Altenpfleger-Prozess: Haftstrafe gefordert

Augsburg - Im Prozess gegen einen Altenpfleger hat die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre Haft wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung gefordert. Die Verteidiger wollen eine Bewährungsstrafe.

Der 60-jährige Altenpfleger hatte laut Anklage mehrere Bewohner eines Heimes in Augsburg-Haunstetten geschlagen und sie zum Essen gezwungen. “Der Pflegeberuf ist sehr anspruchsvoll und physisch wie psychisch belastend“, sagte die Staatsanwältin am Donnerstag vor dem Augsburger Landgericht. Allerdings rechtfertige das nicht die angeklagten Taten. “Die Bewohner waren ihm ausgeliefert und er hat das ausgenutzt.“

Der Verteidiger hingegen stellten seinen Mandanten als “passionierten Altenpfleger“ dar, der keinem der Bewohner vorsätzlich geschadet habe. “Er hatte sich regelmäßig im Griff, auch in extremen Stresssituationen“, sagte der Anwalt. Die Schläge seien als Reflex auf die unkontrollierten Handlungen der alten und teilweise geistig verwirrten Menschen zu sehen. Er forderte deshalb eine Haftstrafe von viereinhalb Monaten auf Bewährung wegen zwei Fällen von vorsätzlicher Körperverletzung. Das Urteil sollte noch am Vormittag fallen.

Die Missstände im Augsburger Heim waren im Januar durch anonyme Briefe einiger Mitarbeiter bekanntgeworden. Die Heimleiterin und der angeklagte Pfleger wurden daraufhin vom Bayerischen Roten Kreuz, zu dem das Heim gehört, fristlos entlassen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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