Nissan Evalia: Große Klappe, wenig Durst

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Der Evalia an der Tankstelle: Dort muss er aber nur selten vorbei – zur großen Freude von Vater Bieber und seinen Kindern

Hier sehen Sie zwei ziemlich aufgekratzte Kinder und einen zufriedenen Vater. Die Kinder, weil sie kurz zuvor den lange verschollenen Eisbären mit Schwung in den Kofferraum geschmissen haben. Ist ja genug Platz da.

Der Vater, weil er nach 750 Kilometern das erste Mal den Dieseltank füllt und feststellt, dass er auf dem Hinweg tatsächlich nur rund sechseinhalb Liter auf 100 Kilometer verbraucht hat – obwohl er auf der Autobahn nicht getritschelt hat. Große Klappe, wenig Durst.

Nissan Evalia NV 200

1,5 Liter Turbodiesel

Leistung: 66 kW/90 PS bei 4000 U/min Max. Drehmoment: 200 Nm bei 1750 U/min
Verbrauch (kombiniert, im Test): 6,5 l/100 km CO2-Emissionen: 138 g/km
Spitze: 158 km/h Leergewicht/Zuladung: 1443 kg/587 kg

Preis: ab 21.270 Euro

Wobei Tritscheln natürlich relativ ist: Der Nissan Evalia NV 200 hat bei 160 km/h sozusagen eine automatische Geschwindigkeits-Abregelung. Da können Sie auch bergab brausen und aufs Gas treten: Ende Gelände. Dafür aber kann man auch eine etwas stärkere Steigung, die man mit 140 km/h von unten anpirscht, mit 140 km/h und sogar etwas mehr erklimmen. Was manchen Benziner gar nicht freut.

Sein "großer Bauch" bietet reichlich Platz – für Mitreisende und jede Menge Stofftiere

Der Japaner beschreibt sich am besten als freundlich. Er bietet keine Höhenflüge, macht aber auch keine Zicken. Er ist einfach nur solide. Wir wollen ihn Herr Sato nennen. Das entspricht bei uns der Häufigkeit eines Herrn Müller, Maier, Schulz oder Schmidt. Nicht spektakulär, aber handfest. Herr Sato verfügt über bescheidene 90 PS, aber dafür hat er’s ganz schön in sich. Über die Standfestigkeit am Berg haben wir schon gesprochen, und auch wenn Herr Sato kein Leisetreter ist und sensibel auf Windböen reagiert: alles im Rahmen. Die Schaltung ist geschmeidig, die Beschleunigung auch vom Vierten in den Fünften überraschend bissfest. Aber das Wichtigste: Herr Sato besitzt einen großen Bauch, den man ihm von außen gar nicht so ansieht. Er ist nämlich nur 4,40 Meter lang, 1,70 Meter breit – aber 1,85 Meter hoch. Wer die hinteren drei Sitzreihen nicht braucht – also einen Fünfsitzer benötigt –, verfügt über einen Kofferraum von 2,3 Kubikmeter. Beim Siebensitzer bleibt nur noch knapp ein Kubikmeter. Wer die hintere Sitzreihe nicht ausbaut, sondern nur hochklappt, kommt auf ansehnliche 2,1 Kubikmeter.

Die Zielgruppe ist klar: Junge Familien, die keinen Goldesel zu Hause haben, aber auf Platz nicht verzichten und auch beim Tanken nicht unnötig in die Tasche greifen wollen. Praktisch für den Fahrer, lustig für die Kinder: Eine Rückfahr-Kamera sorgt für zielgenaues Einparken auf dem Navi-Bildschirm. Die Kinder können fernschauen, wir ohne Probleme auch enge Parklücken punktgenau besiegen.

Unpraktisch hingegen ist Herr Sato auch gerne mal. So sucht man den Hebel zum Öffnen des Tankes auch noch beim zweiten Mal. Eine Beifahrerin wird den Spiegel beim Sonnenschutz vermissen. Die Türfächer sind so eng, dass man nur schmalste Utensilien verstauen kann. Und: Die Beinfreiheit auf den Rücksitzen ist nicht gerade üppig, wenn auch erträglich.

Der Einstiegspreis beträgt unter 20.000 Euro. Herr Sato mag also nicht gerade eine Sexbombe sein und auch kein Luxus-Boy, aber Schönheit ist sowieso vergänglich. Sagt man. Was bleibt, ist das Bedürfnis des Menschen nach Raum. Und sei es nur, um auch noch das allerletzte Kuscheltier in den Kofferraum zu schmeißen.

Matthias Bieber

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