DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 5

"Ein durchgehendes Tempolimit ist das Allerwichtigste"

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Die Traunsteiner Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (58) stammt aus München, ist verheiratet und hat drei Kinder. Die Biobäuerin und Wirtschaftsfachwirtin ist seit 2013 Mitglied des Landtages.
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Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdL Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Weitere Informationen

Ich bin nicht regelmäßig mit dem Auto unterwegs, weil es auf dieser Strecke auch eine sehr gute Zugverbindung gibt. Beruflich fahre ich immer mit dem Zug. Das ist wesentlich entspannender. Ich kann nebenbei arbeiten und komme pünktlich an. Natürlich habe ich auf der A8 schon einen Stau erlebt. Aber von einem Dauerstau ist die A8 ja weit entfernt. Die Spitzenzeiten sind ja bekannt: Die bayerischen Schulferien und der Wochenendverkehr. Sonst fließt der Verkehr ja relativ gut.

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

Ich bin für den vierspurigen Ausbau. Aber ein durchgehendes Tempolimit ist das Allerwichtigste. Dass das funktioniert, sieht man an vielen anderen Autobahnen. Das beste Beispiel ist die Innsbrucker Autobahn – wenn nicht gerade Blockabfertigung und die unsinnigen Grenzkontrollen stattfinden. Es ist mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass durchgehendes Tempolimit zu fließendem Verkehr führt.

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch?

Für mich gibt es kein Argument für den sechsspurigen Ausbau. Wie eben erläutert, befürworte ich den 4+2-Ausbau. Die Gründe haben Sie in Ihrer Frage ja selbst genannt: Der immense Flächenverbrauch und die damit verbundenen extrem hohen Kosten, die nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen, wie vom Bundesrechnungshof angemahnt.

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurigen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Ja. Die 110 Millionen Euro wären im öffentlichen Personenverkehr, das heißt im Ausbau der Schienen und des Busnetzes, gerade am Land wesentlich besser und für uns alle gewinnbringender angelegt.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Ja, genauso sehe ich es.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Sehr dringend! Es ist das unverantwortlich, dass der sinnvolle Ausbau so lange verschleppt wurde, und es ist mehr als fahrlässig, dass man sich nicht zu einem durchgehenden Tempolimit durchringt. Die aktuelle Studie des österreichischen Verkehrsclubs VCÖ beweist wieder einmal: Bei Autobahnen mit durchgehendem Tempolimit ist die Zahl der tödlichen Unfälle um ein Vielfaches geringer.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Die A8 braucht dringend einen durchgehenden Standstreifen, damit Pannenfahrzeuge den Verkehr nicht behindern. Es ist fahrlässig, dass an den Nadelöhrstellen immer noch kein Standstreifen vorhanden ist. Außerdem braucht es Lärmschutzmaßnahmen: Bepflanzte Lärmschutzwände sind eine Möglichkeit, aber ganz zuvorderst steht auch hier wieder das Tempolimit – denn das bedeutet neben Lärmschutz und entspanntem Fahren auch noch Klimaschutz!

ksl

Quelle: chiemgau24.de

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