„Meeres-Cinquecento“

Der Fiat 500 in der neuen „Launch Edition“: Wie schlägt sich der Mildhybrid im Test?

Der neue Fiat 500 – der „Meeres-Cinquecento“
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Der neue Fiat 500 – der „Meeres-Cinquecento“

Der Fiat 500 ist inzwischen ein richtiges Kultauto. Nun kommt er neu raus – in der „Launch Edition“ wird mehr Wert auf die Umwelt gelegt.

  • Fiat hat seine Knutschkugel erneuert.
  • Sitze bestehen zum Teil aus dem Meer eingesammelten Kunststoff.
  • Die „Hybrid“-Version fährt nicht elektrisch.

Etwas für die Natur zu tun, ist immer eine gute Sache. Die Autohersteller werden vor allem durch die EU-Vorgaben dazu gedrängt, ihre CO2-Ausstöße zu verringern. Doch neben Elektro* und Hybrid gibt es freilich noch andere Nischen, um beim Kunden zu punkten - und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Fiat verwendet in der „Launch Edition“ seines runderneuerten Kleinwagens 500 für die Sitze kein echtes Leder mehr. Wählt der Kunde Stoffbezug, besteht das Garn aus wiederaufbereitetem Plastikmüll. Die Faser nennt sich Seaqual und soll durch Recycling von teilweise aus dem Meer gesammelten Kunststoff hergestellt werden. Gut fürs Image, speziell für einen Hersteller wie FCA (Fiat Chrysler Automobiles), der das Thema Elektromobilität lange Zeit stark vernachlässigt hat. 

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Verbrauch trotz Mildhybrid über 5 Liter

Und so trägt der „Meeres-Cinquecento“ seine Gene gerne auch nach außen. Schließlich enthält er – so Fiat – „einen Ozean von Neuigkeiten“. Auf der B-Säule befindet sich ein Launch-Edition-Logo. Und auch die neue Lackierung „Tau Grün“ soll eine Ode an die Umwelt sein. Im Inneren ist das Armaturenbrett in Tau Grün Matt gehalten. Und nicht zuletzt prangert hinten am Heck der kultigen Knutschkugel das Wort „Hybrid“. Das jedoch ist durchaus etwas dick aufgetragen. Der 500 Launch Edition kann keineswegs rein elektrisch fahren. Es ist kein Plug-in-Hybrid. Zum Einsatz kommt ein Mildhybrid-System. Im Zentrum steht der Elektromotor BSG (Belt Starter Generator), der dem Dreizylinder-Saugbenziner beim Spritsparen helfen soll. Bei der Wiederanfahrt aus dem Stopp-and-Go oder beim Beschleunigen unterstützt er den 70-PS-Verbrenner mit bis zu 3,6 kW (knapp 5 PS). Die dazu benötigte Energie erhält die Lithium-Batterie beim Bremsen und aus Rollphasen mit eingelegtem Gang. Sie fasst 11 Amperestunden Energie und befindet sich unter dem Fahrersitz. In der Stadt wird der Motor beim Ausrollen – etwa vor einer Ampel – schon ab 30 km/h abgeschaltet. Das erfolgt völlig unbemerkt für den Fahrer. Da das MHEV-Modell eine Handschaltung hat, muss der Fahrer dazu den Leerlauf einlegen. Damit er das tut, erscheint ein entsprechendes Symbol im Instrumentenfeld. Während dieses sogenannten „Segelns“ übernimmt die Lithium-Ionen-Batterie die Versorgung der elektrischen Verbraucher. Insgesamt funktioniert das Mildhybrid-System sehr gut, wenngleich der Effekt beim Spritsparen kaum ins Gewicht fällt. In unserem Test verbrauchte der Einliter-Benziner (Euro 6 Abgasnorm) im Schnitt 5,1 Liter auf 100 Kilometer. Kein Spitzenwert für ein Ein-Tonnen-Leichtgewicht. 

Wendig, vergleichsweise stabil in Kurven, gute Rundumsicht

Der Fiat 500 kommt ohne verschiedene Extras, wie Keyless Go oder Automatik-Schaltung, daher.

Fahrerisch darf man freilich keine sportlichen Attribute erwarten. Der Motor ist zwar akustisch recht gut gedämmt, kann sein typisches Dreizylinder-Grummeln und -Blubbern aber nicht vermeiden. Beim Anfahren geht es etwas behäbig zu, der Benziner muss auf Drehzahlen gehalten werden. Insgesamt schwimmt er aber auf den Straßen gut mit, auch auf der Autobahn überquert er – mit gewisser Anlaufzeit – dann doch recht mühelos die 140-km/h-Marke. Schneller möchte man auch nicht wirklich mit dem 3,5-Meter-Winzling fahren, dessen Lenkung bei höherer Geschwindigkeit durchaus etwas nervös wirkt. Der Wagen hoppelt stets ein wenig, aber er hoppelt recht weich und vergleichsweise komfortabel über Unebenheiten hinweg. Die Autobahn ist freilich nicht sein Revier, der 500er ist in der Stadt zu Hause, dort hat er weiterhin seine Stärken. Nicht nur bei der Parkplatzsuche, auch in der Wendigkeit. Wer mag, kann die Lenkung mit der gewohnten City-Funktion derart leichtgängig einstellen, dass es sich fast mit zwei Fingern spielend leicht um Ecken kutschieren lässt. In Kurven liegt der Cinquecento auch erstaunlich stabil und neigt sich wenig zur Seite. Sehr gut ist die Rundumsicht.

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Der Innenraum: Kompakt und schick

Die Sitze des Fiat 500 sind in der „Launch Edition“ aus wiederaufbereitetem Plastikmüll.

Der Innenraum wirkt gewohnt schick. Es kommen satinierte Chromdetails, ein Lederlenkrad und -Schaltknauf zur Anwendung. Das TFT-Display sieht sportlich aus, fast wie im Rennsport, und zeigt auch den Batterieladestand an. Das Einsteigen ist in den Fond ist freilich nicht ganz einfach. Ohne hintere Türen geht es beengt zu. Besser sieht es in diesem Punkt beim Schwester-Modell Fiat 500 3+1 aus, das eine zweite Seitentür auf der Beifahrerseite enthält. Auch die Platzverhältnisse im Fond sind sehr begrenzt – sowohl im Knie- als auch Kopfbereich. Das recht kleine Heckfenster untermauert das enge Gefühl. Der Platz reicht bestenfalls aus für Kinder. Der Kofferraum ist ebenso gewohnt klein. Auf den beiden weichen Frontsitzen sitzt es sich durchaus bequem, allerdings ist die Sitzposition speziell für Personen mit längerem Oberkörper zu hoch. Der Raum bis zur Windschutzscheibe ist recht weit, daher entsteht vorne kein Engegefühl. Leider sind die Sicherheitsgurte recht weit hinten angebracht, weshalb man sich beim Griff nach hinten stets etwas verdrehen muss. 

Der Tacho des Fiat 500 hat einen sehr sportlichen Look.

Insgesamt gibt es den Fiat 500 Mildhybrid in sechs Austattungs-Varianten ab 13.637 Euro. Die Launch Edition beginnt bei 17.634 Euro.

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Das Fazit: Klassische Geschmackssache

Fazit: Der Fiat 500 bleibt auch 13 Jahre nach seinem Markstart ein süßes Kult-Auto speziell für (junge) Frauen. Mitunter würden dem Dreizylinder-Benziner etwas mehr Pferdestärken gut tun. Wer sich daran gewöhnt und auf fehlende Extras wie Keyless-Go oder Automatik-Schaltung verzichten kann, wird mit dem Cinquecento weiter seine Freude haben. (joi) *rosenheim24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

0-100 km/h13,8 Sekunden
Spitzengeschwindigkeit167 km/h
Kraftstoffverbrauch5,1 l/100 km (Super) Testverbrauch
CO2-Emission 93 g/km
MaßeLänge/Breite/Höhe 3571/1627/1448 mm, Kofferraum 182 Liter
GewichteLeergewicht 1055 kg, Zuladung 305 kg
Preis 17.634 Euro

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Plug-in-Hybride: Saubere Sache oder Dreck am Stecker?

System von Bosch
Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Bei einem System von Bosch lassen sich Ladestationen hinterlegen, die etwa an Restaurants gelegen sind oder wo es kostenloses Internet gibt. Foto: Ralf Grömminger/Bosch/dpa-tmn © Ralf Grömminger
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Feldversuch: Dieser Jeep schaltet automatisch auf E-Betrieb um, sobald er eine gewisse Zone in der Stadt erreicht hat. Foto: FCA Group/dpa-tmn © FCA Group
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Digitale Rabattmarken: Bei einer App von BMW lassen sich pro elektrisch zurückgelegtem Kilometer Punkte sammeln. Foto: BMW AG/dpa-tmn © BMW AG
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Grenzerfahrung: Hier erkennt ein Jeep automatisch einen bestimmte Innenstadtbereich und schaltet auf reinen E-Betrieb um. Foto: FCA Group/dpa-tmn © FCA Group
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Zonenmanagement: Mit Hilfe von Geodaten schaltet der Zero Emission Zone Manager von ZF automatisch in den reinen Elektromodus, sobald das Auto etwa eine Umweltzone oder ein Gebiet mit Null-Emissions-Gebot erreicht. Foto: Christoph Schmidt/ZF Friedrichshafen/dpa-tmn © Christoph Schmidt
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Kraft der zwei Herzen: Der Akku, der in Plug-in-Hybriden den Elektromotor antreibt, lässt sich auch an der Steckdose laden. Ein Verbrennungsmotor ist aber auch noch an Bord. Foto: Mercedes-Benz AG/dpa-tmn © Mercedes-Benz AG
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Auto am Stecker: Plug-in-Hybride wie diese Mercedes S-Klasse können eine gewisse Wegstrecke auch rein elektrisch zurücklegen. Foto: Mercedes-Benz AG/dpa-tmn © Mercedes-Benz AG

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