In Bayern gibt es Ungleichgewichte

Sparkassen-Verwaltungsräte: Viel Geld für Nebenjob

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Für die örtliche Geldversorgung sind die Sparkassen in Deutschland unentbehrlich. Doch die Vergütungen für ihrer Verwaltungsräte geraten bei einigen Instituten in die Kritik. 

München - Entlohnen viele bayerische Sparkassen ihre Aufseher zu großzügig? Diesen Verdacht legt die Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Landtag nahe. Es gibt jedenfalls im Freistaat deutliche Ungleichgewichte.

Die handelnden Personen sind bekannt: Oberbürgermeister, Landräte, Bürgermeister oder auch Kreisräte. Ein Amt das viele von ihnen nebenher ausüben, findet aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Sie kontrollieren als Verwaltungsräte die bayerischen Sparkassen. Das entspricht in etwa der Rollen von Aufsichtsräten in Kapitalgesellschaften. Dafür werden sie bezahlt – zum Teil für Nebenjob-Verhältnisse fürstlich.

So erhielten die 27 Verwaltungsratsmitglieder der Sparkasse Nürnberg im Durchschnitt rund 2170 Euro im Monat. Alle zusammen kassierten im letzten Jahr 705.000 Euro. Die Bilanzsumme – das ist der Maßstab für die Größe eines Geldhauses – betrug 11 Milliarden Euro.

Das ist nicht viel mehr als die Bilanzsumme der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg mit 10,6 Milliarden Euro. Doch das Institut für den Münchner Speckgürtel ist vergleichsweise knausrig zu ihren Aufsehern: 198.000 Euro waren sie der drittgrößten Sparkasse im Freistaat 2015 wert. Diese Summe teilen sich 16 Verwaltungsratsmitglieder, das macht pro Kopf 1031 Euro im Monat. Die Beträge sind nicht einheitlich. Denn Vorsitzende und Stellvertreter erhalten höhere Bezüge. Berechnet werden hier ausschließlich Durchschnittswerte.

Die größte Sparkasse im Freistaat, die Stadtsparkasse München mit einer Bilanzsumme von 17,5 Milliarden Euro, ist noch ein Stück zurückhaltender: 179 000 Euro wandte sie für ihren Verwaltungsrat auf. Weil dieser aber nur zehn Köpfe zählt, ist das pro Person im Durchschnitt mehr als bei den Kollegen aus dem Umland: rund 1500 Euro im Monat.

Die Zahlen gehen aus Berichten des Sparkassenverbands Bayern und aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten der Grünen, Ludwig Hartmann und Jürgen Mistol, hervor. Er sei ein Befürworter des Sparkassensystems, sagt Hartmann gegenüber unserer Zeitung, ergänzt aber: „Wir wollen dabei aber Transparenz.“

Die Politiker wollten unter anderem wissen, welche Sparkassen den vom Sparkassenverband vorgegebenen Rahmen für die Verwaltungsratsvergütungen ausschöpfen. Es sind im Münchner Umland die Sparkassen Dachau, Erding-Dorfen, Freising und Fürstenfeldbruck.

Die Sparkasse Fürstenfeldbruck hat im Münchner Umland auch die höchste Steigerungsrate bei der Bezahlung ihrer Verwaltungsräte: plus 94 Prozent seit 2010. Die acht Mitglieder des Gremiums bekamen bei einer Bilanzsumme von 3,6 Milliarden Euro 2015 zusammen 155.000 Euro. Macht pro Kopf durchschnittlich 1615 Euro im Monat. Die Steigerung begründet die Sparkasse Fürstenfeldbruck damit, dass sie sich bis 2011 im Rahmen dessen gehalten hat, was Beamte für ihre Nebentätigkeit als Verwaltungsrat behalten dürfen. Im Verwaltungsrat saßen Beamte, die 2015 je nach Besoldungsstufe zwischen 5148,64 Euro bis 8581,07 Euro behalten durften. Alles, was darüber lag, musste an den Dienstherrn abgetreten werden. Für Bürgermeister und Landräte gelten die dreifachen Freibeträge. Nur die Vertreter der freien Wirtschaft dürfen ihre Vergütungen vollständig behalten. Im Verwaltungsrat der Sparkasse Fürstenfeldbruck sind das zwei Vertreter. Tatsächlich fallen die Zahlen für Fürstenfeldbruck trotz der Steigerung nicht aus dem Rahmen. Die höchsten Vergütungen im Großraum München zahlt die Sparkasse Dachau: 235.000 Euro bei einer Bilanzsumme von 2,8 Milliarden Euro. Bei elf Verwaltungsratsmitgliedern kommt jeder im Durchschnitt auf 1780 Euro im Monat.

Hohe Summen für die Verwaltungsräte von Sparkassen können für Politiker brandgefährlich werden. Das zeigt folgendes Beispiel: Auf deutlich höhere Summen als heute kam noch vor vier Jahren die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Im Jahr 2012 waren es 187 000 Euro für acht Verwaltungsratsmitglieder; durchschnittlich 1948 Euro pro Kopf – außergewöhnlich viel für eine Sparkasse mit einer Bilanzsumme von 1,7 Milliarden Euro – wie die Miesbacher Lokalredaktion unserer Zeitung aufdeckte. Die Werte lagen sogar oberhalb der festgesetzten Grenze – was sich dadurch erklärte, dass sich in der Summe neben den regelmäßigen Zahlungen auch noch Posten für Arbeitsessen, Klausurfahrten, Geschenke oder Feiern verbargen. Zum Beispiel die Feier zum 60. Geburtstag des früheren Miesbacher Landrats Jakob Kreidl. Sie kostete über 100.000 Euro, wovon 77.000 Euro die Sparkasse beisteuerte. Kreidl verlor im Zug dieser Affäre sein Amt.

Inzwischen gehört die Sparkasse Miesbach zu den bescheidensten. 72.000 Euro 2015 sind gerade einmal 750 Euro im Monat pro Verwaltungsratsmitglied.

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