Der Löwe fletscht die Zähne

Künftig nur mehr leicht gefletschte Zähne: Peugeot setzt zu 200jährigen Firmenjubiläum auf atheltische Eleganz.

„Gut gebrüllt, Löwe“ möchte man dem Wappentier von Peugeot zurufen beim Anblick der dreisitzigen Roadster-Studie SR1.

Aber: Der Löwe brüllt jetzt nicht mehr mit weit aufgerissenem Raubtierschlund in Form des markentypischen Kühlergrills. Dieser ähnelt künftig eher der leicht gefletschten Zahnreihe einer geschmeidigen Raubkatze. Pünktlich zum 200jährigen Jubiläum setzt Peugeot mehr auf athletische Eleganz als aufbrachiale Kraft. Passend dazu stehen bis 2012 insgesamt 14 neue Modelle auf dem Programm sowie eine neue Mobilitätsstrategie mit Elektro-Autos und Hybrid- Rollern.

Für den Stadtvekehr von morgen: Kleiner vollelektrischer BB1 mit vier Sitzen auf 2,5 m Länge

Jean-Pierre Ploué ist ein smarter und offener Typ. Der Design-Chef der P.S.A.- Gruppe, also zuständig für Peugeot und Citroën, ist stolz auf den SR1: „Er ist der Inbegriff unseres neuen Designs. Bei der Konzeption des Roadsters haben wir die historischen Charakteristika unserer Marke neu definiert: Präsenz, Harmonie, raubtierartige Geschmeidigkeit und Dynamik.“ Herausgekommen ist ein athletischer Stil: Fein, leicht und dennoch kraftvoll. Erkennbare Ähnlichkeiten zum Aston Martin V8 Vantage Roadster versucht Ploué gar nicht erst zu leugnen, sondern bezeichnet den Briten offen als sein Lieblingsauto. Der neuen Designsprache von Peugeot tun solche Einflüsse durchaus gut: Sinnlich konturierte Oberflächen, die sich an der Mechanik förmlich anschmiegen, betont breite Motorhaube mit zierlichen Scheinwerfern, scharf gezeichnete Heckleuchten. Unter seiner aufregenden Hülle hält der SR1 technisch, was die neue Designsprache von Peugeot äußerlich verspricht: Hybridantrieb („HYbrid4“-Technologie, serienreif ab 2011) mit insgesamt 313 PS bei nur 4,9 Liter Verbrauch. Ein 218 PS starker Turbo-Benziner treibt die Vorderachse an, 70 kW (entspricht 95 PS) liefert ein Elektromotor an die Hinterachse. Der SR1 treibt nicht nur alle vier Räder an, sondern verfügt auch über Vierradlenkung.

Das Cockpit ist deutlich zum Fahrer orientiert. Schräg hinter ihm sitzt ein dritter Passagier, der dank verschiebbarer Mittelkonsole leicht unter dem abnehmbaren Hardtop Platz nehmen kann. Wie beim SR1 möchte Peugeot mit seinen bevorstehenden Serienautos Emotion und Sinnlichkeit, aber auch Umweltbewusstsein verkörpern. Auf dem Plan stehen 2010 das Elektroauto iOn und der strombetriebene Roller e-Vivacity, ab 2011 Diesel-Hybrid beim kompakten Crossover 3008 und Mikrohybrid bei allen Dieselmodellen, ab 2012 Plugin-Diesel- Hybrid. Für den Stadtverkehr von morgen arbeiten die Franzosen an einer käuflichen Version des BB1, der 2009 als Studie auf der IAA Aufsehen erregt hat: 2,5 m lang, vier Sitze, 100 Prozent elektrisch. Mit neuartigen Mobilitätskonzepten will Peugeot in den nächsten Jahren ebenso auftrumpfen wie mit besonders umweltfreundlichen Serienautos. So soll der weltweit populärste französische Hersteller bis 2015 im Automarken-Ranking von Platz 10 auf 7 aufsteigen. Ehrgeizige Ziele, für die ab 2010, dem Jahr des 200jährigen Firmenjubiläums, ein neu gestaltetes Logo steht – erstmals zu sehen im Frühjahr 2010 auf dem neuen Sport-Coupé RCZ. Trotz dezenterem Designauftritt: Der Löwe hat das Brüllen nicht verlernt.

Ralf Schütze

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