Neumarkt-St. Veit

Konzentration auf den Stadtkern

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Interessiert begutachteten die Teilnehmer der Infoveranstaltung die Pläne. Foto je

Etwas überrascht zeigte sich Neumarkts Bürgermeister bei der Infoveranstaltung zum neuen Flächennutzungsplan der Stadt Neumarkt. Er habe sich mehr Besucher erwartet, nachdem das Thema im Stadtrat schon so kontrovers diskutiert worden sei.

Interessiert begutachteten die Teilnehmer der Infoveranstaltung die Pläne. Foto je

Zunächst hatte Bürgermeister Erwin Baumgartner eingangs der Veranstaltung im Herzoglichen Kasten darauf hingewiesen, dass der alte Flächennutzungsplan aus dem Jahre 1987 stamme, eine Überarbeitung also dringend notwendig sei. Auf die nächsten 15 bis 20 Jahre sei die neue Planung ausgelegt, die nicht nur den Ortskern von Neumarkt-St. Veit betreffe, sondern erstmals auch die Ortschaften im Außenbereich miteinbeziehe, wie Elsenbach, Feichten, Frauenhaselbach, Hofthambach, Hörbering, Oberndorf, Teising und Wiesbach. Eines machte der Bürgermeister klar: "Ein Flächennutzungsplan bringt kein Baurecht." Im Außenbereich gelte es vor allem die Landwirtschaft zu erhalten und zu fördern, begründete er das nach wie vor privilegierte Verfahren für ortsansässige Landwirte.

Andere Bauvorhaben können in Ausnahmefällen nur dann bewilligt werden, wenn sie mit dem Flächennutzungs- und Landschaftsplan vereinbar seien. Die restriktive Vorgehensweise sei deswegen vorgesehen, um "Wildwuchws", wie es Baumgartner bezeichnete, zu vermeiden. Der verantwortliche Planer, Architekt Eberhard von Angerer, verdeutlichte, dass bei der Entwurfsplanung eines Flächennutzungsplans viele Faktoren berücksichtigt werden müssten. Es gebe viele Vorschriften, die auch die Europäische Union mit sich brächten und die den Spielraum immer mehr eingrenzen würden. Man müsse sich an Vorgaben der Behörden halten und dürfe auch die demografische Entwicklung nicht außer Acht lassen. "Die Geburten sind drastisch zurückgegangen", schilderte er auch im Falle Neumarkts. Das Wachstum der Stadt stagniere derzeit, zu Beginn der Planung sei man noch von drei Prozent ausgegangen, erklärte er die Umstände, die bei einer derartige Planung auch Flexibiltät erforderten. Bei der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes gelte es darüber hinaus zu berücksichtigen, wie viel Gewerbeflächen in den nächsten 20 Jahren benötigt würden. Mischgebiete, also Wohngebiete gemischt mit Gewerbe, gelte es zu vermeiden, "da hier Ärger vorprogrammiert ist".

Zur Neufassung des Flächennutzungsplanes kommt im Falle Neumarkts auch ein Landschaftsplan hinzu. Hintergrund: Grün- und Erholungsflächen - an der Rott, im Schlosspark oder in Form zahlreicher Obstwiesen - würden laut Ralf Schindlmeier die Lebensqualität steigern, sie gelte es zu erhalten. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung erläuterte von Angerer, dass sich die weitere Entwicklung Neumarkts auf den Stadtkern ausrichte. "Die Energiepreise steigen, es sollten zukünftig möglichst kurze Wege, sei es zur Schule oder zum Einkaufen, geschaffen werden. Wir müssen möglichst viele Leute zurück zum Kern bringen."

Die Gefahr von Hochwasser an der Rott schränke zwar die Bebauung zukünftig ein, dennoch stünde nach wie vor große Flächen zur Besiedelung zur Verfügung, beispielsweise an der Alten Teisinger Straße bis zum Fürstenweg. Nördlich davon hat das Gewerbegebiet Entwicklungspotenzial, ebenso wie am Ostausgang Richtung Hörbering. Als problematisch stellte von Angerer den Süden Neumarkts, am Staudacher Berg dar. "Wir haben Hänge, die nach Nordwesten abfallen". Kein geeignetes Wohngebiet also, stellte er heraus. Schindlmeier fügte, die landesplanerische Komponente betreffend, an, dass die Grünflächen östlich von St. Veit erhalten werden müssen. Als "dominanten Punkt", der das Bild Neumarkts präge, bezeichnete er die Landschaft östlich, oberhalb des Taubenbergs.

Am Beispiel Elsenbachs erklärte von Angerer anschließend, welche Probleme im Außenbereich berücksichtigt werden müssten. Vielerorts seien Entwicklungsmöglichkeiten aufgrund eines Bachlaufes und der Straßenführung eingeschränkt. Auf der anderen Seite müsse in den ländlich geprägten Ortschaften ein Ausbau der Siedlungstätigkeit zugunsten der Ansiedelung im Stadtkern, eingedämmt werden. "Sonderwünsche kann man jedoch beantragen. Man wird dann versuchen, Lösungen zu finden", verhehlte von Angerer nicht. Der neue Flächennutzungsplan verhindere nicht die Bautätigkeit in den Orten im Außenbereich, sondern gereiche vor allem den dort Ansässigen zum Vorteil.

Sollten Bauanfragen kommen, die Grundstücke jenseits des Flächennutzungsplanes betreffen, könne man immer noch das Instrumentarium einer Außenbereichssatzung heranziehen, um Sonderwünschen Genüge zu leisten. Im Falle Feichtens sprach Schindlmeier von Postkarten-idylle, die es zu erhalten gelte. Es sei ein winziger Ort mit Splitterbebauung, in dem eine weitere Besiedelung nicht empfohlen werde, weil neben den Tegernbach, auch noch Bundestraße und Bahn dem entgegenstehen würden. Eine Sonderstellung genieße die Ortschaft Hörbering, weil sie eine Zweiteilung, diesseits und jenseits der Staatsstraße, aufweise. Entwicklungspotenzial sehen die Planer eher noch zwischen Staatsstraße und Bahn, im Süden spreche unter anderem die Topografie gegen eine Siedlungstätigkeit.

Entwicklungspotenzial gebe es auch noch in Teising, doch nur eingeschränkt in Richtung Osten. Doch müsse die Ortschaft autark bleiben und dürfe nicht zu nahe an den Stadtkern heranwachsen. Bis zum 30. April liegt der Plan noch im Rathaus aus, bis dahin können noch schriftlich Wünsche und Anregungen geltend gemacht werden. (siehe auch Artikel auf der nächsten Seite). je

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