Ärzteskandal: Undurchsichtige Abrechnungen

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Arzt versorgt Patient.

Traunstein - Die Staatsantwaltschaft ermittelt gegen Ärzte aus der Region wegen Verdachts auf Abrechnungsbetrugs. Im Visier der Ermittler steht eine radiologische Praxis.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt gegen einige Ärzte in der Region wegen Verdachts des Abrechnungsbetrugs. Es wurden bereits Arztpraxen und Wohnungen der verdächtigen Personen durchsucht. Angeblich sollen die betroffenen Ärzte innerhalb von sechs Jahren rund 650.000 Euro zu viel von ihren Patienten kassiert haben. Bei den Fällen handelt es sich auschließlich um Rechnungen von Privatpatienten, so die Staatsanwaltschaft Traunstein.

Vermutlich haben die verdächtigen Personen bei den Abrechnungen getrickst. Der Arzt verlangt für seine Untersuchungen einen bestimmten Betrag. Auf der Rechnung des Privatpatienten werden alle Leistungen aufgeführt, vom Beratungsgespräch bis zur eigentlichen Behandlung. Der Patient bekommt die Rechnung zur Kontrolle ins Haus geschickt. "Oft sind die einzelnen Leistungen nicht unbedingt verständlich für einen Laien dargestellt, so dass dem Patienten bei der Kontrolle ein Fehler nicht sofort auffällt", sagt Jodok Müller, Sprecher der Landesärztekammer Bayern.

Bestätigt wird seine These am Beispiel der Kernspintomographie. Der Patient erhält eine Rechnung für vier Untersuchungen in der Röhre, tatsächlich ist er aber nur zweimal durchgecheckt worden. Niemand kann diesen Betrug nachweisen, denn nur bei dringendem Verdacht  fordert die Krankenkasse die Bilder der Kernspinthomographie an.

Doch die Kassen haben seit Jahren ein angeblich bewährtes Kontrollsystem. Jede Rechnung werde mit einer speziellen Software geprüft, sagt Claudia Scheerer, Sprecherin der Versicherungskammer Bayern. Auffällige Gebührenposten würden gekennzeichnet und noch einmal von einem Sachbearbeiter kontrolliert. In diesem Fall müssen den Privatkassen einige Unregelmäßigkeiten aufgefallen sein, wenn auch erst nach einigen Jahren der Verschleierung seitens der Ärzte. "Bei groben Auffälligkeiten setzen wir uns mit dem betreffenden Arzt in Verbindung und sprechen ihn auf die einzelnen Posten der Rechnung an", erklärt Scheerer. In der Regel würden die Probleme geklärt werden und keine gerichtliche Auseinandersetzung folgen.

"Zum aktuellen Ermittlungsstand möchte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen", sagt Volker Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein. 

Stefan Forster 

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