Englischer Donnervogel

Charakterstark: Triumph Thunderbird mit einem 1,6-l-Paralleltwin.

Lange hat‘s gedauert -  jetzt ist endlich die Triumph Thunderbird da. Und hurra: Das Herzstück des Cruisers ist mit 1597 Kubikzentimetern Hubraum der weltgrößte Paralleltwin.

Die Hubraum-Lücke zwischen den 865-ccm-Modellen America beziehungsweise Speedmaster und dem Riesentrumm Rokket mit 2,3 Litern Hubraum ist geschlossen.

Jetzt ist endlich die Thunderbird da, und natürlich benötigen die Engländer zu diesem späten Zeitpunkt ein gutes Argument für potenzielle Kunden. Vom in dieser Kategorie üblichen V-Twin-Prinzip haben sich die Engländer bewusst distanziert.

Wird dieser Zweizylinder nun mit dem Elektrostarter zum Leben erweckt, stellt sich aber erst einmal ein Gefühl der Enttäuschung ein: Der Sound, der da den beiden mächtigen Endrohren entweicht, ist eher ein sanftes Gesäusel denn ein donnerndes Grollen. Erst wenn sich die 339 Kilogramm schwere Fuhre in Bewegung setzt und man die sechs Gänge nach oben durchschaltet, erfüllt das Dröhnen mit steigender Drehzahl die Erwartungen. Das Schalten geht butterweich, und das ist auch gut so, denn um beim Fahren nicht ins Stottern zu kommen, müssen die Gänge fleißig gewechselt werden. Nur im sechsten Gang übers Land und durch die Dörfer zu gondeln, geht nicht so einfach, die Thunderbird sollte schon im rechten Drehzahlbereich gehalten werden.

Eigenständig, aber nicht besonders praktisch: Das zentrale Instrument der Thunderbird sitzt tief auf dem Tank.

Überhaupt ist die Engländerin eher eine Vertreterin der flotten Sorte, denn am meisten Spaß macht es, den 85 PS (63 kW) starken Cruiser zügig um die Ecken zu wuchten und auf sauberer Linie elegante Schwünge zu produzieren. Geradeaus geht es auch sehr gut, bei 185 km/h wird sanft abgeriegelt. Die erste von einem Zahnriemen angetriebene Triumph braucht aber eine feste Hand und verzeiht Fehler nicht ohne weiteres. Ein Charakterbike eben. Mit Charakter kann man auch einige Eigenheiten der Thunderbird relativieren, die zumindest eine gewisse Gewöhnung erfordern. So zum Beispiel der weit ausladende Seitenständer, der ein langes linkes Bein erfordert und trotzdem manchmal erst beim zweiten oder dritten Versuch einklappt. Oder dass das Schloss der Wegfahrsperre rechts an der Gabel sitzt, das Zündschloss dagegen rechts unter der Sitzbank und jedes Mal umständlich mit zwei Schlüsseln auf- beziehungsweise abgesperrt und gestartet werden muss. Oder dass das zentrale Instrument reichlich tief auf dem Tank und damit außerhalb des Blickfeldes sitzt. Wie gesagt, daran kann man sich gewöhnen.

Echt nervig dagegen ist die ungenau arbeitende Reichweitenanzeige, die bei unseren Fahrten noch über 80 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp anzeigte und dennoch das Reservelicht zum Füllen des 22-Liter-Tanks mahnte. Das verhindert sinnvolle Planung, und so muss sicherheitshalber gerechnet werden, was bei einem von uns ermittelten Verbrauch von 5,8 Litern Super auf 100 Kilometer Etappen von theoretisch 380 Kilometer ermöglicht. Serienmäßig ist die 14 340 Euro teure Thunderbird zwar mit ABS, dafür aber ohne abschließbaren Tankdeckel ausgestattet. Den – und viel weiteres nützliches oder auch nur schönes Zubehör – findet man dann im Katalog des Händlers.

Volker Pfau

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