Sieben Jahre unschuldig im Gefängnis

Vater kann mit 50.000 Euro Entschädigung rechnen

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Er saß wegen der angeblichen Vergewaltigung seiner Tochter sieben Jahre unschuldig im Gefängnis - jetzt soll ein 62-Jähriger (re.) als Haftentschädigung rund 50.000 Euro bekommen.

Memmingen - Sieben Jahre hat ein 62-Jähriger wegen der angeblichen Vergewaltigung seiner Tochter unschuldig im Gefängnis gesessen. Als Entschädigung kann er mit 50.000 Euro rechnen.

Der Mann aus Sonthofen, der sieben Jahre unschuldig im Gefängnis saß, kann mit einer Haftentschädigung von mindestens 50 000 Euro rechnen. Das Landgericht Memmingen hatte den 62-Jährigen am Dienstag in einem Wiederaufnahmeverfahren vom Vorwurf freigesprochen, seine Tochter dreimal vergewaltigt zu haben. Die inzwischen 33 Jahre alte Tochter hatte ihre Aussage, die 1996 zur Verurteilung des Mannes geführt hatte, widerrufen. Die Vorwürfe gegen ihren Vater hatte die damals 15-Jährige erfunden, weil sie Hassgefühle hatte. Hintergrund war, dass es in der Familie heftige Konflikte zwischen den Eltern gab.


Wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte, ist das neue Urteil inzwischen rechtskräftig. Der Vater könne nun die vom Gericht verfügte Haftentschädigung beantragen. Sie beträgt 25 Euro pro Hafttag. Darüber hinaus kann er noch Vermögensschäden wie Verdienstausfall geltend machen; davon können Kost und Logis abgezogen werden. Der Antrag muss bei der Staatsanwaltschaft in Kempten gestellt werden. Über die Höhe der Entschädigung entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft in München.

Unschuldig im Gefängnis: Freispruch nach Jahren

Dezember 2003: Das Bayerische Oberste Landesgericht spricht einen 56-Jährigen von dem Vorwurf frei, er habe die 16-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin vergewaltigt. Er hatte 16 Monate unschuldig in Untersuchungshaft gesessen. Mit Hilfe eines medizinischen Gutachtens konnte der Mann jedoch seine Unschuld beweisen. © picture alliance / dpa
Mai 2009: Nach zwei Jahren hinter Gittern wird ein 55-Jähriger in Baden-Württemberg freigesprochen, der für den sexuellen Missbrauch seiner Tochter verurteilt worden war. Die Frau hatte den Vorwurf in einem Wiederaufnahmeverfahren zurückgezogen. Sie hatte den Missbrauch erfunden, weil sie nach der Scheidung der Eltern ihre Wochenenden nicht beim Vater verbringen wollte. © dpa
Januar 2013: Nach dem endgültigen Freispruch für das Justizopfer Harry Wörz stellt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe sämtliche Ermittlungen ein. Wörz saß viereinhalb Jahre unschuldig in Haft. Ihm war vorgeworfen worden, er habe seine Frau 1997 fast erwürgt. 2009 sprach ihn das Landgericht Mannheim in einem Wiederaufnahmeverfahren frei, der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 2010. © picture-alliance/ dpa
Sommer 2011: In einem Wiederaufnahmeverfahren spricht das Landgericht Kassel einen früheren Lehrer aus Hessen frei. Wegen angeblicher Vergewaltigung einer Kollegin hatte er fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Der Mann stirbt ein Jahr nach dem Freispruch an Herzversagen. In Darmstadt wurde die Frau zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Dezember 2001: Das Landgericht Ansbach setzt einen zu Unrecht als Bankräuber verurteilten Mann auf freien Fuß. Er hatte zwar seine Unschuld beteuert, war aber aufgrund eines Gutachtens verurteilt worden und fünf Jahre in Haft. Der Gutachter glaubte ihn auf Fotos einer Überwachungskamera zu erkennen. Im Sommer 2000 hatte der wirkliche Täter dann den Überfall gestanden. © picture alliance / dpa
September 2010: Das Landgericht Lüneburg in Niedersachsen spricht zwei Männer frei, die wegen der angeblichen Vergewaltigung einer 15-Jährigen jahrelang im Gefängnis gesessen haben. Die vermutlich psychische Kranke hatte ihren Vater und einen Bekannten beschuldigt. Später kamen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers auf, das Verfahren wurde wieder aufgenommen. © picture alliance / dpa

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