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Nissan Leaf im Praxistest

Alles für die Reichweite…

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Bitte warten: Unserem Tester Oliver Menner ist es nicht gelungen, im Raum München eine Schnell-Ladetankstelle aufzutreiben. Bei ziemlich leerem Akku heißt es daher, acht bis mehr Stunden Wartezeit einplanen.

Klar bin ich schon mal „elektrisch“ gefahren, eine Stunde Stadtrundfahrt. Mit der Sicherheit einer nahen Ladestation der vorführenden Automarke am Ziel.

Diesmal also der wahre Praxistest: Alltagsbetrieb als Pendler. Stadt und Autobahn. Ohne Netz und doppelten Boden. Und ich merke schnell: ganz was anderes…

Von außen wirkt der Nissan Leaf wie ein Batman-Mobil aus Hollywood, ist aber doch ein richtiges Auto. Ist lang (4,45 Meter), hat Platz (für fünf), bietet Kofferraum (330 Liter, umgeklappt: 680 – nur 68 Kilo Zuladung). Dazu sechs Airbags, Navi mit Touchscreen, Rückfahrkamera, ESP, ABS und Bremsassi, LED-Scheinwerfer… Keine dieser rollenden Gemüsekisten mit Klappdeckel, die „Elektro-Handicap“ schon von Weitem signalisieren.

Raumwunder: Der Leaf ist ergonomisch gut durchdacht und futuristisch designt.

Eine neue Zeit: drinnen spaciges, hell-beiges Interieur, elegant und komfortabel. Das kleine Ufo auf der Mittelkonsole entpuppt sich als meine Automatik. Rein und los: stilles Schweben, nur die Abrollgeräusche und ein dezentes Summen beim flotten Beschleunigen im Normalmodus „Drive“. Der E-Motor mit 80 kW (109 PS, 280 Nm) bringt mich rasch (etwas über 11 Sekunden) auf 100, bietet 145 km/h Spitze. Lenkung und Federung souverän. Echt angenehmes Fahren.

Das energetische Herz: Bis zu acht Stunden muss die Leaf-Batterie aufgeladen werden.

Tiefschlag in meine automobile Magengrube: Die Reichweiten-Kilometer im Display tackern nur so runter. So fühlt sich ein angezählter Boxer. Ich geh auf Elektro-Schleichfahrt, in den sparsamen – aber echt tranigen – „Eco-Modus“. Das Display belohnt mich mit kleinen Öko-Bäumchen. Ab jetzt alles für die Reichweite: Die Klimaanlage bleibt aus. Radio auch. Rekuperieren wird mein neues Zauberwort: Ich freue mich wie Weihnachten, wenn’s bergab geht oder ich bremsen muss. So gewinne ich Energie zurück und Strecke dazu. Ich streichel das Pedal wie einen Baby-Popo, reihe mich auf meinem kurzen Autobahnstück freiwillig bei den Lkw ein…

Autowelt verkehrt: Der Stau wird mein Freund, suggeriert mir märchenhafte Restweiten. Im zähen Verkehr blühe ich auf, wage mich sogar mal auf die Mittelspur. Auf freier Strecke ohne Tempolimit halt ich mich wie ein Goldfisch im Haifisch-Bassin unauffällig am Rand.

Am vierten Tag hab ich den Bogen raus. Mit einer einzigen „Füllung“ trau ich mich heim und wieder zur Arbeit, passiere die Stadtgrenze mit um die 40 Kilometern Reserve. Pendlertest knapp bestanden. Jetzt aber nix wie ran an die Dose!

Abenteuer Tanken: Mit meiner neuen Stromanbieter-Karte will ich Zugiff aufs Münchner E-Tankstellennetz, das laut LEMnet (www.lemnet.org/) etwa 40 Stromzapfen bietet. Leider haben die Stadtwerke aber keine Schnell-Ladetanke (80 Prozent in etwa einer Stunde). Auch Eon nicht. Auch RWE nicht. Erst recht kein kleinerer Anbieter. Umwelt- und Wirtschaftsministerium können mir auch keine nennen. Der Bundesverband eMobilität ist so spontan auch überfragt. Insider munkeln: Siemens hätt’ mal eine geplant. In der Tat: Wer am Hightech-Standort München ’ne schnelle Ladung braucht, wird ausgebremst …

Fazit

Im reinen Stadtbetrieb (bei guter Strom-Tankstellendichte oder Lademöglichkeit über Nacht daheim) kann Leaf & Co. eine Alternative sein. E-Pendeln geht sogar auch, ist aber wirklich nichts für ängstliche Gemüter (oder Eilige). Der Leaf-Akku fasst 24 kWh und bringt angeblich maximal 175 Kilometer Strecke. Ich bin täglich etwas über 100 (echte) Kilometer gefahren. Und auch wenn ich nicht liegen geblieben bin – der Taschenrechner im Kopf fährt immer mit. Apropos: Den Nissan Leaf gibt es für 36.900 Euro. Die Batterie ist übrigens drin in diesem stolzen Preis. Andere Hersteller bieten sie nur auf Leasing-Basis an. Alles in allem: ein teurer Nerven-Krimi.

Oliver Menner

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