Nachgefragt beim Bauernverband

Aßlinger Bauer findet keinen Hof - Ein größeres Problem?

Der Fall des Aßlinger Bauers Roland Becker bewegt auch unsere Leserschaft. Der 46-jährige Landwirt sucht verzweifelt einen neuen Hof. Eine stark veränderte Landschaft auf dem Immobilienmarkt ist auch für andere ein Problem, wie Markus Drexler vom Bauernverband (rechts) berichtet.
+
Eine stark veränderte Landschaft auf dem Immobilienmarkt ist zunehmend für Landwirte ein Problem, wie Markus Drexler vom Bauernverband berichtet.

Aßling/München - Der Fall von Roland Becker bewegt auch unsere Leserschaft. Der 46-jährige Landwirt sucht verzweifelt einen neuen Hof. Doch ist das ein Problem, das auch andere haben?

„Dieses Phänomen ist insbesondere in der Nähe von Ballungs- und Wirtschaftszentren ein Problem - und eher mit dem Immobilienmarkt denn mit der Situation in der Landwirtschaft zu erklären“, berichtet Markus Drexler, Pressesprecher des Bayerischen Bauernverbands (BBV) gegenüber rosenheim24.de. „Das lässt sich auch anhand der Entwicklung der Preise für landwirtschaftliche Fläche nachvollziehen.“

Aßlinger Bauer findet keinen Hof - gestiegene Grundstückspreise Problem in ganz Oberbayern

Auch unsere Leserschaft beschäftigt derzeit der Fall des Landwirts Roland Becker. Der 46-Jährige sucht derzeit verzweifelt nach einer neuen Hofstelle, nachdem der Pachtvertrag für seinen aktuellen Hof zum Februar ausläuft und nicht verlängert wurde. 150 Schafe, zwei Esel, zwei Ponys, drei Hunde und drei Katzen suchen nun gemeinsam mit ihm, seiner elfjährigen Tochter Emma und seiner Lebensgefährtin eine neue Bleibe. 

Becker stammt selbst aus einer Bauernfamilie und wuchs auf einem Bauernhof auf. Jedoch durfte er den elterlichen Hof nicht erben. Nach dem Tod des Vaters wurde der Bauernhof verkauft. Sein Glück fand er damals unweit des Elternbetriebes und konnte den Rossberghof in Langkofen pachten.

Landwirtschaftliche Flächen teils als Geldanlage angekauft

„Während in Ober- und Niederbayern die Preise erneut kräftig angezogen haben, ist in Unterfranken ein Rückgang zu verzeichnen“, berichtet Bauernverbands-Pressesprecher Drexler weiter. „Die Bodenpreise in Bayern driften immer weiter auseinander, nirgendwo sonst gibt es eine solche Spreizung.“ Für den Durchschnittspreis in Oberbayern in Höhe von 116.463 Euro pro Hektar bekomme ein Käufer in Ober- oder Unterfranken ein vielfaches der Fläche.

Die beschriebene Entwicklung und das Geschäft mit land- und forstwirtschaftlichen Flächen stellen auch bäuerliche Familienbetriebe vor enorme Herausforderungen, so Drexler weiter. „Angst vor der Inflation, hohe Immobilienpreise in den Städten und ein Misstrauen gegenüber Banken und Börsen führen dazu, dass Nichtlandwirte Acker- und Grünland sowie Privatwald als Geldanlage oder gar als Spekulationsobjekt entdecken und den Bauern ihre Betriebsflächen streitig machen – und dies oft zu überhöhten Preisen.“

Landtag beschloss Gesetz

Doch es gäbe auch Maßnahmen, um die Entwicklung zu stoppen. Anfang 2016 habe der bayerische Landtag eine Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Bodenrechts auf den Weg gebracht. „Unter anderem wurde die Genehmigungsfreigrenze nach dem Grundstücksverkehrsgesetz von zwei auf ein Hektar abgesenkt.“ Ausnahmen gäbe es nur für Gemeinden sowie Gemeinde- und kommunale Zweckverbände. „Auch der Vollzug des Gesetzes und des Vorkaufsrechts soll verbessert werden.“ Der Bauernverband sei ein Haupt-Befürworter dieser Gesetzgebung gewesen.

Grundsätzlich sei für den Verkauf landwirtschaftlicher Flächen die Genehmigung nach dem Grundstücksverkehrsgesetz erforderlich. „Mit diesem gesetzlichen Instrument soll der Bestand an landwirtschaftlichen Betrieben gesichert werden. Die BBV Landsiedlung hat als Siedlungsunternehmen dabei ein Vorkaufsrecht zu gleichen Konditionen, wenn ein Nichtlandwirt eine landwirtschaftliche Fläche kaufen möchte, obwohl auch aufstockungsbedürftige Landwirte als Kaufinteressenten auftreten“, so Drexler weiter. „Nach Ausübung des Vorkaufsrechts kann dann die Weiterveräußerung an den betreffenden erwerbswilligen Landwirt erfolgen."

„Dabei sollte Landwirten aus der jeweiligen Gemeinde Vorrang eingeräumt werden, wenn sie die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.“ Dieses Vorkaufsrecht gelte auch dann, wenn Gemeinden im Vorgriff auf etwaige spätere Notwendigkeiten Flächen kaufen wollen, die noch nicht überplant sind.

hs

Kommentare