Arbeit zu Vertragskonstrukten

Nobelpreis für Wirtschaft geht an Hart und Holmström

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Oliver Hart, Bengt Holmstrom win Nobel Prize for Economics

Stockholm - Der Nobelpreis für Wirtschaft 2016 geht an Oliver Hart und Bengt Holmström. Die Wissenschaftler bekommen die Auszeichnung für ihren Beitrag zur Kontrakttheorie.

Der Nobelpreis für Wirtschaft 2016 geht an die Vertragsforscher Oliver Hart und Bengt Holmström. Die in den USA lehrenden Wissenschaftler bekommen die Auszeichnung, weil sie mit ihren Beiträgen zur Kontrakttheorie helfen, Verträge sinnvoll zu konstruieren und besser zu verstehen, wie die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm bekanntgab. Die beiden haben getrennt voneinander zur Vertragstheorie geforscht.

Kontrakttheorie ist Entscheidungshilfe

„Verträge sind ganz fundamental, wir sehen sie überall in der Gesellschaft“, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Strömberg, in Stockholm. Die von den beiden Preisträgern entwickelten Theorien seien "wertvoll für das Verständnis von Verträgen und Institutionen sowie von potenziellen Fallstricken bei der Vertragsgestaltung", erklärte das Preiskomitee am Montag in Stockholm. Die von ihnen entwickelten Instrumente helfen etwa bei der Entscheidung, ob ein festes oder ein leistungsabhängiges Gehalt gezahlt oder Schulen wie auch Kliniken öffentlich oder privat betrieben werden sollten.

Während Holmström etwa zeigte, wie Anreize und Risiken in einem Vertrag abgewogen werden können, ging Hart davon aus, dass es vieles gibt, das nur schwierig in Verträgen festgehalten werden kann. „Verträge sind von Natur aus unvollständig“, sagte Wirtschaftswissenschaftlerin Tessa Bold von der Uni Stockholm. „Was er (Hart) herausgefunden hat, ist, dass das Wichtigste ist, wer den Besitzanspruch an bestimmten Investititonsgütern hat und wer so die Rechte hat, Entscheidungen zu treffen.“

Nobelpreisträger Hart umarmt als Erstes seine Frau

Die Nachricht vom Nobelpreis erreichte Hart in den USA wegen der Zeitverschiebung gleich nach dem Aufwachen. „Ich bin um 4.40 Uhr wach geworden und habe mich gefragt, ob es zu spät ist, als dass es dieses Jahr sein kann, aber dann hat zum Glück das Telefon geklingelt“, sagte Hart der Nobelpreis-Stiftung zufolge. Als Erstes habe er seine Frau umarmt und seinen Sohn geweckt. Holmström sagte während der Pressekonferenz in Stockholm, bei der er per Telefon zugeschaltet war: „Ich habe das überhaupt nicht erwartet.“ Er sei „sehr glücklich und dankbar“.

Bengt Holmström: Finnischer Mikro-Ökonom mit großem Renommee

Bengt Robert Holmström ist Wirtschaftsprofessor an der  US-Eliteuniversität MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge bei Boston. Der 67-jährige Finne ist schon als hochdekorierter Vertreter seines Berufsstandes bekannt. Als Dozent und Professor prägte der am 18. April 1949 geborene Holmström gleich mehrere Top-Adressen der US-Wirtschaftslehre. 1978 machte der auf Mikro-Theorie spezialisierte Ökonom seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Stanford Universität in Kalifornien. Von 1979 bis 1982 lehrte er an der Kellogg Grad School of Management, von 1983 bis 1994 an der Elite-Universität Yale.

Holmströms Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, er hält mehrere Ehrendoktor-Titel, unter anderem von der Stockholm School of Economics. Als Ökonom hat er sich vor allem mit Forschung zu Manager-Verträgen und Boni einen Namen gemacht. Von 1999 bis 2012 war er Aufsichtsrat des finnischen Telekom-Konzerns Nokia. Mit seiner Frau Anneli hat er ein Kind: Sohn Sam wurde 1974 geboren.

Oliver Hart: Ausnahme-Ökonom, Familienmensch und Tischtennis-Spieler

Oliver Hart ist seit 1993 Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston. Der 68-jährige US-Ökonom mit britischen Wurzeln ist Experte für Unternehmenslehre mit Schwerpunkten wie Vertragstheorie, Rechtsfragen und Privatisierung. 

Hart studierte Mathematik und Ökonomie in England (Cambridge und Warwick), bevor er 1972 an der US-Eliteuni Princeton seinen Doktor machte. Nachdem er für einige Jahre als Professor an der London School of Economics lehrte, kehrte der Wirtschaftsforscher 1984 in die USA zurück, wo er zunächst am renommierten MIT unterrichtete. Hart, der 1995 selbst ein Lehrwerk zur Vertragstheorie veröffentlichte, ist mit einer US-Schriftstellerin verheiratet und hat zwei Söhne. 

Dank Harts Fachkollegen Dennis Snower kennt man inzwischen auch eine seiner sportlicher Vorlieben. „Ich war gemeinsam mit ihm in Princeton, und wir haben häufiger Tischtennis im Keller der Ökonomie-Fakultät gespielt“, verriet Snower, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, am Montag.

Schwedische Reichsbank stiftete Preis nachträglich

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotierte Auszeichnung geht anders als die klassischen Nobelpreise nicht auf das Testament des schwedischen Erfinders Alfred Nobel zurück. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968 nachträglich, um bedeutende Ökonomen zu würdigen.

Offiziell heißt er deshalb „Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel“. Verliehen wird die Auszeichnung aber gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels. Am Montag wurde der Nobelpreis für Wirtschaft zum 48. Mal verliehen.

Die Preisträger der vergangenen Jahre

Während die Stockholmer Jury seit der ersten Preisvergabe 1969 vor allem US-Ökonomen mit der Auszeichnung bedacht hat, kommen die Preisträger der vergangenen beiden Jahre aus Europa. 2014 bekam der Franzose Jean Tirole den Preis für seine Forschung über Marktmacht und Regulierung. Im vergangenen Jahr erhielt der Schotten Angus Deaton die Auszeichnung, der aber wie viele andere Preisträger in den USA lehrt.

Nach Deutschland ging der Preis in den vergangenen Jahren erst einmal. 1994 ehrte das Nobelkomitee den Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten. Zudem wurde die Ehre bislang nur einer Frau zuteil: 2009 bekam die US-amerikanische Umwelt-Ökonomin Elinor Ostrom die Auszeichnung.

Außerdem wurden diese Wissenschaftler ausgezeichnet: 

  • 2015 Angus Deaton (USA/Großbritannien). Der gebürtige Schotte bekam den Preis für seine „Analyse von Konsum, Armut und Sozialstaat“.
  • 2014 Jean Tirole (Frankreich). Das Nobelkomitee zeichnete den Industrieökonomen für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung aus.
  • 2013 Eugene F. Fama (USA), Lars Peter Hansen (USA) und Robert J. Shiller (USA). Die drei Forscher wurden für ihre Methoden zur Beobachtung der Kursbildung an den Aktienmärkten ausgezeichnet.
  • 2012 Alvin E. Roth (USA) und Lloyd S. Shapley (USA). Beide entwickelten wichtige Erkenntnisse, wie man verschiedene wirtschaftliche Akteure zueinander bringt.
  • 2011 Christopher A. Sims (USA) und Thomas Sargent (USA). Ihr Gebiet: Modelle, mit denen sich das Wechselspiel von Inflation, Zinsen und Arbeitslosigkeit analysieren lässt.
  • 2010 Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen (USA) und Christopher A. Pissarides (Großbritannien). Sie wurden für ihre Untersuchung von Marktmechanismen ausgezeichnet.
  • 2009 Elinor Ostrom (USA) und Oliver E. Williamson (USA). Sie haben gezeigt, „wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann“. Zu Williamson hieß es, er habe Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt.
  • 2008 Paul Krugman (USA) für seine Forschungsergebnisse als Handelstheoretiker.
  • 2007 Leonid Hurwicz (USA), Eric S. Maskin (USA) und Roger B. Myerson (USA) für ihre Arbeiten über die Grundlagen der „Mechanischen Designtheorie“.
  • 2006 Edmund S. Phelps (USA) für seine Analyse zum Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik.

dpa/afp

Den Friedensnobelpreis erhielt Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos.

Drei Molekularforscher wurden mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

Die Jury verlieh dem Japaner Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis für seine Zellforschung.

Mit dem Physik-Nobelpreis wurden drei Physiker geehrt, die sich mit Materiezuständen befassen.

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