Hinten knackig, vorne elegant

Wie der junge Mastroianni - der Alfa Romeo Stelvio

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Elegant: der Alfa Stelvio am Stiefser Joch.

Einzigartig und unverwechselbar war er, der junge Schauspieler Marcello Mastroianni: Mit der Eleganz des schlanken, gut aussehenden Charmeurs verführte er Schönheiten wie Sophia Loren oder Anita Ekberg.

In eine ähnliche Rolle könnte unter den beliebten Mittelklasse-SUV der neue Alfa Romeo Stelvio schlüpfen: Sein Design mit schlanker und eleganter Silhouette wirkt betörend. Zusätzlich überrascht er mit großen inneren Werten und einer hohen Fahrdynamik. Die Zutaten passen also. Ob der brandneue Stelvio trotz seines späten Auftritts ab 16. März die Kundschaft überzeugen kann, muss sich aber noch zeigen.

„Best In Class“ sagt man in drei kurzen und bündigen Silben, wenn es einer allen anderen so richtig zeigt. Das gilt in vielen Disziplinen für den 4,69 Meter langen Alfa Romeo Stelvio, der die immer beliebtere Klasse der Midsize-SUV aufmischen soll. 

Seine wichtigsten Rivalen: die deutsche Premium-Elite Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC und Porsche Macan, aber auch der Jaguar F-Pace. Sie alle lässt der Alfa Romeo Stelvio hinter sich in Disziplinen wie Cw-Wert (0,299), Bremsweg (37,5 Meter aus 100 km/h), Radstand zwischen Vorder- und Hinterachse (2,82 Meter), direkt übersetzte Lenkung und, und, und.

Sieht gut aus: Alfa Romeo Stelvio

Gutes Aussehen, hohe Sportlichkeit: Seit 107 Jahren ist dies die DNA von Alfa Romeo. Seine dynamischen Talente verdankt der neue Italo-SUV Stelvio einem gewissen „Giorgio“: So heißt die Plattform, auf der bereits die gefällig designte und besonders sportlich zu fahrende Limousine Alfa Romeo Giulia basiert. Giorgio glänzt unter anderem mit perfekt ausbalancierter Gewichtsverteilung (50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse). Und das bei relativ schlanken 1660 Kilogramm, die der Alfa lediglich auf die Waage bringt. Das sind nur 150 kg mehr als bei der Giulia. Dafür sitzt der Fahrer 19 cm höher über dem Asphalt – und genießt deshalb bessere Übersicht und tut sich leichter beim Ein- und Aussteigen.

In Sachen Fahrdynamik ebenfalls wichtig: Der heckbetonte Allradantrieb Q4. Im Normalbetrieb geht alle Antriebskraft an die Hinterachse, nur bei Bedarf gehen blitzschnell bis zu 50 Prozent nach vorne. Zunächst startet der Alfa Romeo Stelvio nur in 4x4-Versionen als 280 PS starker Benziner, danach als Diesel mit 210 PS. Später rücken ein 200 PS-Benziner und ein Basis-Diesel mit 180 PS nach. Ende 2017 folgt das künftige Spitzenmodell mit dem 510 PS starken 2,9-Liter-V6. Das namensgebende vierblättrige Kleeblatt dieses Stelvio „Quadrifoglio“ prangt ab sofort auf dem Heck von Ferraris Formel- 1-Renner, mit dem Sebastian Vettel um die WM fährt.

Das Cockpit vom Alfa Romeo Stelvio.

Das kostet der Alfa Romeo Stelvio

Der erste erhältliche Alfa Romeo Stelvio mit dem 2,0-Liter-Biturbo-Benziner und seinen 280 PS kostet 49.000 Euro und liegt damit etwa gleichauf mit deutlich leistungsschwächeren Varianten vom Audi Q5 (252 PS) und Mercedes GLC (245 PS), ist günstiger als ein schwächerer BMW X3 (245 PS) und übertrifft den Porsche Macan (252 PS, 55.669 Euro) deutlich im Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die „bella maccina“ aus Milano besticht vor allem an der Front: Das charakteristische Alfa-Dreieck „Scudetto“ im Grill ist eingerahmt von schmalen Frontleuchten und großen Luftöffnungen. Die daher rührende, leichte Aggressivität steht dem italienischen Schönling ausgesprochen gut – in etwa wie Mastroianni, wenn er in „La Dolce Vita“ nachts mit einer coolen Sonnenbrille im Gesicht die Blicke auf sich zieht.

Hervorragende innere Werte, was Ausstattung und Kofferraum anbetrifft, attestiert Testfahrer Schütze dem Alfa Romeo Stelvio.

Wegen seiner schmalen Silhouette traut man dem Stelvio gar nicht seine inneren Werte zu: Der klassengrößte Radstand bringt viel Innenraum, wovon Fahrer und Beifahrer auf sportlich-komfortablen Sitzen ebenso profitieren wie drei Hinterbänkler, die ruhig über 1,80 Meter groß sein dürfen. Und: 525 bis maximal 1600 Liter Volumen eines besonders gut nutzbaren Kofferraums gehören ebenfalls zu den besseren Werten eines Mittelklasse-SUV.

Was seine Papierform und seine Namensgleichheit mit dem serpentinenreichen Alpenpass Stilfser Joch (Italienisch „Stelvio“) versprechen, das hält er auch. Besonders gilt das für kurvige und bergige Landstraßen – ganz besonders rund ums frisch verschneite St. Moritz, wo wir erste Fahreindrücke mit dem 280-PS-Benziner sammeln konnten.
Der 2,0-Liter-Turbomotor hängt drehfreudig, wenn auch deutlich hörbar am Gas. Beim Kickdown gönnt er sich eine minimale Bedenkzeit, macht aber kurz danach richtig Druck. Seine maximale Schubkraft von 400 Nm Drehmoment wuchtet der Vierzylinder zwischen 2000 und 4500 Umdrehungen pro Minute konstant auf den Allradstrang, der durch eine 15 Kilogramm sparende Kohlefaser-Kardanwelle verbunden ist. Selbst durch engste Kehren rast der Stelvio souverän. Per Dreh-Drück-Schalter lässt er sich in den Modi „normal“, „dynamisch“ oder „sparsam“ fahren. Dabei ändert sich jeweils die Charakteristik von Motor, Allradsystem, Automatik-Getriebe, ESP und Lenkung.

Schönling mit Charme

Bestwerte in unterschiedlichsten Kategorien, kombiniert mit dem charaktervollen Charme eines schlanken Schönlings: Mastroianni wäre wohl Stelvio gefahren, hätte Alfa Romeo bereits zu seinen Lebzeiten einen SUV angeboten.

Diesen Zeitpunkt haben die Italiener um 21 Jahre verpasst, und selbst den regelrechten SUV-Boom haben sie um fast zehn Jahre verschlafen, in denen die Mittelklasse-SUV in Europa seit 2008 um 350 Prozent zugelegt haben. Aber: Dank der großen Talente ihres ersten hochbeinigen Allrounders Stelvio könnte Alfas später Auftritt dennoch funktionieren.

Im Herzen ein Italiener: Alfa Romeo Stelvio

Ralf Schütze

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