Prozess um tödlichen Unfall im Jahr 2017

Alz-Tragödie: Gericht verurteilt Unfallfahrer zu Haftstrafe

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Altötting/Garching – Am Montag kam der tragische Unfall an der Alz Anfang August vergangenen Jahres vor Gericht. Am Nachmittag wurde der Angeklagte zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Update, 16.25 Uhr: Urteil gefallen

Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Das Gericht befindet ihn für schuldig im Sinne der Anklage. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zu Gunsten des Angeklagten hat das Gericht berücksichtigt, dass er nach dem Unfall den Alkoholkonsum nicht verheimlicht hat, dass er sofort nach dem Unfall geholfen wie auch die Polizei gerufen hat sowie dass er bisher weder strafrechtlich in Erscheinung getreten ist noch eine Eintragung in der Verkehrssünderkartei hat.

Gegen den Angeklagten spricht laut Gericht die Alkoholisierung, die obwohl gering, relevant ist, insbesondere weil der Angeklagte im Lauf der Hauptverantwortung angegeben hat, dass er nur wenig verträgt. Ebenso hat er angegeben, dass er auf nüchternen Magen Bier getrunken hat. Nach den Ausführungen zur Verkehrsgefährdung geht der Vorsitzende Richter auf die Pflichtverletzungen des Angeklagten ein. Durch sie wurde das Mädchen getötet und die weiteren Jugendlichen teilweise schwer verletzt. Zusammenfassend ist die Freiheitsstrafe laut Gericht Tat und Schuld angemessen. Das Gericht sieht keine besonderen Umstände, wonach die Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung gewährt werden kann. Schließlich sagt der Richter, dass der Angeklagte nach Verbüßung der Strafe sein Leben normal weiter führen könne, die Getötete nicht.

Update, 15.35 Uhr - Anklage fordert Haftstrafe

Das unfallanalytische Gutachten hat ergeben, dass das Auto zum Unfallzeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von 14 Kilometern pro Stunde gefahren ist. Laut Berechnungen konnte es der Angeklagte nur um wenige Meter rechtzeitig nicht zum Stehen bringen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Beleuchtung am Auto. Der Angeklagte hätte bei Fernlicht, wie er im Vorfeld angegeben hatte, das nahende Ufer sehen müssen.

Nach einer längeren Pause wird die Beweisaufnahme geschlossen und die Plädoyers beginnen. Für den Staatsanwalt haben sich die Vorwürfe aus der Anklage im Verlauf der Verhandlung bestätigt. Dass der Angeklagte nur zwei Bier getrunken hat, sei schlichtweg unglaubwürdig bei seiner Größe und seinem Körpergewicht und dem festgehaltenen Alkoholwert von 0,69 Promille.

Weiter verweist der Staatsanwalt auf die Sichtverhältnisse: "Wenn ich nichts sehe, betreibe ich Blindflug." Der Angeklagte hat aber gesehen, zumindest hätte sehen müssen. Damit stehe fest, dass der Angeklagte "geschlafen" habe oder eben alkoholisiert war. Ein Täter-Opfer-Ausgleich sei nicht zu erkennen gewesen, Einsicht der Schuld wenig bis gar nicht. Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung.

Die Nebenklägervertreterin des schwer verletzten Unfallopfers spricht von "Helden und Versagern", welche dieser Prozess gezeigt habe. Sie hebt zunächst die Leistung des ersten Helfers vor Ort  in heraus. Ohne dessen Einsatz wären es zwei Todesopfer gewesen. Der Angeklagte habe sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht, auf ganzer Linie versagt.

Der Nebenklägervertreter der Familie des getöteten Mädchens geht ebenfalls auf die fahrlässigen Handlungen des Angeklagten ein. Diese sind seiner Meinung nach die Alkoholisierung, das Hinwegsetzen über die Straßenverkehrsordnung sowie die nicht angepasste Geschwindigkeit. Erste Entschuldigungen, die der Angeklagte im Rahmen der Hauptverhandlung gemacht hat, seien zu spät gekommen und gegebenenfalls berechnend. Der Nebenklägervertreter erachtet eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung für angemessen.

Der Verteidiger betont, dass dieser tragische Unfall auch seinen Mandanten ein Leben lang verfolgen werde. Ihm sei das Nach-Tat-Verhalten während der Verhandlung und in den Plädoyers zu kurz gekommen. Der Angeklagte habe sofort gehandelt und auch die Polizei gerufen. Ebenso habe er sofort zugegeben, dass er alkoholisiert war. Den Alkoholeinfluss sieht der Verteidiger nicht ursächlich für den Unfall. So schlimm, wie es sei, sei es doch ein tragischer Unfall gewesen. Der Verteidiger fordert eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten auf Bewährung.

"Ich möchte bei allen entschuldigen, die ich verletzt habe und denen ich Leid zugefügt habe", beginnt der Angeklagte seine letzten Worte. Wenn er die Möglichkeit hätte, die Zeit zurück zu drehen, würde er es tun. "Es tut mir wirklich herzlich leid."

Update 13.20 Uhr - Angeklagter und Zeugen äußern sich

Der Angeklagte macht selbst Angaben zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Er spricht dabei konzentriert in klaren kurzen Sätzen. Er habe zwei Bier an diesem Abend getrunken, "auf nüchternen" Magen, wie er sagt. Er trinke allgemein sehr selten Alkohol. Er wisse aber sehr genau, wann er sich noch unter Kontrolle hat und wann nicht mehr. Hätte er mehr als zwei Bier getrunken, wäre er nicht mehr gefahren.

Es gibt Rückfragen vom vorsitzenden Richter und einer Nebenklägervertreterin. Immerhin wurde ein gerichtlich verwertbarer Promillewert von 0,69 für den Angeklagten zum Unfallzeitpunkt festgehalten. Der Angeklagte bleibt aber dabei, dass es zwei Bier waren. "Ich vertrage nicht viel."

Das Schild übersehen

Zunächst hatte er sich mit seiner damaligen Freundin und drei weiteren Frauen in einem Garchinger Café getroffen. Nach einem kurzen Besuch bei seiner Schwester ist er dorthin wieder zurückgekehrt. Es entstand bei den Frauen der offenbar spontane Wunsch, an die "warme Quelle" am Ufer der Alz zu fahren.

Die fünf Insassen des Unfallautos nahmen den Weg über das Freibad. Dieser ist aber für Autos gesperrt. Die entsprechende Beschilderung will der Angeklagte nicht gesehen haben. Zur Geschwindigkeit gibt der Angeklagte "nicht schneller als 30 km/h" an. Er sei dann aber langsamer geworden. Den Weg selbst habe er nicht gekannt und zum ersten Mal befahren.

"Ich war mit dem Kopf zwischen Stein und Autoreifen eingeklemmt"

Zunächst sprechen zwei Geschädigte darüber, wie sich das Unfallgeschehen für sie dargestellt hat. Das Auto kommen hören oder sehen hätten sie nicht. "Das ist aus dem Nichts gekommen", sagt einer der leichter Verletzten Jugendlichen. Der junge Mann mit den schweren Verletzungen berichtet davon, wie sein Kopf für nicht näher bestimmte Zeit unter Wasser war. Erst durch das Einschreiten eines weiteren Zeugen, habe er wieder Luft bekommen. Acht Wirbel gebrochen, zwölf Tage Krankenhaus und bis heute muss er sich schonen, müsse sogar die Jahrgangsstufe an der Schule wiederholen. "Es hätte noch viel schlimmer ausgehen können." Das berichtet ein weiterer Zeuge der als Erster am Unfallort mit Hand anlegte.

"Stop! Jetzt kommt der Abhang!"

Ein paar Sekunden vor der Böschung soll das Auto einen Satz gemacht haben aufgrund des Untergrundes. Das berichtet die damalige Freundin des Angeklagten, wie auch die weiteren drei Frauen, wie es auch der Angeklagte bereits berichtet hatte. Es habe wohl Hinweise der Frauen an den Angeklagten gegeben, dass man gleich an der Alz sei. Die Erinnerungen sind allerdings bei allen Frauen etwas verschwommen zu den Details der Fahrt bis zum Abhang, wie und ob beispielsweise welches Licht an war oder nicht. Alle hätten sie schon zu viel getrunken gehabt und deswegen eben den Angeklagten gefragt, ob er nicht fahren könne.

Die Verhandlung wurde unterbrochen.

Vorbericht

Fast auf den Tag genau vor neun Monaten: Ein Auto ist auf fünf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren gestürzt. Die hatten sich unterhalb einer zirka fünf Meter hohen Böschung am Alzufer zum Feiern getroffen. Für eine 15-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Ein 16-Jähriger wurde schwer verletzt.

Die anderen Jugendlichen erlitten einen schweren Schock. Die weiteren Insassen im Auto, vier junge Frauen im Alter zwischen 22 und 25 Jahren, wurden mit leichten Verletzungen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Am Montag kommt der Unfall vor das Schöffengericht am Amtsgericht Altötting.

Rückblick: 

So sieht es an der Unfallstelle aus:

Tragischer Unfall in Garching an der Alz 

Die Freiwillige Feuerwehr hatte nach diesem Einsatz mahnende Worte an die Gaffer gerichtet, die es dort offenbar gegeben hat.

So sah es an der Unfallstelle bei Tag aus:

Blumen, Kerzen und die große Frage nach dem "Warum"

Kurze Zeit später wurde bekannt: Der Unfallfahrer hatte Alkohol im Blut. Laut Polizei hatte ein erster Atemalkohol-Test einen Wert von 0,7 Promille ergeben. 

Der Vorwurf:

Nach Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Traunstein musste das Gericht erst einmal entscheiden, ob diese zugelassen wird. 

Oberstaatsanwalt Volker Ziegler hatte mitgeteilt, dass dem damals 27-Jährigen fahrlässige Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung in sechs tateinheitlichen Fällen vorgeworfen werde.

Die Anklage wurde zugelassen. Das Urteil wird noch für Montag erwartet.

Quelle: innsalzach24.de

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