Ramsauer: Ab 2018 freie Fahrt auf der A8

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Rosenheim - Zwei Jahre nach Beginn des Planungsdialoges hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Freitag die Ergebnisse vorgestellt. Er fasst sie als "hocheffektiv, mit hohem Maß an Übereinstimmung" zusammen.

"Jetzt sind wir endlich an dem Punkt angelangt, an dem wir die Grundlage für einen - so sagen wir im Planungsdeutsch - Vorentwurf geschaffen haben," sagt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Freitagnachmittag im Rosenheimer Landratsamt. In vergleichsweise kurzer Zeit habe man - nach einem zufriedenstellenden Verhandlungsverlauf - ein sehr gutes Ergebnis erzielen können. "Und zwar im Einvernehmen mit den Gemeinden und einer überschaubaren Kostensteigerung," erklärt er.

Ramsauer im Landratsamt Rosenheim

Die A8 soll sechsspurig werden. Folglich würde sie dann stärker befahren und die Lärmbelastung steigen. Durch den Bau der zusätzlichen Spuren würde zudem die Natur leiden. Das waren von Anfang an die Ängste der Anrainergemeinden. Vor allem aus den Gebieten Rohrdorf, Frasdorf und Bernau erfuhr das Bauministerium empfindliche Kritik. Dem habe man sich nicht entziehen wollen, sagt Peter Ramsauer. Deshalb hatten er und die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) vor zwei Jahren den Planungsdialog ins Leben gerufen. Gemeinden, Bürger, Aktionsbündnisse und Naturschützer sollten hier an einen Tisch gebracht werden - für den größtmöglichen Konsens.

Die Ergebnisse des Dialoges

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"Wir haben festgestellt, dass im Bereich Frasdorf tatsächlich eine Unterführung möglich ist," freute sich der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell. "Das bedeutet eine erhebliche Verbesserung für Anrainer in Sachen Lärmbelästigung. In Achenmühle war von Beginn an eine Galerie in Höhe von 400 Meter verlangt worden. "Hier können wir jetzt sogar noch eine Verbesserung anbieten," sagt Daniela Ludwig. "Im Bereich Rohrdorf wird es eine Lärmschutzwand geben, die 800 Meter lang wird - also doppelt so lang wie ursprünglich gefordert." In Bernau wird über ein erweitertes Tempolimit nachgedacht, um dort der Lärmbelästigung entgegen zu wirken. Allerdings stehe Bernau derzeit eher hinten an, da hier eh schon anderweitig gebaut werde. "Alles gleichzeitig geht eben nicht", sagt Paul Lichtenwald, Präsident der zuständigen Autobahndirektion Südbayern.

Wie geht es jetzt weiter

"Im Frühjahr 2013 wird der Vorentwurf fertig sein und dem Ministerium vorgelegt werden können", vermutet Peter Ramsauer. Die Mitarbeiter dort prüfen den dann auf Herz und Nieren. Das dauere schätzungsweise eineinhalb bis zwei Jahre. Wenn sie alles für gut befinden, setzen sie ihren "grünen Haken" darunter. Dagegen kann dann innerhalb von vier bis sechs Wochen Einspruch erhoben werden. "Ich hoffe aber, dass das bei dem Maß an Übereinstimmung und Berücksichtigung der Bürgeranliegen nicht passieren wird," sagt Peter Ramsauer. "Also sollten wir bis 2015 ein nicht mehr anfechtbares Baurecht haben." Nach Ausschreibungen hofft der Verkehrsminister, dass mit dem Bau dann letztendlich Ende 2015 oder Anfang 2016 begonnen werden kann. "Bei einem Bauvorhaben in dieser Größenordnung ist dann mit etwa zwei Jahren Baubetrieb zu rechnen - dann heißt es also bis spätestens 2018 freie Fahrt für alle."

Die Frage der Finanzierbarkeit

"Zu den Finanzen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts versprechen," so die erste Aussage zum Thema Geld vom Bundesverkehrsminister. "Wie es dann 2015 aussieht, ob da die nötigen Mittel da sind, das weiß ich jetzt noch nicht." Er hoffe es aber. Dann erklärte Peter Ramsauer seinen zur Verfügung stehenden Haushalt: "Damit von Ihrer Seite etwas mehr Verständnis für meine Arbeit da ist."

Eine Milliarde Euro habe er in seinem Verkehrstopf - davon 600 Millionen Euro für Straßen, 300 Millionen Euro für Wasserstraßen und 100 Millionen Euro für Schienen. Von den besagten 600 Millionen Euro werde Peter Ramsauer versuchen, viele der bundesweit 850 geforderten Ortsumfahrungen zu finanzieren. Mit dabei auch die Westtangente im Bereich Rosenheim. Die immerhin laut Daniela Ludwig trotz der hohen Konkurrenz "ganz oben auf der Agenda des Ministeriums" stehe. Die 300 Millionen Euro für Wasserstraßen seien zwar auf den ersten Blick viel. "Aber da bleibt mir nichts anderes übrig, wenn ich nicht will, dass die Schifffahrt große Probleme bekommt. In Brunsbüttel beispielsweise wird eine Schleuse benötigt, die alleine extrem teuer ist", sagt er. Mit den 100 Millionen Euro für Schienen will Peter Ramsauer Bahnhöfe sanieren. "Da schäme ich mich manchmal regelrecht, wenn ich sehe, wie heruntergekommen die teilweise aussehen", sagt er. Rosenheim sei da ja noch ein sehr positives Beispiel.

In Sachen Westtangente äußerte sich noch Daniela Ludwig: "Es ist schade, dass sich dieses Bauvorhaben so lange verzögert hat. Schuld haben hier eindeutig der Bund Naturschutz und die Gerichte, die nicht so schnell gearbeitet haben, wie sie hätten sollen. Denn als die Mittel noch besser waren, durften wir nicht bauen. Jetzt dürfen wir bauen, aber wir können nicht."

Zumindest aber könne man jetzt in Sachen A8 endlich die nächste Stufe erklimmen. Für eine freie Fahrt ab 2018.

ds

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