DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 3

"Verhältnismäßig - das war und ist für mich der 4+2-spurige Ausbau"

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Dr. Bärbel Kofler (51) stammt aus Freilassing und hat Sprachwissenschaften studiert. Seit 2004 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
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Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdB Dr. Bärbel Kofler (SPD).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.

Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler

Wie stehen Sie dazu, dass der Bundesrechnungshof jüngst angemerkt hat, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort?

Ich bin wirklich sehr froh, dass der Bundesrechnungshof meine Einschätzung teilt und ebenso wie ich schon seit Jahren, nun einen verhältnismäßigen Ausbau der A8 in meinem Wahlkreis Traunstein-Berchtesgadener Land fordert. Verhältnismäßig - das war und ist für mich der 4+2-spurige Ausbau. Ich habe schon immer auf die Verkehrszahlen hingewiesen, die einen Ausbau mit sechs Fahrspuren plus zwei Standstreifen hier in der Region eben nicht rechtfertigen. Mir ist gleichzeitig sehr wichtig, dass die lärmbelasteten Anwohnerinnen und Anwohner endlich einen bestmöglichen Lärmschutz an der Strecke bekommen!

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?

Weitere Informationen

Mein Wahlkreis besteht ja aus den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, daher ist die A8 für mich von großer Bedeutung, gleichermaßen wie die Bahnstrecken Freilassing-Rosenheim-München und Freilassing-Mühldorf. Natürlich sind auch die Bundesstraßen wichtige Verkehrsadern in der Region um Reiseziele sowohl außerhalb, wie auch in meinem Wahlkreis zu erreichen. Selbstverständlich stand ich auf der A8 genauso bereits im Stau wie auf vielen Bundes- oder Staats- oder Gemeindestraßen in ganz Deutschland. Stauauslöser auf der A8 in meinem Wahlkreis war dabei in der Regel aber eine Baustelle oder ein Verkehrsunfall und nur im Sommer zu Ferienbeginn eine Überlastung durch starken Reiseverkehr. Diese persönliche Erfahrung deckt sich im Übrigen mit den Verkehrszahlen auf diesem Streckenabschnitt, die außer an den einzelnen Spitzentagen in den Ferien keine Überlastung der Strecke belegen.

Sie fordern ja seit Jahren einen 4+2-spurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze. Wie sehen Sie die Stauproblematik in der Ferienzeit? Glauben Sie, dass die Staus mit zuschaltbaren Standstreifen oder einem Tempolimit mit 120 oder 130 km/h bewältigt werden können?

Die Zahlen des größten deutschen Automobilclubs sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2017 gab es in Deutschland Staus von einer Gesamtlänge von 1,45 Millionen Kilometern, an einem Freitag alleine 3.000 Staus mit einer Gesamtlänge von fast 7.000 Kilometern. Davon im Freistaat rund 800 Staus. Ich glaube daher nicht, dass man Staus durch immer breitere Straßen komplett vermeiden können wird. Mir ist aber die Stauprophylaxe sehr wichtig. Einen wichtigen Beitrag können flexible Verkehrsregelmöglichkeiten wie zuschaltbare Standstreifen und die ja derzeit auf der A8 vorhandene Geschwindigkeitsregelungsanlage leisten. So kann der Verkehr rechtzeitig auf Staus und Unfälle hingewiesen werden und der Verkehrsfluss beibehalten werden.

3. Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen 4+2-spurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg?

Für mich gilt es bei allen Verkehrsprojekten eine Abwägung der verschiedenen Argumente zu treffen. Völlig außerhalb jeglicher Diskussion steht für mich bei der A8 in unserer Region, dass wir schnellstmöglich durchgängige Sicherheitsstreifen brauchen. Für den 4+2 spurigen Ausbau spricht außerdem geringerer Flächenverbrauch durch eine wie bisher eher an das Voralpenland angepasste Streckenführung, geringere Geschwindigkeiten durch die Verkehrsregelungsanlage, daraus resultierend weniger Lärm und Abgase, sowie die angesprochenen fehlenden Verkehrszahlen. All das wiegt für mich weitaus schwerer als die Staus an den Ferienwochenenden im Sommer. Unbedingt brauchen wir aber auch Lärmschutz für die Anwohnerinnen und Anwohner, sowie eine Stärkung des Schienenverkehrs in der Region u.a. durch den vollständig zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-Freilassing.

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurigen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Ich kann die Argumente des Bundesrechnungshofes absolut nachvollziehen und ja, die Kostenersparnis ist ein lohnenswertes Ziel. Ich würde mir wünschen, dass man das Geld lieber in den vollständig zweispurigen Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing steckt, denn durch einen Ausbau könnte eine wesentliche Entlastung des Güter- aber auch Personenverkehrs in der Region auf der Straße erreicht und die überregionale Anbindung der Region auf der Schiene gestärkt werden.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Sie sprechen es an, eine sechsspurige Trasse würde wirklich eine Schneise in die Region schlagen, die weit über die bisherige Trassenführung hinausgeht, flachere Steigungen und größere Kurvenradien für den 6+2-Ausbau hätten große Eingriffe in die Landschaft zur Folge. Inwieweit der Tourismus hier letztlich in Mitleidenschaft gezogen würde ist aus meiner Sicht schwer vorauszusehen, mir liegen in erster Linie die vielen Anwohnerinnen und Anwohner an der Strecke am Herzen, für die sich das Landschaftsbild erheblich verändern würde.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Ich sehe dringenden Handlungsbedarf, denn wir brauchen unbedingt durchgängig Standstreifen an der A8 aus Sicherheitsgründen!

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Ich würde mir wünschen, dass das Bundesverkehrsministerium den Argumenten des Bundesrechnungshofes und vieler Anwohnerinnen und Anwohner in der Region folgt und wir eine sichere, an die Landschaft angepasste Autobahn A8 mit bestmöglichem Lärmschutz bekommen. Das heißt für mich: 4+2 spuriger Ausbau mit aktivem Lärmschutz an der Strecke im Sinne der Anwohnerinnen und Anwohner und zum Erhalt unseres schönen Voralpenlandes!

ksl

Quelle: chiemgau24.de

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