Zivilcourage mit Geldbuße bestraft

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Traunstein - Eine 59-Jährige hatte der Kindergarten-Leiterin erzählt, dass ein Vater aus der Gemeinde seine Kinder schlagen würde. Wegen übler Nachrede stand sie erneut vor Gericht.

Die Verwaltungsangestellte der kleinen Gemeinde im Landkreis Rosenheim hatte im August 2010 zum zweiten Mal erfahren, dass ein Vater aus ihrem Dorf seine Kinder schlagen würde. Bei der Berufungsverhandlung am Freitag, 27.04.2012, sagte sie aus, dass es ihr keine Ruhe gelassen habe. "Daraufhin habe ich mich ans Frauenhaus gewandt und die haben mir geraten, zum Kindergarten der Gemeinde zu gehen", so die Angeklagte.

Das tat die 59-Jährige dann auch. Trotz Nachforschungen von Seiten der Kindergarten-Leiterin habe sich aber nichts herausgestellt. Der Fall wurde daraufhin an das Kreisjugendamt weitergeleitet. Doch auch das Amt konnte den Verdacht, dass der Vater aus der Gemeinde seine Kinder schlagen würde, nicht bestätigen. In der Zwischenzeit erstatte der Mann Anzeige wegen übler Nachrede. Der Fall ging vor Gericht und die Angeklagte wurde in erster Instanz zu einer Geldstrafe von insgesamt 1200 Euro verurteilt.

Sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch die Verteidigung, legten sofort Berufung ein. Die Angeklagte sagte am Freitag erneut aus, dass ihr Leute aus der Gemeinde erzählt hätten, dass es bei der Familie lautstark zuginge. "Mir wurde berichtet, dass der Vater seine Kinder schlagen würde. Mir war bewusst, dass es nicht stimmen könnte. Aber ich habe mir gedacht, dass ich mich vielleicht selbst schuldig mache, wenn ich nichts sage. Deshalb habe ich mich an das Frauenhaus gewandt."

Noch vor der Beweisaufnahme machte der Staatsanwalt das Angebot - wie auch schon im ersten Verfahren - das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Nach einer kurzen Beratung nahm die Verteidung das Angebot an. Die 59-Jährige muss nun je 150 Euro an den Kinderschutzbund und das Frauenhaus zahlen.

Wolfgang Sparrer, Anwalt der Verteidigung, meinte nach dem Prozess: "Wir haben das Angebot heute angenommen, weil es eine andere Situation als beim ersten Verfahren war." Der Fall habe damals in der Gemeinde für viel Verunsicherung gesorgt. "Und wir wollten im ersten Verfahren dem Kinderschutz einen Bärendienst erweisen. Doch wenn das heute in der Berufung schiefgegangen wäre, dann wäre die öffentliche Wirkung vehement." Daher habe man sich für die Einigung mit der Staatsanwaltschaft entschieden.

Patrick Steinke

Quelle: chiemgau24.de

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