Gewinnen ist hier Nebensache

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Die Hoffnungen haben sich erfüllt: Thomas Bärtl von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Alexandra Gehlhaar von der IHK, Landrat Josef Neiderhell und Gerhard Kammel von der Handwerkskammer beim Auftakt.

Rosenheim - Ein Chefsessel - das ist der Hauptgewinn beim ersten Rosenheimer Gründerpreis. 44 Jungunternehmer nehmen an dem Wettbewerb teil.

Ein Chefsessel - das ist der Hauptgewinn beim ersten Rosenheimer Gründerpreis. 44 Jungunternehmer, die gerade dabei sind, sich auf eigene Beine zu stellen, nehmen an dem Wettbewerb teil. Sie alle könnten den Sessel vielleicht gebrauchen. Doch das Gewinnen steht gar nicht im Vordergrund.

Um Existenzgründern unter die Arme zu greifen, haben im Sommer die Wirtschaftsförderer von Stadt und Landkreis Rosenheim mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer für München und Oberbayern den "Gründerpreis Rosenheim 2013" ausgeschrieben. Anfang Oktober fand der erste von neun kostenlosen Workshops statt, die den Teilnehmern handfeste Informationen rund um die Existenzgründung vermitteln. Bis Ende Dezember erstellen die Gründer mit Unterstützung der Experten ihre Businesspläne, die anschließend von einer Jury bewertet werden.

"Für uns ist das eine Spitzensache", sagt Martina Sturainer de Cueto aus Bad Endorf. Sie und ihr aus Peru stammender Mann Gustavo Cueto Alvildo wollen mit Babykleidung aus peruanischer Pima-Bio-Baumwolle den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Doch ob sie mit ihrem Businessplan am Ende den Hauptgewinn tatsächlich knacken, ist eigentlich nebensächlich. Viel wichtiger sind für sie die Workshops und enorme Unterstützung der Experten.

Eine eigene Marke haben sie schon gegründet. "Mama Ocllo" ist nach einer mythologischen Gründerfigur des Inka-Reiches benannt. Im Augenblick werden in Peru gerade die Muster für ihre erste Kollektion gefertigt, die eine französische Designerin entworfen hat. Ein wichtiger Aspekt ihrer Marke werden die Themen Nachhaltigkeit, Ökologie und faire Arbeitsbedingungen sein. Die Babymode soll zunächst über einen eigenen Online-Shop verkauft werden, der gerade im Aufbau begriffen ist. In einem zweiten Schritt will man sich um weitere Vertriebskanäle, etwa über Handelsvertreter, bemühen. "Wir wollen das groß aufziehen", sagt Martina Sturainer, die sieben Tage in der Woche für ihre noch junge Firma arbeitet.

Mit ihrem Engagement ist sie nicht allein. "Fast alle unsere Teilnehmer gehen das Thema Existenzgründung sehr ernsthaft an und setzen voll auf diese Karte", hat Elke Riedner von der Wirtschaftsförderung der Stadt Rosenheim beobachtet, die den Wettbewerb betreut.

Knackpunkt vieler Existenzgründungen ist laut Experten der Businessplan. Er beschreibt die Geschäftsidee und die dafür notwendigen Maßnahmen. Ein solcher Businessplan ist nicht nur für Verhandlungen mit Banken wichtig, sondern stellt auch sicher, dass sich der Gründer intensiv mit seinem Vorhaben auseinander gesetzt hat. Deshalb steht der Businessplan auch im Mittelpunkt der Workshops des Gründerpreises. "Das Programm soll alles vermitteln, was für einen guten Businessplan notwendig ist", so Riedner.

Sie ist mit der Resonanz auf den Wettbewerb mehr als zufrieden. "In der Vorbereitung ist uns schon prophezeit worden, dass wir über zwölf Teilnehmer froh sein könnten." Angesichts der guten Wirtschaftslage und verschlechterter Förderbedingungen nimmt die Zahl der Existenzgründungen im Augenblick eher ab. Vor diesem Hintergrund bewertet Riedner die 44 Teilnehmer als großen Erfolg. "Was mich besonders freut, ist, dass wir mit unseren Workshops offenbar ins Schwarze getroffen haben. Alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert."

Das gilt auch für Patric Schmid. Er will zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Stephanie Zankl ein Online-Portal für digitale Outdoor-Führer etablieren. Zielgruppe sind Kletterer, Wanderer und Mountainbiker, die sich die zuverlässigen Informationen und Routen für ihre Touren gegen Gebühr kostenpflichtig herunterladen können. Zudem soll über eine App die Anwendung auch von unterwegs aus möglich sein. "Im Augenblick verhandeln wir mit Verlagen, die solche Führer in Papierform herausbringen", erzählt Schmid. "Viele Verlage basteln an eigenen Lösungen, wir aber wollen ein übergreifendes Portal schaffen." Zum Start der Frühjahrssaison 2013 soll es losgehen. "Im Augenblick suchen wir gerade den Markennamen und entwickeln unser Design", sagt Schmid. Vom angebotenen Marketing-Workshop hätten sie enorm profitiert.

Mindestens genauso wichtig ist es für ihn aber, Gleichgesinnte zu treffen, mit denen man sich über Erfahrungen und Probleme austauschen kann. Dieser Netzwerk-Gedanke gefällt auch Sturainer: "Man steht als Gründer nicht allein da und muss sich Kontakte nicht erst mühsam aufbauen." Unter den Teilnehmern hätten sich bereits die ersten Ergänzungen ergeben. Und wer als Sieger den Chefsessel wirklich nicht gebrauchen kann, findet vielleicht über das Netzwerk einen dankbaren Abnehmer.

Klaus Kuhn

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