"Dooring"-Unfälle

Geöffnete Autotüren: So sind Unfälle mit Radfahrern vermeidbar

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Unfälle, bei denen Radfahrer mit Autotüren kollidieren, passieren statistisch gesehen zum Glück selten, enden aber dann meist mit verheerenden Folgen.  

Wieder krachte ein Radler in eine Autotür und starb. Unweigerlich kommt die Frage auf, wie sich so etwas verhindern lässt. Was sollten Rad- und Autofahrer tun? 

In der vergangenen Woche sorgte erneut ein tödlicher Unfall eines Radfahrers für Aufsehen, den man mit mehr Aufmerksamkeit leicht hätte verhindern können. Bei dem Unfall im Berliner Stadtteil Neukölln war ein 55-jähriger Radfahrer ungebremst und ohne Helm gegen die plötzlich geöffnete Fahrertür eines abgestellten Autos geprallt und kurz darauf verstorben. Laut Polizeiangaben war das Fahrzeug im absoluten Halteverbot abgestellt.

Der Fall löste nicht nur Diskussionen über die Helmpflicht für Fahrradfahrer, sondern auch über Sinn und Zweck der sogenannten diplomatischen Immunität aus. Der Autofahrer, der die Tür so abrupt geöffnet hatte, ist nämlich ein 50-jähriger saudischer Diplomat, den nun weder Polizei noch Staatsanwaltschaft belangen können. 

Diese sogenannten "Dooring"-Unfälle (von Englisch "door" für Tür) ereignen sich laut Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) relativ selten, enden dann aber meist mit gravierenden Verletzungen oder sogar tödlich. Während die Autotür bei nur sieben Prozent der Unfälle zwischen Pkw und Radfahrer eine Rolle spielt, endet jeder fünfte dieser Unfälle mit schweren Verletzungen, meistens am Kopf oder an den Beinen (40 Prozent). Dabei ist diese Art von Unfall eigentlich vermeidbar. Wie, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der UDV.  

"Dooring"-Unfälle: Wie können Sie vermieden werden?

1. Rolle der Autofahrer: Vor dem Aussteigen sollten Autofahrer nicht nur in den Außenspiegel, sondern unbedingt auch über die linke Schulter nach hinten schauen. Öffnet man die Fahrertür konsequent mit der rechten Hand, wandert der Blick durch das Drehen des Oberkörpers automatisch nach hinten auf die Fahrbahn. Dieser Griff ist auch als "Dutch Reach" bekannt.  

2. Rolle der Radfahrer: Auch Radfahrer sollten stets aufmerksam sein und idealerweise einen Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter zur parkenden Fahrzeugreihe halten und auf Signale achten, die das Öffnen der Fahrertür wahrscheinlich erscheinen lassen. Beispielsweise ein aussteigender Beifahrer. 

3. Technische Hilfsmittel: Auch technische Lösungen können helfen, diese Tür-Unfälle zu verhindern. Diese können nicht nur den aussteigenden Autofahrer warnen, sondern auch verhindern, dass die Türen kurz vor und während des Vorbeifahrens eines Radfahrers geöffnet werden. "Nach unseren Berechnungen würden die Türen nur sehr kurz blockiert werden. Das wäre Autofahrern angesichts des Sicherheitsgewinns für Radfahrer durchaus zuzumuten", meint Brockmann.

3. Infrastrukturplanungen: "Parkende Fahrzeuge stellen grundsätzlich ein Risiko für Radfahrer dar. Das muss bei allen Infrastrukturplanungen berücksichtigt werden", so Brockmann weiter. Deshalb dürften bei der Anlage von Fahrradstraßen grundsätzlich keine parkenden Autos zugelassen werden. Zudem sollten neben auf der Fahrbahn befindlichen Radfahr- oder Schutzstreifen keine Parkflächen ausgewiesen und wo diese schon vorhanden seien, ein mindestens 50 Zentimeter breiter Sicherheitsstreifen markiert werden.      

Deutliches Plus an Sicherheit: Diese Regeln sollten Radfahrer unbedingt einhalten

Auch wenn sich Unfälle wie jener in Berlin nie gänzlich vermeiden lassen, ein geeignetes Verhalten im Straßenverkehr reduziert das Risiko deutlich. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat die "goldenen Regeln zur Verkehrssicherheit" zusammengestellt:

  • Das A und O heißt Rücksicht auf andere nehmen und vorsichtig fahren: Eigentlich ist das selbstverständlich, doch nicht alle Verkehrsteilnehmer handeln auch so. Wer Rücksicht nimmt, kann auch eher Fehler anderer Verkehrsteilnehmer mit einberechnen. 
  • Nach außen selbstbewusst, innerlich aber eher defensiv fahren: Das bedeutet auch, sich zwar seinen Platz im Straßenverkehr zu nehmen, sich aber nicht blind auf Paragrafen zu verlassen.   
  • Handzeichen geben und vorausschauend fahren: Plötzliche und unangekündigte Richtungswechsel erhöhen das Risiko, von Fahrzeugen erfasst zu werden. Deshalb sollten Fahrradfahrer immer eindeutige Handzeichen geben und sich berechenbar verhalten. 
  • Den Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern suchen: Anstatt stur auf sein Recht zu beharren, sollte eine Situation lieber nochmal überprüft werden. Im Zweifel lieber die Geschwindigkeit reduzieren oder anhalten.
  • Genügend Abstand halten und Sicherheitszonen schaffen.
  • Erhöhte Aufmerksamkeit bei abbiegenden Autos und Lkws an den Tag legen: Vor allem das Rechtsabbiegen ist wegen des toten Winkels ein großes Problem. Denn häufig werden Radfahrer von abbiegenden Lkws übersehen. Daher rät der ADFC: "Große Räder bedeuten großen Abstand - zur Fahrerkabine, zu den Vorderrädern und dem Ausschwenken des Lkw." Außerdem sollte zwischen Rad und Bürgersteig mindestens ein Meter Abstand liegen.   
  • Nicht als Geisterfahrer unterwegs sein: Die richtige Fahrbahnseite zu nutzen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch auch hier verhalten sich noch zu viele Verkehrsteilnehmer falsch und gefährden sich und andere.  

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mop

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