Nach Lustreise: Wüstenrot feuert Führungskräfte

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Stuttgart - Nach dem PR-Desaster rund um einen Sex-Skandal zieht der Finanzkonzern W&W Konsequenzen: Neue Belohnungsreisen sind gestrichen, alte werden überprüft und auch die ersten Köpfe rollen .

Nach den Sex-Eskapaden seiner Spitzenkräfte auf einer Belohnungsreise an die Copacabana zieht der Finanzkonzern W&W die Notbremse: “Zwei selbstständige Handelsvertreter, die die Reise als Führungskräfte begleitet haben, sind mit sofortiger Wirkung suspendiert worden“, teilte die Wüstenrot-&-Württembergische-Gruppe am Dienstag mit. Mehr noch: Teure Touren als Honorierung für verdiente Mitarbeiter seien mit sofortiger Wirkung gestrichen. Kritik gab es derweil von der Lobby der Versicherungskaufleute: Die Sex-Sause bringe den gesamten Berufsstand der Vermittler in Verruf.

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Wüstenrot-Vetreter im Bordell

Am Montag war bekanntgeworden, dass eine 200 000 Euro teure Belohnungsreise der Bausparkasse Wüstenrot nach Rio de Janeiro Blüten getrieben hatte, die so gar nicht zum Image des Konzerns als solider Vorsorgespezialist passen. Bis zu 20 Spitzenkräfte sollen aus dem Reisebus direkt in ein Bordell spaziert sein. W&W betont, den Sex-Ausflug weder direkt noch indirekt unterstützt geschweige denn finanziert zu haben. Es handele sich um individuelle Verfehlungen der Mitarbeiter, für die es keine Entschuldigung gebe.

Offensichtlich will der Konzern in der Aufarbeitung keine halben Sachen machen. Das generelle Aus für die Belohnungstouren begründete W&W mit den Worten: “Solche Anreizsysteme für Vertriebsorganisationen sind nach Auffassung der Finanzdienstleistungs-Gruppe nicht mehr zeitgemäß.“ Die Konsequenzen würden auch “im Interesse der Kunden und zum Schutz der unbescholtenen Vertriebsmitarbeiter“ gezogen. Am Vortag hatte W&W lediglich mitgeteilt, dass Belohnungstouren künftig nicht mehr ins Ausland führen sollten. Die sogenannten Incentives (englisch: Ansporn für Leistung) sind in der Branche weit verbreitet.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) verurteilte die Eskapaden. “Dieser Vorfall kann ungerechtfertigt die ganze Vermittlerbranche beschädigen“, erklärte BVK-Präsident Michael Heinz. Kritiker halten dem Wirtschaftszweig seit Jahren vor, dass sich die Honorierung der selbstständigen Handelsvertreter zu stark an der bloßen Zahl der abgeschlossenen Verträge orientiere. Masse statt Klasse stehe so zu sehr im Vordergrund und die Qualität leide.

W&W will nun auch weiter zurückliegende Belohnungsreisen prüfen: Die Gruppe veranlasse “eine umfassende Untersuchung sämtlicher Incentive-Reisen aller Konzern-Gesellschaften der vergangenen drei Jahre auf potenzielles Fehlverhalten Einzelner“. Bis Ende März 2012 sollen Ergebnisse präsentiert werden. Sollten weitere Verfehlungen aufgedeckt werden, werde der Untersuchungszeitraum ausgeweitet.

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