Für Brennerbasistunnel

Anwohner protestieren gegen weitere Gleise durchs Inntal

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Der Eingang zum Zugangsstollen zum Brenner Basistunnel bei Steinach (Österreich).

Rosenheim - Nahezu 2000 Menschen haben am Montag in Rosenheim gegen den viergleisigen Ausbau der Bahn-Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel durchs Inntal protestiert.

Die Plakate waren deftig – und dementsprechend aufgeheizt war auch die Atmosphäre in Rosenheim heute mittag. „400 Züge = Lüge“, hieß es da. „Kein 3. und 4. Gleis“, „Kein Inntal 21“ oder (in Anspielung auf den Rosenheimer Landrat und die örtliche Bundestagsabgeordnete) „Berthaler, Ludwig & Co – Inntal k.o.!“ Begleitet von Blasmusik und drei Dutzend Traktoren zogen geschätzt 1500 Demonstranten gegen den geplanten Ausbau der Bahnstrecke im Rosenheimer Inntal vor das Rosenheimer Landratsamt.

Dort wartete Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) auf sie: Er nahm 12 000 Protest-Unterschriften in Empfang und machte eine Ankündigung: „Ich verspreche Ihnen hier und heute den Neustart des Planungsdialoges“, sagte der Minister. Er meine es ernst: „Ich stehe nicht für ein Placebo, ich stehe nicht für eine weiße Salbe.“ Er habe angeordnet, die Planungen der Bahn-Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel in der Region Rosenheim neu aufzurollen.

Der Planungsdialog wird also fortgeführt, allerdings unter anderen Vorzeichen: Künftig soll der Landkreis Rosenheim nicht mehr in zwei unterschiedlich gewichtete Planungsregionen aufgespaltet sein, sondern als ein einheitlicher Raum behandelt werden. Damit reagieren Ministerium und Bahn auf die Proteste aus Gemeinden östlich des Inns, die sich im Dialogverfahren benachteiligt sahen. Teil der „Kommunikations-Offensive“ soll außerdem sein, dass in der Rosenheimer Innenstadt ein Planungsbüro eröffnet wird. Zudem wird ein „Moderator oder Mediator“ gesucht – eine Art Heiner Geißler wie bei Stuttgart 21. Wahrscheinlich laufe es aber nicht auf einen Prominenten hinaus, sondern auf ein Kommunikationsbüro, das auf Konfliktberatung spezialisiert ist, hieß es. Nach der Rede vor der Demonstranten ging Dobrindt ins Landratsamt, wo die Bürgermeister aus der Region auf ihn warteten. Die angesetzte Zeit wurde weit überschritten – und gegen 17 Uhr bat Dobrindt, was er zunächst eigentlich nicht vor hatte, Sprecher der Bürgerinitiativen in den Saal. Auch sie wollten mit dem Minister Tacheles reden. Zur Stunde dauert der Termin noch an.

Eines konnte Dobrindt nicht bieten: eine verlässliche Zahl über die Züge, die durch das Inntal fahren werden, wenn der Brennerbasis-Tunnel voraussichtlich 2026 eröffnet wird. Derzeit sind es etwa 180 Züge. Die Prognose im alten Bundesverkehrswegeplan – 302 Züge im Schnitt täglich – gilt als veraltet, eine neue für das Jahr 2030 wird gerade erst berechnet. Weil viele im Inntal am Sinn der Gleise zweifeln, ließ sich Dobrindt das Versprechen abringen, auch ein weit in die Zukunft gerichtetes Szenario berechnen zu lassen: Es soll geschätzt werden, wie die Verkehrsbelastung im Jahr 2050 sein könnte. Diese Berechnung, hieß es gestern von der Bahn spitz, werde aber „gewisse Unschärfen“ enthalten.

Noch gar nicht abgeschätzt werden kann eine Forderung, die allenthalben laut wurde: Eine komplette Einhausung oder Eintunnelung einer neuen Bahntrasse ähnlich wie in Tirol. Er verstehe diese Forderung, sagte der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer, der gestern auch nach Rosenheim gefahren war. „Aber das wird das Projekt deutlich teurer machen.“ Schurer kündigte an, er wolle einen Planungsdialog auch für den Landkreis Ebersberg fordern – schließlich würden die Züge von Rosenheim bis Grafing und München weiterfahren.

Unsere Partnerseite rosenheim24.de streamte am Montag live von der Demonstration.

dpa

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