Amerikanischer Protz?

Chevrolet Malibu: Charakterkiste aus Übersee

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Michael Knippenkötter auf Testfahrt im Chevrolet Malibu, einem Ami­schlitten, dem deutsche Ingenieure Zügel verpassten.

Das ist mal ein echter Brocken! Mit dem Chevrolet Malibu rollt derzeit zumindest rein äußerlich die typisch amerikanische Wucht auf uns zu, mitunter perfekt für abendliche Ausflüge auf die riesigen Plätze im Autokino.

Da hätten Marlon Brando und John Wayne wohl einen Extra-Gruß von der Leinwand geschickt! Im Stadtgebrauch gibt es für den Otto-Normal-Deutschen dann allerdings nicht immer ein Happy-End, sondern eher die Frage: Wer hat die Parklücke vor meinem Lieblingsladen verkleinert?

Chevrolet Malibu 2,0-Liter-Turbodiesel

Leistung: 160 PS bei 4000 U/min
max. Drehmoment: 350 Nm ab 1.750 U/min
Höchstgeschw.: 213 km/h
0 auf 100 km/h: 9,7 sek.
Verbrauch EU Drittelmix: 5,1 l/100 km (laut Hersteller)
6,7 l/100 km (im Test)
Kofferraumvolumen: 545 l
Preis: 29.990 Euro

In Zahlen ausgedrückt ist der Chevi eben kein Smart: Die Gesamtlänge beträgt mehr als 4,80 Meter, zudem ist er über 2,10 Meter breit. Zu den reinen Fakten kommt das bullige Erscheinungsbild: eine lang gezogene Motorhaube, ein deftiger Kühlergrill, das große Bowtie-Logo. Im Rückwärtsgang rollt ein hoch angelegtes Heck mit hervorstechenden Rückleuchten auf einen zu, per Knopfdruck am Schlüssel öffnet sich die große Klappe zu den 545 Litern Stauraum. Das sind knappe 20 Liter weniger als beim VW Passat. Der „Pate“ könnte hier dennoch locker zwei bis drei Filmopfer verstauen. Damit er trotz Zusatzgewicht – ohne „Gepäck“ wiegt der Mittelklasse-Koloss laut Hersteller-Angaben 1670 Kilogramm – gut auf Touren kommt, bietet Chev­rolet einen 167 PS starken Benziner sowie einen Zweiliter-Diesel mit 160 PS an. Letzterer überzeugte im Test durch einen guten Durchzug und vor allem mit dem überaus akzeptablen Verbrauch von 6,7 Litern pro 100 Kilometer. Dafür verantwortlich: die Deutschen. Das Aggregat wird im Opel-Werk in Kaiserslautern hergestellt, die gesamte technische Plattform gehört dem Insignia von Chevrolets GM-Schwester.

Alles im Blick: im Chevrolet Malibu

In der Spitze bringt es der Malibu auf knapp über 200 km/h, der Sprung von null auf hundert dauert satte 9,7 Sekunden. Was das Fahrverhalten betrifft, fühlt man sich wie in einem weichen Riesen. Die Lenkung ist nicht besonders direkt, in der Kurve wirkt alles ein wenig schwammig. Dafür bleibt der Chevi auf unseren „Highways“ auch bei 170, 180 km/h relativ ruhig in der Spur. Ein typischer Ami mit leicht deutschen Einflüssen eben.

Ordentlich deutsch aufgeräumt ist auch der Innenraum: Hier ist alles am richtigen Platz, man bekommt schnell einen Überblick. Das leicht kühle Blau, mit dem die Armaturen hinterlegt sind, ist sicherlich eine Geschmacksfrage – immerhin ziehen die Ingenieure aber ihre Idee und die LEDs bis über die Türen hinaus durch. Das passt zum stringenten Erscheinungsbild. Klar und übersichtlich ist auch das Navigationssystem, das aufklappbare Touchscreen-Display ist ein weiteres Bonbon aus der Tüte „nette Idee“!

Nett, allerdings keinesfalls überragend gut, ist der Preis: In der Serienausstattung LT+ mit Nebelscheinwerfern, ESP, Einparkhilfe, Navigationssystem, Klimaautomatik und Tempomat kostet der Malibu 29 900 Euro, dazu gibt es natürlich noch ein bisschen Ami-Flair. Eine Sitzheizung oder Xenon-Scheinwerfer legt Chevrolet leider erst in der LTZ-Version (zusätzlich 2000 Euro) oben drauf.

Fazit

Mit dem Chevrolet Malibu bekommt man eine amerikanische Charakterkiste samt europäischer Drosselung. Die deutsche Technik tut dem Protz spürbar gut. Wer relativ vernünftig mit einem Ami-Auto unterwegs sein möchte, ist mit diesem Chevi gut beraten.

Michael Knippenkötter

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