Corona-Schutzimpfung: Wer sich registrieren sollte und wer lieber noch warten

Spam-Ordner und Warteschleife - Technische Hindernisse bremsen Bayerns Impfzentren nicht aus

Seit Kurzem sind die Bürger aufgerufen, sich am Bayerischen Impfzentrum für einen Termin in seinem regionalen Impfzentrum zu registrieren. Doch das ist mitunter ein nervenaufreibendes Unterfangen. Wo liegen die Ursprünge der technischen Schwierigkeiten, wie können sie behoben werden und wer sollte sich aktuell überhaupt um eine Impfung gegen das Coronavirus bemühen?

Landkreise - Warteschleifen, alle Mitarbeiter im Gespräch, keine Registrierungsbögen per Mail? Der Weg zu einem Impftermin geht überwiegend digital - und das oft nicht reibungslos mittels Fingerschnippen. „Es kommt bei den Anmeldungen bei den Bayerischen Impfzentren teilweise zu Problemen“, räumt ein Sprecher des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auf Nachfrage von rosenheim24.de ein.

Viele Mails für die Registrierung landen im Spam-Ordner

Beispielsweise komme es vor, dass die Bürger ihre Anmeldedaten nicht rechtzeitig bekämen. Ein überwiegender Teil der Mails lande nämlich im Spam-Ordner, weswegen die Antworten häufig sehr viel später oder gar nicht entdeckt werden. „In fast allen Fällen konnten die Kollegen im Dialog mit den Betroffenen feststellen, dass die Email dort untergegangen ist, weil nicht im Posteingang erkannt“, erklärt der Sprecher.

In ganz wenigen Fällen sei es tatsächlich so, dass die Mail mit den persönlichen Daten nicht innerhalb des Zeitfensters von 30 Minuten verschickt worden sei, in der der entsprechende Link gültig sei. „Das kann eine Vielzahl an Gründen haben und wir wissen jetzt nicht, ob es technische Ursachen hat oder möglicherweise an der Anwendung liegt“, so der Ministeriumssprecher weiter. In jenem Fall aber sei es ausreichend, sich mit seiner Mailadresse erneut anzumelden und „Passwort zurücksetzen/vergessen“ anzufordern. Der gesamte Anmeldeprozess müsse nicht neu gestartet werden - das System erkenne pro Person eine Mailadresse, sobald diese einmal angegeben werde.

Über 80-Jährige bekommen Briefpost vom Gesundheitsministerium

„Der überwiegende Teil der Anmeldungen aber erfolgt ganz hervorragend und problemlos. Wir erfahren sehr viel positives Feedback, aber auch als Kritik - eine, die sich gebetsmühlenartig wiederholt“, gibt der Sprecher zu. „Es gibt zwei Kontaktwege: Mobil und per Mail. Viele möchte ihre Großeltern anmelden aber es kann nur eine Mailadresse angegeben werden pro Person. Der mobile Weg indes kann mehrfach verwendet werden, die Mailadresse aber muss individuell angepasst sein.“

Auch ein Grund, weswegen sich das Gesundheitsministerium in der Kategorie der ersten Prioritätengruppe bewusst für die Kontaktaufnahme über den Briefweg entschieden habe. Exklusiv die über 80-Jährigen, die noch zu Hause wohnen, bekommen im Moment oder in Kürze Briefpost. In den Heimen laufe die Anmeldung über die jeweilige Trägereinrichtung.

Sind diese Personen soweit informiert, gebe es zwei weitere Zugangswege: Der erste gehe über die telefonische Erreichbarkeit des Impfzentrums in der Region. Die Kreise kommunizieren diese Wege in der Regel auf ihren Gemeindeseiten. Erreichbarkeit Nummer zwei sei die Hotline 116-117, eine Anwendung der bundesärztlichen Kassenvereinigung. Diese sei sprachgestützt, der Anrufer äußert seinen Wunsch eines Impftermins und gebe dann seine Postleitzahl an, woraufhin er weiter verbunden werde ans jeweilige regionale Impfzentrum. Die letzte Möglichkeit ist der direkte Anruf beim Impfzentrum seiner Region.

Prioritätenliste entscheidet, wer zuerst geimpft wird

„Wir haben in allen Statements sehr deutlich kommuniziert, dass die Registrierung über das Portal im Moment nur in den Prioritätengruppen erfolgen soll“, unterstreicht der Sprecher. Die Impfverordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus unterscheidet die Bevölkerung in vier Kategorien:

  • Zur Gruppe mit höchster Priorität gehören Menschen über 80 Jahre, Heimbewohner, stationär und amulante Pflegebe­dürf­ti­ge sowie Personen, die in Be­rei­chen medizi­ni­scher Einrichtungen mit einem sehr hohen Risiko in Bezug auf das Corona­virus arbeiten (Ärzte und Pfleger auf Intensivstationen, in Notaufnahmen oder im Rettungsdienst).
  • In Stufe 2 (Schutzimpfung mit hoher Priorität) fallen Menschen über 70 Jahre, Menschen mit Trisomie 21, Demenz oder einer geistigen Behinderung sowie Patienten nach Organtransplantation. Ebenso gehört da­zu eine enge Kontaktperson von Pflegebedürftigen und Schwangere. Bewohner von Massenunterkünften (Obdachlosen- oder Asylheim) fallen ebenso unter diese Kategorie wie Polizisten mit erhöhtem Infektionsrisiko im Einsatz (z.B. bei Demonstrationen) oder Personen des öffentlichen Gesundheitsdienstes.
  • In Gruppe 3 zählen alle über 60-Jährige sowie sowie chronisch Kranke. In diese Gruppe fallen zudem Menschen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen arbeiten (Verfassungsorgane, Regierungen und Verwaltungen, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und Justiz, ). Gruppe 3 beinhaltet auch Menschen in „besonders relevanter Positionen“ wie in Apotheken, Pharma- und Ernährungswirtschaft, Wasser-, Energie- und Abwasserentsorgung sowie in der Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik, Beschäftigte in prekären Arbeitsverhältnissen (z.B. Fleischindustrie), Erzieher und Lehrer oder im Lebensmitteleinzelhandel.
  • Gruppe 4 schließt die Gesamtbevölkerung ein, die nicht zu den Gruppen 1 bis 3 gehört und deren Impfbeginn noch offen ist.

Es sei freilich niemanden verboten, sich bereits jetzt zu registrieren - zumal der Wunsch nach einer Impfung gegen das Corona-Virus sehr groß sei, wie der Ministeriumssprecher betont. Doch der Rest der Bevölkerung, der nicht in der ersten Prioritätenliste sei, bekäme aktuell ohnehin keinen Termin. Der Impfwunsch sei zwar dann bereits registriert, der Bürger aber müsse sich für einen Terminvorschlag auf eine längere Zeit des Wartens einstellen, bis er der Prioritätenliste zufolge an die Reihe käme. Fazit: Außerhalb dieser Prioritätenliste sei eine Registrierung zulässig und möglich, aber nicht sinnvoll.

„Hätten wir mehr Impfstoff, könnten wir auch mehr impfen“

„Die Impfstofflieferungen kommen, allerdings gibt es aktuell zu wenig Dosen für die Menge an Menschen, die geimpft werden müssen“, ordnet der Sprecher abschließend die derzeitige Lage nach dem Impfstart ein. Alleine in Bayern fielen rund 1,5 Millionen Menschen in die Kategorie der Priogruppe 1 - abgezogen eines minimalen Prozentsatzes derjenigen, die sich nicht impfen lassen wollen.

„Wir können in Bayern täglich 38.000 Menschen impfen. Das einzig Limitierende im Moment ist der Impfstoff - von den Mengen kommt im Moment einfach noch zu wenig in den Lagern an. Hätten wir mehr Impfstoff, könnten wir auch mehr impfen. Um das zu ändern, bedarf es weiterer Impfstoffkandidaten und dem Hochfahren der Impfstoffproduktion allgemein Das passiert gerade Zug um Zug, sodass sich in den nächsten Wochen hier Steigerungen ergeben werden.“

mb

Rubriklistenbild: © Robert Michael

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