"Schmutz und Dreck beseitigen!"

Antisemitismus in Traunstein: CSU-Stadtrat gibt Kontra

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Rundherum mit roter Farbe beschmiert: Das Denkmal an die Familie Holzer in der Traunsteiner Kernstraße.
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Traunstein - Ein Denkmal an eine Traunsteiner Familie, die während des Hitler-Faschismus ermordet wurde, ist erneut besudelt worden - CSU-Stadtrat Schulz fand dafür nun Worte, die klarer nicht sein könnten.

Stadtrat Karl Schulz.

Rote Farbe quer über das Denkmal, vorne und hinten, und natürlich mitten über den Davidstern - das Denkmal an die Familie Holzer an der Traunsteiner Kernstraße wurde erneut beschädigt. Die Familie wurde am 9. November 1938 von Nazis aus ihrem Wohnhaus in der Kernstraße vertrieben und später im KZ ermordet. In der jüngsten Stadtratssitzung machte Karl Schulz die Schändung nun mit deutlichen Worten zum Thema.

Seine Rede im Wortlaut:

"Ich habe feststellen müssen, dass das Erinnerungs-Denkmal an die jüdische Familie Holzer - Traunsteiner, die von Nazis terrorisiert und ermordet wurden - immer noch oder schon wieder mit roter Farbe beschmiert worden ist. Der Gedenkstein ist leider zum wiederholten Male Ziel von Vandalismus, von Schmierereien geworden.

Dieser Gedenkstein an der Kernstraße ist ein "Stein des Anstoßes"! Ja, manche provoziert er, für andere ist er ein Ort zum Innehalten, zum Nachdenken über die Abgründe des Menschen! Ich bitte dringend, den Stein allerschnellstens reinigen zu lassen und füge mit umissverständlichem Nachdruck an: immer gleich sofort und unmittelbar nach einer Tat.

Warum sage ich das und dränge? Weil ich deutlich machen will, dass es sich um einen Ort handelt, an dem WIR als Stadt jüdischen Lebens öffentlich gedenken. Wenn ein solcher Ort gezielt beschmutzt wird, dann richtet sich das gezielt auch gegen die gesamte Stadt und ihre Gesellschaft, dann ist das nichts anderes als übelster Antisemitismus, wogegen wir entschlossen, konsequent, gleich reagieren müssen.

Eine zügige Reinigung der Gedenkstätte ist leider die einzige Reaktionsmöglichkeit, die wir gegen das feige, anonym in der Dunkelheit ausgeführte Delikt haben. Und doch ist die rasche Beseitigung einer derartig beschämenden, hässlichen, aggressiven, erneuten Verunglimpfung von Opfern, denen Schrecklichstes angetan wurde, eine passende Antwort der Stadt, ein Signal, weil es zeigt, dass wir diese diffamierende, hetzerische Straftat sinnfreier, respektloser Rassisten nicht hinnehmen werden, nicht tolerieren, nicht ignorieren. 

Wenn man die Menschen damals schon nicht geschützt hat, dann sollen WIR uns zumindest jetzt schützend vor deren Andenken stelle! Lassen Sie uns ALLE für ein sympathisches, sauberes Traunstein kämpfen! 

Wie macht man sauber? Indem man Schmutz, indem man Dreck beseitigt!"

Quelle: chiemgau24.de

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