Lawinen: Kraftvoll und gefährlich

Bayern - Die Kraft von Lawinen wird gemeinhin unterschätzt. So starben im vergangenen Winter bayernweit acht Menschen durch Lawinen, weil sie die Gefahr nicht richtig erkannten. **Lawinenwarndienst: Zur Homepage**

Durch Lawinen wurden im vergangenen Winter ein Tourengeher am Wildalpjoch getötet und ein Skifahrer an der Kampenwand verletzt.

Aufgrund starker Schneefälle war die Lawinengefahr Mitte Februar dieses Jahres in der Region stark angestiegen. Das geht aus den Tätigkeitsberichten der ehrenamtlichen Lawinenkommissionen hervor, die am Freitag in Aschau vorgestellt wurden.

Am 19. Februar hatte der Tourengeher das für ihn tödliche Schneebrett am Wildalpjoch, einem Nachbargipfel des Wendelsteins, selbst ausgelöst. Da die Lawine aus diesem Bereich auch die Skiabfahrt Ost am Wendelstein erreichte, will die zuständige Lawinenkommission zukünftig das Lawineneinzugsgebiet aus dem so genannten Seehang stärker beobachten. Problem aus Sicht der Kommission ist allerdings, dass ein Befahren des Seehanges mit einer erheblichen Gefährdung der Kommissionsmitglieder verbunden ist. Sie folgerte daraus, dass die Skiabfahrt Ost solange gesperrt bleiben muss, bis sich im benachbarten Seehang die Situation aufgrund der Wetterlage und der damit verbundenen Veränderungen im Schneedeckenaufbau augenscheinlich soweit entschärft hat, dass eine Selbstauslösung von Lawinen als unwahrscheinlich gilt.

Die Lawinenkommission Wendelstein forderte zudem eine Sprenganlage mit Fernauslösung im Seehang. Obwohl die Pläne dafür bereits im Sommer vorlagen, fehlt bis heute die Unterschrift des Grundstückseigentümers Henkelsche Forstverwaltung.

Wegen schwerer Schneefälle und Schneeverfrachtungen war die Skiabfahrt Ost im Laufe des Winters mehrfach gesperrt worden. Auch der Betrieb der Wendelstein-Zahnradbahn musste wiederholt eingestellt werden, weil die Bahnstrecke von Lawinen verschüttet wurde.

Insgesamt führte die Lawinenkommission 145 Schneefeldsprengungen durch und löste dadurch erhebliche Lawinenabgänge aus. Den Winter an der Kampenwand bezeichnete die dort zuständige Lawinenkommission Aschau als Jahrhundertwinter. Bereits Mitte November schneite es dort erstmals. Am 14. Februar fielen, begleitet von starkem Sturm, bis zu einem Meter Schnee. Die höchste Schneehöhe mit drei Metern wurde am 20. März gemessen. Dem Frühling gelang es erst Ende März sich langsam durchzusetzen.

Die Lawinengefahr war nach Angaben der Lawinenkommission so groß wie seit Jahren nicht mehr, insgesamt 38 Sprengungen waren notwendig. Der verletzte Skifahrer an der Kampenwand war bei Lawinenwarnstufe 4 in einen 45 Grad steilen Hang eingefahren. Dort löste er eine Oberflächenlawine aus, die ihn mitriss.

Im Zuständigkeitsbereich der Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden wurde eine Almhütte im Bereich der Audorfer-Alm durch eine Lawine leicht beschädigt. Keine Schäden entstanden dagegen am Brünnsteinhaus, als dort der ost- und westseitige Eingangsbereich durch die Schneemassen verschüttet wurde.

Die Rosengassenabfahrt im Gemeindebereich von Oberaudorf musste am 24. Februar gesperrt werden. Mit Unterstützung der Bundeswehr, sie stellte einen Hubschrauber, und des Sprengkommandos des Technischen Hilfswerkes wurden am darauffolgenden Tag fünf Sprengladungen gezündet. Danach wurde die Sperrung der Rosengasse wieder aufgehoben.

Die Mitglieder der Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden, die zwischen dem 14. Februar und dem 10. März täglich im Einsatz waren, beobachteten zudem mehrere Großlawinen unter anderem am Trainsjoch, am Brünnstein sowie im Traithenkessel. Die Mühlauerstraße in Kiefersfelden war zwischen dem 21. Februar und zweiten März gesperrt. Im Bericht heißt es, dass die an einer lawinenträchtigen Schneise gebaute Lawinensicherung ihre Bewährungsprobe bestand. Allerdings kam es an anderen Stellen zu drei großen Lawinenabgängen.

Dr. Bernhard Zenke von der Bayerischen Lawinenwarnzentrale sprach anschließend vom schadensreichsten Winter seit es in Bayern Aufzeichnungen gibt. Lawinen in noch nicht gekannter Größe zerstörten etliche Almhütten und rissen neue Schneisen in die Bergwälder.

Insgesamt starben im vergangenen Winter in Bayern acht Menschen durch Lawinen. Laut Zenke war auffallend, dass vor allem erfahrene Skifahrer und Tourengeher von den Schneemassen getötet wurden. Gerade diese „alten Hasen“ hätten die Warnungen missachtet, die jungen Leute seien dagegen sensibilisierbar gewesen, so Zenke.

Er bedankte sich ausdrücklich für die außergewöhnlich gute Arbeit der Lawinenkommissionen. Lob für die selbstständige und ehrenamtliche Arbeit der Lawinenkommissionen gab es auch von Landrat Josef Neiderhell. Er erinnerte an das hohe Risiko, dass die Mitarbeiter der Kommission immer wieder eingehen müssen. Der Landrat machte zudem darauf aufmerksam, dass in der Runde erstmals seit Jahren die Bundeswehr fehlte.

Nach dem begonnenen Umzug nach Ingolstadt kann zukünftig nicht mehr mit der Unterstützung der Soldaten aus Brannenburg gerechnet werden. Eine Entwicklung die Neiderhell erneut bedauerte.

Die Lawinenkommissionen tagen auf Einladung des Landrats einmal jährlich um Bilanz zu ziehen und Erfahrungen auszutauschen.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Klicktipp:

Lawinenwarndienst Bayern

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser