Inflation in der Eurozone

OECD: EZB soll Zinssätze weiter senken

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der japanische Premierminister Shinzo Abe bei einem OECD-Meeting.

Paris - Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Geldpolitik weiter lockern.

Die EZB müsse "neue Maßnahmen" ergreifen, damit sich die sehr niedrige Inflation "entschiedener in Richtung der Zielvorgabe" von nahe zwei Prozent bewege, erklärte die OECD am Dienstag in Paris. Die deutsche Wirtschaft dürfte laut der Organisation stärker wachsen als bislang angenommen.

Die OECD verweist in ihrem neuesten weltweiten Wirtschaftsausblick auf das noch langsame Wirtschaftswachstum, die hohe Arbeitslosigkeit, die niedrige Inflation und den "hohen öffentlichen Schuldenstand" unter anderem in der Eurozone. Dem müsse die Geldpolitik Rechnung tragen. OECD-Experte Christian Kastrop sagte in Paris, die EZB solle ihre Zinsrate weiter senken, "auch auf null". Auch könne der Tageszinssatz "ins Negative" verkehrt werden.

Die Inflation in der Eurozone lag im April bei 0,7 Prozent, die EZB strebt einen Wert von etwas unter zwei Prozent an. Die OECD mahnte, sollte die Inflationsrate weiter sinken und eine Deflation drohen, müsse die EZB "zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen" ergreifen. Gemeint sind damit etwa Refinanzierungsgeschäfte mit längeren Laufzeiten und Zinssätzen nahe null sowie der Aufkauf von Staats- oder Unternehmensanleihen.

Kastrop betonte, für solche Maßnahmen gebe es "zum jetzigen Zeitpunkt" keinen Anlass. "Wir würden sie aber empfehlen, wenn sich wirklich zeigt, dass es eine abwärtsgerichtete Spirale gibt. Aber das sehen wir aus den Daten bisher nicht." Die OECD geht davon aus, dass die Inflation in der Eurozone mittelfristig wieder ansteigt.

In ihrem Wirtschaftsausblick, der Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung weltweit enthält, erhöht die OECD ihre bisherige Vorhersage für das Wachstum in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte demnach 2014 um 1,9 Prozent zulegen und 2015 um 2,1 Prozent. Im November war die OECD von einem Wachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr und von zwei Prozent 2015 ausgegangen. Die Bundesregierung rechnet für 2014 mit einem Plus von 1,8 Prozent.

Die Wirtschaftstätigkeit in Deutschland sei im ersten Quartal dieses Jahres "ungewöhnlich dynamisch" gewesen, heißt es in dem OECD-Bericht. Der milde Winter habe die Aktivität im Bausektor gefördert, steigende Immobilienpreise hätten den Wohnungsbau "beflügelt". Das Wirtschaftswachstum in Deutschland werde zudem "wahrscheinlich an Schwung gewinnen, da die Erholung im Euroraum die Nachfrage nach deutschen Exporten erhöht".

Das Wachstum in Deutschland dürfte dabei weiter deutlich über dem in der Eurozone insgesamt liegen. Die OECD sagt für den Euroraum dieses Jahr eine Zunahme des BIP um 1,2 Prozent und um 1,7 Prozent im kommenden Jahr voraus.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland dürfte laut der OECD weiter sinken. Anders hingegen sieht es im von Rekordarbeitslosigkeit geplagten Frankreich aus: Dort erwarten die OECD-Experten erst für Ende 2015 eine geringe Absenkung der Arbeitslosenquote.

afp

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser