TechnoSan: "Ekelige Dinge" eingelagert

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Von links: Johann Weber, Sachgebietsleiter Bauwesen, Landrat Erwin Schneider und Christian Wöhr, Abteilungsleiter Bauwesen.
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Altötting - Die Kiesgrube in Kastl war eine der Brennpunkte im Fall TechnoSan. Nun hat das Landratsamt Untersuchungsergebnisse vorgestellt. Hier gibt's die Bilder!

Gleich zu Beginn des Pressegesprächs zu den Erkenntnissen des Landratsamts bezüglich der Kiesgrube in Kastl betonte Landrat Erwin Schneider, wie gefährlich das eingelagerte Material der Firma TechnoSan sein kann. Belasteter Gleisschotter und Schlackegemisch dürfe nicht verharmlost werden. Wörtlich nannte Schneider diese Materialien "ekelige Dinge".

Auffälligkeiten bis zu einer Tiefe von 4,30 Metern

Die Kiesgrube in Kastl ist zwar einer von mehreren Standorten, in denen Material der Firma TechnoSan eingelagert wurde. Dennoch lag dort bislang der Schwerpunkt der Untersuchungen des Landratsamt Altötting. Grund dafür ist, dass in Kastl eigentlich nur Erd- und Bodenaushub hätte gelagert werden dürfen, was dem Zuordnungswert Z0 entspricht. Dort war die Gefahr also besonders groß, dass belastetes Material von TechnoSan den Boden oder sogar das Grundwasser verunreinigt hat.

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Schürfungen im Auftrag der ermittelnden Staatsanwaltschaft hatten im südlichen Bereich der Kiesgrube belasteten Gleisschotter und ein Schlackegemisch bis zum einem Zuordnungswert von Z2 zu Tage gefördert. Um Informationen zu wasserschutzrelevanten Aspekten zu erhalten, hat das Landratsamt darauf aufbauend drei Rammkernbohrungen in Auftrag gegeben. Das in den ersten beiden Bohrungen gewonnene Material wies im oberen Bereich Auffälligkeiten auf. In der ersten Bohrung etwa wurde bis zu einer Tiefe von 4,30 Metern Material bis zu einem Wert oberhalb des Zuordnungswerts Z2 festgestellt. Lediglich die dritte Bohrung war unauffällig.

Keine Auffälligkeiten bei Grund- oder Trinkwasser

Anschließende Grundwasserproben im Bereich der ersten beiden Bohrungen erbrachten nach Einschätzung des zuständigen Gutachters Indizien für eine Grundwasserverunreinigung im Bereich von Bohrung zwei. Für eine Beeinträchtigung des Trinkwassers gibt es allerdings keinerlei Hinweise. Zusammenfassend weißt das Landratsamt darauf hin, dass nach regelmäßigen Untersuchungen  weder das Grundwasser in den Brunnen Kastl und Burgkirchen noch das Trinkwasser in Kastl Auffälligkeiten aufweisen.

Dr. Josefine Schlegl, Gesundheitsamt Altötting.

Nun sollen in Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein drei bis vier Grundwassermessstellen im Bereich der Grube eingerichtet und spätestens in rund zwei Wochen ein entsprechendes Monitoring eingerichtet werden. Nach Angaben von Dr. Josefine Schlegl vom Gesundheitsamt Altötting müsse man unter Umständen weitere Parameter im Trinkwasser untersuchen, falls sich dies aus dem Monitoring ergibt. Die bislang untersuchten Screeningparameter seien im Trinkwasser gar nicht oder nur in kleinsten Spuren vorhanden gewesen - wobei kleinste Spuren nichts besonderes seien.

Materialien werden ab Ende September entfernt

Mit der sicheren Deponierung der belasteten Materialien soll spätestens in rund zwei Wochen begonnen werden. Der Betreiber der Kiesgrube hat dafür ein Geologiebüro engagiert, kontrolliert werden die Vorgänge von einem durch das Landratsamt bestellten Fremdüberwacher. Das Material wird dabei nach Zuordnungswerten unterteilt, um eine möglichst kostengünstige Deponierung zu ermöglichen. Vorerst liegt der Fokus auf Materialen mit den Zuordnungswerten Z1.2, Z2 und höher. Über die Materialien bis zur Stufe Z1.1 möchte das Landratsamt zeitnah entscheiden. Die Rammkernbohrungen hatten ergeben, dass die Gesamtschutzfunktion des Bodens der Kiesgrube - zumindest im Bereich der Bohrungen - für Stoffe bis zum Wert Z1.1 ausreichend ist.

Ausbau verursacht Kosten im sechsstelligen Bereich

Dr. Robert Müller, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft am Landratsamt Altötting.

Alleine in Kastl belaufen sich die Kosten einer vorläufigen, groben Schätzung zufolge auf rund 150.000 Euro. Je nachdem, wie viel Material ausgebaut werden muss, könnte es noch teurer werden. Hinzu kommen die Kosten für die Grundwassermessstellen. Wer letztendlich dafür aufkommt, ist noch offen. Vorsorglich wurden die Abfallerzeuger bereits über die weiteren Schritte informiert. "Wir haben immer noch verschiedene Stoßrichtungen, in die wir weiter gehen", sagte Dr. Robert Müller, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft am Landratsamt Altötting.

Wenngleich das Hauptaugenmerk des Landratsamts in den letzten Monaten auf der Kastler Kiesgrube lag, dürfen auch die anderen vom Fall TechnoSan betroffenen Standorte nicht in Vergessenheit geraten. Landrat Erwin Schneider kündigte an, die Kiesgrube in Kastl "wird nicht die einzige Grube bleiben, wo was zu tun ist".

Erkenntnisse im Fall TechnoSan vorgestellt

Quelle: innsalzach24.de

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