Wie der Start in die Motorrad-Saison gelingt

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Freiheit auf zwei Rädern: So gelingt der Start in die Motorrad-Saison.

München - Die Frühlingssonne schmilzt den letzten Schnee von den Straßen, und den Motorradfahrern wird es warm ums Herz: Endlich können sie sich wieder auf ihre Maschinen setzen – der Freiheit entgegen. So gelingt der Saison-Start.

Der Schnee ist weg, die Sonne da und die Saisonkennzeichen an vielen Motorrädern reaktivieren sich nun automatisch. Endlich kann man das geliebte Zweirad aus der Garage befreien und in die neue Saison starten. Doch vor der ersten Runde sollten sich Mensch und Maschine eine auffrischende Frühlingskur unterziehen.

Funktionen prüfen

Bevor man zum ersten Ausritt startet, muss der fahrbare Untersatz gründlich auf seine Einsatzbereitschaft geprüft werden. Leuchten nach dem Drehen des Zündschlüssels verdächtige Warnlampen in den Armaturen auf? Blinken alle Blinker, leuchten alle Lampen – oder haben etwa vorwitzige Marder irgendwelche Kabel durchgenagt? Sollte nach betätigen des Startknopfes nur hilflos der Anlasser winseln, ohne den Motor starten zu können, haben eventuell durch die lange Standzeit Treibstoffreste die Vergaser-Düsen verstopft. Dann helfen nur ein Anruf beim ADAC oder ein Termin bei der Werkstatt.

Richtig warmfahren

Erwacht der Motor plangemäß zum Leben, sollte man auch bei noch so großer Lust auf kräftiges Drehen am Gasgriff nicht sofort Vollgas geben. Nach Monaten des Standes gilt noch mehr als sonst, den Kolben ein schonendes Warmfahr-Jogging zu gönnen. Den Motor im Stand einfach laufen zu lassen ist entgegen der landläufigen Meinung nicht sehr günstig. Dabei können sich Ablagerungen bilden. Besser ist es, das Motorrad schonend einzufahren, indem man das Triebwerk die erste Viertelstunde nicht höher als ein Drittel der möglichen Drehzahl drehen lässt. Erst dann sollte der Zweirad-Pilot im Frühlingsrausch kräftiger den rechten Griff drehen.

Erstes Bremsen

Auf den ersten Metern Fahrt ist sorgfältig zu testen, ob sich die Bremsbeläge mit der gewohnten Vehemenz in die Scheiben verbeißen. Denn stand das Motorrad nicht trocken, ist es wahrscheinlich – und normal – dass die Scheiben eine dicke Schicht Flugrost angesetzt haben. Das ist an sich nicht bedenklich, allerdings muss man die Bremsen mit behutsamem Zupacken am Bremsgriff vorsichtig freifahren, bevor sie wieder ihre gewohnte Wirkung entfalten. Denn der zusätzliche Belag erhöht die Wirkung der Stopper kurzfristig. Wer da unbedarft in die Eisen greift, liegt schnell auf der Nase. Auch dem Stand und dem Alter der Bremsflüssigkeit sollte man Aufmerksamkeit widmen und die Leitungen auf Dichtigkeit und verdächtige Risse überprüfen. Die Antriebskette ist auf korrekten Zug zu prüfen und bei Bedarf gründlich zu schmieren.

Inspektion

Wer sein Motorrad im Oktober aus Schlechtwetterfrust einfach lieblos in die Ecke gestellt hat, muss jetzt nachsehen, ob Wartungsarbeiten anstehen, wie Ölwechsel, Inspektion oder Reifenwechsel. Viele Motorradhändler haben in diesem Bereich zum Saisonstart besondere Angebote, ein Blick in die Kleinanzeigen kann sich lohnen. Allerdings muss man sich frühlingsbedingt auf längere Wartezeiten einstellen.

Reifendruck prüfen

 Vor der ersten Kurvenjagd ist unbedingt ein Stopp an der nächsten Tankstelle einzulegen: Es gilt den Reifendruck zu prüfen. Während ein paar Monaten Standzeit kann der sich stark gesenkt haben – ohne dass man den Pneus das von außen anmerkt. Und zu wenig Reifendruck destabilisiert das Fahrverhalten des Motorrades gefährlich. Wenn der Biker erst in einer engen Kurve merkt, dass die Reifen wegen zu wenig Druck das Fahrzeug nicht in der Spur halten können, ist es meistens zu spät. Den korrekten Reifendruck für seine Maschine erfährt man in der Bedienungsanleitung oder beim Fachhändler.

Ausrüstung pflegen

Nicht nur das Motorrad, auch der im Falle eines Unfalles überlebenswichtigen Ausrüstung schadet ein gründlicher Frühjahrsputz nicht: Lederkombi und -Handschuhe sind gut einzufetten, so bleibt das Material reißfest und schützt bei einem Sturz. Textiljacken werden optimalerweise jetzt imprägniert, damit beim ersten Regenguss nicht Wassereinbrüche den Ausritt vermiesen. Das Helmvisier ist für optimalen Durchblick von allen in der letzten Saison „erlegten“ Fliegen zu befreien.

Riskantes Helmalter

Überhaupt sollte man dem Helm einen gründlicheren Blick widmen. Handelt es sich um einen günstigen Polycarbonat-Helm, darf er beim Start in die Saison nicht älter als drei Jahre sein. Die schützende Kunststoffschale härtet durch die UV-Strahlung der Sonne aus und wird spröde. Kommt es zu einem Sturz, kann sie keinen echten Schutz mehr gewährleisten. Bei teureren Fiberglas-Helmen dagegen ist die Schale alterungsbeständig. Doch auch sie sollten nach fünf bis sieben Jahren gewechselt werden, da ihr Styropor-Innenleben altert und brüchig wird. Genau dieses Material absorbiert beim Sturz die Aufprallenergie und ist lebenswichtig.

Gerade unerfahrenere Motorradfahrer sollten vor der ersten Tour im Frühjahr erst einmal einen einsamen Parkplatz anfahren und sich bei Brems- und Kurvenmanövern kurz wieder mit dem Verhalten des Fahrzeuges vertraut machen. Das dauert nicht lange und bringt viel. Viele Reflexe sind in den Monaten der zwangsweisen Enthaltsamkeit eingerostet. Danach sollte dem optimal vorbereiteten Start auf zwei Reifen in die Frühlingssonne nichts mehr im Wege stehen.

Von Martin Doffek

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