Autoverkehr

Hitzige Diskussion: Autos raus aus deutschen Innenstädten?

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Überfüllte Straßen, hohes Verkehrsaufkommen: Kein seltener Anblick in deutschen Innenstädten.

Stuttgart will bei der Diskussion um eine Einschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt ernst machen. Andere Städte könnten folgen. Es gibt gute Gründe dafür.  

Es ist eine äußerst hitzige Debatte, die da geführt wird. Sollen Diesel, die zu viel Schadstoff ausstoßen, in deutschen Innenstädten verboten werden? Soll der Autoverkehr sogar gänzlich eingedämmt werden? Das fordern nun die SPD und Grünen für die Innenstadt von Stuttgart. Das Stadtzentrum solle möglichst schnell und umfassend "autofrei" gemacht werden.

"Autofreie" City: Vorstoß in Stuttgart

Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten schwebt den beiden Parteien vor, den Stadtkern mit Mitteln aus dem Haushalt 2018/2019 komplett in eine Flaniermeile umzugestalten. Demnach sollen die Plätze für Fußgänger und Radler deutlich ausgeweitet werden, mehr Spielplätze und Grünflächen entstehen, oberirdische Auto-Parkplätze verschwinden

Was für Nicht-Autofahrer erst einmal eine gute Nachricht ist, wird bei anderen nicht gut ankommen. Autofrei? Unvorstellbar. Schließlich ist vielen Deutschen das Auto fast heilig. Und etwas verboten zu bekommen, was man bislang immer durfte? Wo kommen wir denn da hin? 

Diese Diskussionen sind keinesfalls nur auf Stuttgart beschränkt. Auch in München erwägt die Politik schärfere Maßnahmen gegen Luftverschmutzung. In Berlin, Hamburg oder Köln werden ebenfalls schon länger Grenzwerte überschritten und zumindest Fahrverbote für "schmutzige" Diesel als möglich erachtet.

Autoverkehr in deutschen Innenstädten eindämmen: Vieles spricht dafür

Nun wird es sicherlich Menschen geben, die partout nicht auf ihr Auto verzichten wollen oder können. Und jene, denen die Befreiung der Innenstädte von Autos nicht schnell genug gehen kann. Zu den Gegnern dürfte auf alle Fälle die Automobilbranche gehören, aber auch der Einzelhandel befürchtet Einbußen. Dann existieren sicherlich auch sehr tolerante Freigeister, die sich weder auf die eine noch die andere Seite schlagen wollen.

Es gibt aber auf alle Fälle einige gute Gründe, Autos aus den deutschen Innenstädten zu verbannen. Hier eine Auswahl: 

1. Hohes Verkehrsaufkommen bedeutet hohe Feinstaubbelastung

Das wichtigste Argument: Mit einer solchen Verkehrseinschränkung ließe sich die Schadstoffbelastung langfristig senken. Feinstaub, der unter anderem durch Stickstoffoxide entsteht, kann über die Lunge in den menschlichen Körper gelangen und dort erhebliche Schäden verursachen. Eine Studie kam jüngst zu dem Ergebnis, dass Diesel-Abgase jährlich 38.000 Menschen das Leben kosten.     

2. Mehr Grünflächen und Platz zum Schlendern

Wer würde sich nicht über mehr Grünflächen und Parkanlagen und gleichzeitig weniger Staus, Schmutz, Lärm und Abgasgestank in deutschen Großstädten freuen? Dazu mehr Platz, ausgiebig zu bummeln - ohne dabei auf Autos Acht geben zu müssen. Positiver Nebeneffekt: Auch die Umwelt profitiert davon.  

3. Bus, Bahn, Rad: Mehr Bewegung und Nachhaltigkeit 

Apropos Umwelt. Wer auf das Auto verzichtet und in den Städten stattdessen mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, tut dieser etwas Gutes. Und nicht nur ihr, sondern auch sich selbst. Bewegung ist schließlich das A und O für die Gesundheit.  

4. Weniger Autos lassen auf mehr Sicherheit hoffen

Kürzlich sorgte eine Raserei, die für einen Fußgänger tödlich endete, für Schlagzeilen. Zugegeben, ein extremer Fall. Doch weniger Autos in Innenstädten würden durchaus die Hoffnung nähren, die Zahl schwerer Unfälle zu senken. 

Der Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs hat in diesem Zusammenhang etwa ergeben, dass viele Radler aufgrund der steigenden Zahl von Verkehrstoten oft mit Angst in Städten unterwegs sind. Durch weniger Fahrzeuge in Innenstädten könnten auch sogenannte "Dooring-Unfälle" wie kürzlich in Berlin  - wenn nicht ganz - dann womöglich zumindest auf ein Mindestmaß reduziert werden. 

5. Spielplatz Innenstadt?

Dieser potenzielle Zugewinn an Sicherheit würde auch die Kleinsten der Bevölkerung besser schützen. Laufen Kinder nicht mehr Gefahr, von einem Auto erfasst zu werden, würden wir alle wahrscheinlich mehr Ball- und andere Spiel-Szenen in den Städten beobachten können. Unnötige Parkplatzflächen könnten dann auch wiederum in Spielplätze umgewandelt werden. Das würde sicher nicht nur Familien freuen.       

6. Schluss mit den Blechlawinen

Ein Plus an schönen Spielplätzen und Grünflächen würde auch bedeuten, dass die scheußlichen Blechlawinen aus den Innenstädten verschwinden würden.  

7. Schluss mit horrenden Parkgebühren und Knöllchen

Oft sind wir Menschen ja sehr bequem. Statt zu Fuß irgendwo hinzugehen, steigt man schnell ins Auto und fährt direkt vor Ladentüre xy. In Innenstädten bedeutet das aber auch horrende Parkgebühren und womöglich Knöllchen, falls man keinen Parkplatz mehr ergattert und seinen Wagen ordnungswidrig einfach irgendwo abgestellt hat. 

Lassen Sie das Auto doch lieber einmal stehen und investieren das Geld in ein gutes Abendessen mit Freunden oder Familie.    

Parkplatzkampf im Großstadtdschungel

mop     

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