VW Dieselskandal und die Folgen

Drohende Fahrverbote bei Euro 5-Dieseln: So können Sie nachrüsten

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Um den Ausstoß von Stickstoffoxiden bei Dieselfahrzeugen zu reduzieren, existieren verschiedene Nachrüstmöglichkeiten. 

Drohende Fahrverbote für Euro-5-Diesel und daraus resultierende Wertverluste: Welche technischen Nachrüstmöglichkeiten gibt es? Und was plant die Politik?

Auf der VW-Hauptversammlung diese Woche bekräftigte der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch noch einmal, dass es keinen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day zum sogenannten "Dieselgate" Abgasskandal geben werde. Eigentlich hatte VW die US-Anwaltskanzlei damit beauftragt, die Affäre um die manipulierten Dieselmotoren aufzuklären.  

Die VW-Aktionäre kritisierten diese Entscheidung deutlich. Außerdem wurde rund um die Hauptversammlung bekannt, dass Staatsanwälte gegen Pötsch und auch VW-Chef Müller ermitteln werden.  

Viel wichtiger als dieses juristische Nachspiel für die VW-Manager sind jedoch die Folgen des Dieselskandals für Besitzer betroffener Fahrzeuge. Sie verspüren angesichts der möglichen Einführung der blauen Plakette und drohender bzw. bereits beschlossener Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in mehreren deutschen Städten eine zunehmende Verunsicherung. Es stellt sich also die Frage, ob sich nicht eine Nachrüstung älterer Euro-5 Diesel lohnt, um dadurch den Ausstoß der Stickoxide zu senken und mögliche Fahrverbote zu umgehen.  

Nachrüsten von Euro 5-Dieseln: Mit Hard- oder Software möglich

Die blaue Plakette würde nur für Diesel gelten, welche die Norm Euro 6 erfüllen. Da ein relativ großer Teil der in Deutschland zugelassenen Diesel (etwa 40 Prozent) aber nur über Euro 5 verfügt, wäre diesen Autobesitzern die Fahrt in die Innenstädte versperrt.

Um das zu vermeiden, lassen sich Dieselautos mit Euro-5-Norm grundsätzlich auf zwei Arten sauberer machen. Zum einen mit Hilfe von Hardware, indem ein sogenannter SCR-Kat (Selektive katalytische Reduktion) nachgerüstet wird. Zum anderen durch ein Software-Update.

Deutlich weniger Schadstoffausstoß

Die Hardware-Variante hat Twintec Baumot, ein Hersteller von Katalysatoren, schon vor einiger Zeit getestet. Er übertrug das bei Stadtbussen bereits erfolgreich eingesetzte Konzept auf einen mit der Betrugssoftware (EA 189) ausgestatteten VW Passat TDI mit Euro 5 aus dem Jahr 2014. Nach der Umrüstung sank der Wert der im Realbetrieb, nicht auf dem Teststand, ausgestoßenen Stickstoffoxide von etwa 1000 Milligramm pro Kilometer auf unter 80 Milligramm. Weitaus weniger als das bei neueren, bereits mit Euro-6-Norm zugelassenen Dieseln der Fall ist.

Autohersteller sollen laut Angaben der "Auto Bild" trotzdem bisher wenig bis gar kein Interesse an dem System gezeigt haben. Dabei würde sich die etwa 1500 Euro teure Umbaumaßnahme angesichts ab 2018 drohender Fahrverbote und daraus resultierender Wertverluste bei Dieselfahrzeugen durchaus lohnen.  

Schadstoffreduzierung durch Nachrüsten einer Software

Eine weitere Möglichkeit, den Stickstoffausstoß bei älteren Dieselfahrzeugen zu reduzieren, brachte die Hochschule Heilbronn mit "Euro 5+" ins Spiel. Ausgerechnet durch das Nachrüsten einer Software solle die Abgasreinigung optimiert und der Stickstoffausstoß in den Normalbereich gehievt werden. Die in einer Studie präsentierten Zahlen versprachen eine Senkung der Stickstoffoxide von durchschnittlich 900 Milligramm auf 350 Milligramm. Ebenfalls ein deutlich geringerer Wert als bei heutigen Euro-6-Dieseln.    

Trotz des im Vergleich zur Hardware-Lösung deutlich geringeren Preises kritisieren Experten das "Euro 5+"-Konzept. Die genannten Zahlen seien nicht realistisch.

Zwischenlösung: Autobranche und Politik diskutieren Kompromisse

Bei einem Treffen von Autoherstellern und Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg am vergangenen Mittwoch wurde ebenfalls über mögliche Nachrüstoptionen für Euro-5-Diesel diskutiert. Nach dpa-Informationen schlugen die Vertreter der Automobilbranche dabei eine Software-Lösung vor, die sich zwischen Euro 5 und Euro 6 bewegen soll und die keine Verbesserung der Abgaswerte auf Euro 6 bedeuten würde. Außerdem werde es keine brancheneinheitliche Lösung geben, sondern jeweils eine herstellereigene Entwicklung.

Immerhin: Nachdem sich die Autobranche lange quergestellt und eine technische Lösung weitestgehend ausgeschlossen hatte, machte sie nun erste Vorschläge für eine technisch wie wirtschaftlich umsetzbare Lösung für die Nachrüstung von Fahrzeugen mit Euro-5-Norm.

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Von Matthias Opfermann

         

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