Jäger erschießt Bernhardiner

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Leben nicht mehr: die Bernhardiner "Ludi" und "Bernie". Der Jäger B. hat einen im Wald bei Kloster Au erschossen und den zweiten angeschossen, weil sie gewildert haben sollen. Der verletzte Hund blieb zwei Tage im Wald liegen und musste am Ende eingeschläfert werden. Die Besitzer haben rechtliche Schritte eingeleitet.

Aschau am Inn - Der Jäger Josef B. hat zwei Bernhardiner im Wald bei Kloster Au er- bzw. angeschossen. Sie sollen ein Reh gehetzt haben. Die Hundebesitzer ziehen vor Gericht.

"Ludi" und "Bernie" waren zwei Tage zuvor vom Hof ihrer Besitzer in Aschau entwischt. Diese gehen nun gerichtlich gegen B. vor - wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Von einem "saudummen Missverständnis" spricht Jäger-Kollege Rudolf Pichlmeier, der den Vorfall sehr bedauert und Verständnis für beide Seiten hat.

Claudia Suplie ist verzweifelt. Sie und ihr Lebensgefährte Franz Rost aus Guggenberg betrauern ihre beiden Bernhardiner "Ludi" und "Bernie". Sie wurden vom Jäger Josef B. an- bzw. erschossen. Bis zum zweiten Schuss wusste B. nicht, dass es sich um zwei Hunde handelte.

Hier lag der tote "Ludi". Der Jäger führte den Hundebesitzer zu ihm und sagt heute "der Hund ging auf ein Reh los und war wie eine Bestie, ich hatte keine Wahl".

"Ich weiß, dass ein Hund im Wald allein nichts verloren hat und dass der Jäger ihn erschießen darf", sagt die Aschauerin. Aber nun sind zwei Hunde tot und sie wirft Jäger Josef B. vor, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. "Er hat ,Bernie' angeschossen und ihn dann nicht im Wald gesucht und erlöst. Er hat ein verletztes Tier da draußen gelassen. Welcher Jäger tut sowas?"

Sie und ihr Lebensgefährte Franz Rost haben rechtliche Schritte eingeleitet und wollen B. auf Schadensersatz und wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz belangen.

Passiert ist der Vorfall bereits vor zwei Monaten. Am 4. Dezember entwischten die 70 Kilo schweren und 18 Monate alten Tiere aus ihrem Hundehaus - einer umgebauten, verriegelten Garage. Die Besitzer waren nicht daheim und rätseln, "wie sie da wohl rausgekommen sind".

Sie suchten die Hunde erfolglos, verständigten die Nachbarn und die umliegenden Jäger - "damit so eine Tragödie nicht passiert", berichtet Suplie. Als die Tiere auch am nächsten Tag nicht heimkamen, erweiterten Suplie und Rost den Suchkreis und informierten auch die Jagdpächter der angrenzenden Gebiete, so auch die Frau von B. in Obereinöd bei Kloster Au.

Ihr Mann war am späten Donnerstagnachmittag, 6. Dezember, im Wald, als plötzlich ein Rehkitz mit "Klagegeschrei" aus dem Unterholz kam, gefolgt von "tiefen Hundegeräuschen".

Der 62-Jährige schildert auf Nachfrage seine Version. Der Hund habe das Reh verfolgt, sei nur Zentimeter hinter ihm gewesen. Er habe einen lauten Schrei losgelassen, aber der Bernhardiner habe nicht reagiert. "Der war wie eine Bestie. Ich hatte keine Wahl. Ich habe geschossen, ihn aber nicht tödlich getroffen." Er sei den Fußspuren in den Wald gefolgt und plötzlich fand er den "schwer schnaufenden Hund" unter einem Baum liegend.

Jäger wusste nichts vom zweiten Bernhardiner

"Ich dachte, er liegt im Wundbett und erschoss ihn", erklärt der Jäger. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Er tötete den anderen, unverletzten Hund namens "Ludi", der vermutlich einfach nur von der Verfolgungsjagd mit dem Reh erschöpft war. Denn im gleichen Moment kam der am Vorderbein angeschossene "Bernie" aus dem Holz und lief weg. Verdattert und erschrocken realisierte er, dass er es mit zwei Tieren zu tun hatte.

"Ich sah, dass er seinen verletzten Vorderlauf schonte", berichtet der Kloster Auer. Er fuhr heim und erzählte seiner Frau, was passiert war. Sie wusste schon, dass die Besitzer ihre Hunde vermissen und er machte sich auf den Weg nach Guggenberg, um Franz Rost zu informieren.

Man fuhr zum Ort des Geschehens und fand den toten "Ludi" - von "Bernie" keine Spur. Claudia Suplie und ihr Lebensgefährte hofften, dass er nach Hause laufen würde, doch er kam nicht. Die Suche ging weiter.

Auch der Jäger habe eineinhalb Tage lang noch versucht, den verletzten Hund zu finden, erklärt er.

Die Besitzer fanden ihn am Samstag im Wald liegend, brachten ihn zum Tierarzt in Kraiburg. Wegen der schweren Verletzungen musste er nach einer OP am Montag in der Tierklinik Teisendorf eingeschläfert werden.

Dass es so weit gekommen ist, dafür macht Claudia Suplie den Jäger verantwortlich. Wegen ihm sei der Hund zwei Tage lang verletzt alleine im Wald gelegen. Hätte man ihn eher gefunden, hätte man ihn retten können.

B. verteidigt sich und verweist auf die bereits angebrochene Nacht. "Ich hatte keine Munition mehr", so der 62-Jährige. Und einen "wilden angeschossenen Hund zu suchen, der wie eine Bestie hinter einem Reh her war", sei ihm im Dunkeln zu gefährlich gewesen.

Für Claudia Suplie ist das keine befriedigende Antwort. Warum hat er überhaupt auf die Tiere geschossen, fragt sie sich. Er hätte doch einen Warnschuss abgeben können. Daraufhin verweist B. auf das Jagdschutzgesetz, das ihn verpflichte, einen wildernden Hund zu erschießen.

Tierschutz gilt für Wild, aber auch für angeschossenen Hund

Die Bernhardiner seien "Wiederholungstäter" gewesen. Wie er jetzt wisse, waren sie immer wieder beim Wildern in Nachbarrevieren. "Auch ein Reh hat einen Tierschutzsanspruch", lautet seine Überzeugung.

Rudolf Pichlmeier, Jäger in Aschau und somit auch in Guggenberg, kannte Hunde und Besitzer und wusste, dass die Vierbeiner gerne streunern, was Rost und Suplie versucht haben zu unterbinden. "Aber beim Wildern habe ich sie nicht gesehen", sagt Pichlmeier, der seit 1975 Jäger ist.

Über das jüngste Verschwinden der Bernhardiner sei er im Bilde gewesen. "Ich fiel aus allen Wolken, als ich dann erfuhr, dass sie erschossen wurden", sagt der Aschauer über diese "ungute Sache, die kein gutes Licht auf Jäger im Allgemeinen" werfe. Aber B.s Schilderung sei plausibel. "Es war ein saudummes Missverständnis, dass er auf zwei Hunde schoss."

Claudia Suplie mag der Geschichte von den "70-Kilo-Kälbern", die ein Reh im Schnee und in unwegsamen Waldgelände bergauf gesprengt haben sollen, nicht glauben. Schließlich seien "Ludi" und "Bernie" auf dem Hof mit Ziegen und Eseln aufgewachsen und hätten sich mit ihnen "gut vertragen".

B. erklärt auf Nachfrage der Zeitung, Bernhardiner können so schnell sein wie Schwarzwild und ein Reh, das nur kurze Zeit Ausdauer habe, zu zweit hetzen und jagen.

Ergänzend erläutert sein Jäger-Kollege Pichlmeier, dass der Vorfall in der sogenannten Notzeit geschehen sei. Ein Reh habe im Winter einen verminderten Stoffwechsel und sei geschwächt. Da sei es ein Leichtes für "zwei Hunde, die zusammenhelfen", es zu verfolgen oder gar zu töten. Allerdings, so Pichlmeier auf Nachfrage, "ich hätte den zweiten Hund schon verfolgt und mit einem Fangschuss erlöst. Aus Tierschutzgründen ist sowas angebracht."

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Quelle: innsalzach24.de

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