehr", sagte Gabriel bei der Eröffnung der Messe WindEnergy in Hamburg. "Sie muss sich den Herausforderungen des Marktes stellen." Mit dem Ausschreibungssystem, das im neuen EEG festgelegt sei, gebe es einen funktionierenden Markt. "Wir können nicht ein Sondersystem für einen Teilbereich des Energiemarktes schaffen."

Der erneuerbaren Energien leisteten mittlerweile den größten Beitrag zur deutschen Stromversorgung und die Windenergie habe daran den wesentlichen Anteil, sagte Gabriel. "Mit dem Motto je schneller, desto besser sind wir jedoch an Grenzen gestoßen." Nun komme es darauf an, mit dem Netzausbau nachzuziehen, damit alle Rädchen ineinander greifen könnten. Für die Investoren in die Windenergie gebe es klare Rahmenbedingungen und eine gute Investitionsgrundlage.

Die deutsche Windenergie-Branche kritisiert die Politik der Bundesregierung, weil mit dem der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Ausbauziele für die Windenergie in den kommenden Jahren zu niedrig angesetzt seien. In den Jahren 2021 und 2022 dürfen noch jeweils 500 Megawatt Offshore-Windkraft dazu gebaut werden, von 2023 bis 2025 dann 700 Megawatt. Damit würde der Zubau auf etwa einen Windpark pro Jahr begrenzt.

Die Begrenzung soll den Strompreis in Schach halten, über den der Ausbau der Offshore-Windenergie wesentlich finanziert wird. "Das könnte zu einem Fadenriss führen", befürchtet Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore Windenergie.

Gabriel konterte die Kritik bei der Windenergie-Messe. "Manche Alarmmeldungen sind übertrieben", sagte er. Der Zubau der Windenergie liege aktuell deutlich über den verabredeten Größenordnungen. Zudem gehe es nicht darum, den Ausbau zu stoppen, sondern nur das Tempo etwas abzubremsen. Auch ein Grund seien die hohen Kosten für das Netzmanagement, die wegen des stockenden Ausbaus der Netze in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro betragen und in den kommenden Jahren weiter steigen werden. "Wir wollen daran arbeiten, dass diese Kosten gar nicht erst entstehen", sagte Gabriel.

Der Minister wich der Frage aus, ob die Kosten auf die Kunden aller Übertragungsnetzbetreiber umgelegt werden sollten. Bislang sind die Haushalte und Unternehmen im Bereich der Netzbetreiber Tennet und 50Hertz im Norden und Osten Deutschlands betroffen, nicht jedoch die Kunden von Amprion und TransnetBW im Westen und Südwesten Deutschlands.

Bei der Hamburger Windenergie-Messe WindEnergy dreht sich bis Freitag alles um Rotoren, Getriebe und Fundamente. Rund 1400 Aussteller aus 34 Nationen stellen in neun Messehallen auf 65 000 Quadratmetern ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Erwartet werden rund 33 000 Fachbesucher aus aller Welt. Die Veranstaltung, die erst zum zweiten Mal nach 2014 in Hamburg abgehalten wird, hat sich damit als Weltleitmesse ihrer Branche etabliert.

Informationen zur Messe WindEnergy

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